
Ich habe eine Frage bekommen bezüglich Bandscheibenvorfall, was man da denn so tun kann? Es sei so langwierig, wird zwar besser, aber nicht wie erwartet und die Physiotherapie tut auch noch weh. Was ich empfehlen würde?
Schnelle Hilfe bei Bandscheibenvorfall?
Meine Antwort? Schnell Hilfe gibt´s erstmal nicht. Aber bevor du vollkommen desillusioniert mit tränendem Auge den Browser-Tab schließt und weiter von Einrenker zu Einrenker pilgerst, um endlich die schnelle Lösung und den heiligen Gral bei Rückenschmerzen zu finden, möchte ich dir nur ehrlich sagen: SCHNELLE LÖSUNGEN sind meistens keine Lösungen, sondern unseriöse Werbeversprechen.
In diesem Beitrag möchte ich dir dennoch zeigen, was du gegen deinen Bandscheiben tun kannst! Tipp 2 ist ein sehr wichtiger! Also:
- Es scheint besser zu werden, Schmerz 5 statt 10 Punkte auf der numeric pain rating Skala, das ist super.
- WENN DIE PHYSIOTHERAPIE WEH TUT, dann ist es die falsche!!! Es gibt UNTER GARANTIE Übungen und Bewegungen, welche du tolerierst und welche, die du nicht tolerierst – hier liegt der Schlüssel zur Therapie!!! Ein guter Physiotherapeut sucht mit dir diese Faktoren: Was verschlimmert es und was verbessert es und baut hierum – auf Basis deiner individuellen Reaktion und der aktuell besten und verfügbaren Datenlage – dein Reha-Protokoll auf.
Hilft Physiotherapie bei Bandscheibenvorfall?
Physiotherapeut sein bedeutet nicht (mehr) Mechaniker, sondern COACH sein! Lebensstilaspekte und das Verhalten im Alltag, deine Ernährung, dein Mindset, dein Job, dein Bu(m)sverhalten, all das und noch mehr MUSS berücksichtigt werden.
Gute Physiotherapie ist MEHR ALS NUR ÜBUNGEN aneinanderreihen, den Patienten „beschäftigen“ und darauf hoffen, dass die Natur die Wunde automatisch heilt.
Physiotherapie als Coach und WUNDHEILUNGS-EXPERTE umfasst die gesamten 168 Stunden pro Woche, nicht nur die 3x20min Physio-Sessions oder die täglichen 20min Übungen pro Tag. Es geht um mehr, als einmal auf die Wirbelsäule drücken, am Bein ziehen und am Gelenk rumzubu(m)sen. Du musst Auslöser, Erhalter und Ursachen finden und diese temporär vermeiden. Also die Bewegungen, welche die Beschwerden erhalten, die müssen temporär vermieden werden. Es geht um viel mehr als das Lindern von Symptomen mittels passiver Maßnahmen, sondern um das Optimieren der Wundheilung!
Liebe Physio-Kollegen: Bitte macht eure Hausaufgaben und hört damit auf Patienten zu Schaden. Danke.
Heilen Bandscheibenvorfälle von alleine ab?
Statistisch werden zwar 7 von 10 Bandscheibenschäden „spontan resorbiert“ und „es heilt einfach so ab“ innerhalb von 6 Wochen bis 6 Monaten, aber wenn man sich die Zahl genauer anschaut, bedeutet das auch, dass es bei 3 von 10 scheinbar nicht der Fall zu sein scheint! Ich persönlich sehe in meiner Praxis womöglich immer die 3, bei denen es nicht verschwindet – und das seit fast 20 Jahren. Was man in deren Alltag oft findet, sind erhaltende Faktoren – manchmal so winzig, dass man denkt „es wäre egal“ und dann korrigiert man diese Kleinigkeiten (eine Zeit lang) und die Beschwerden verschwinden binnen Wochen. Stell dir den Bandscheibenschaden wie eine Wunde im Finger vor – du knibbelst jeden Tag einmal daran herum, reißt einmal am Tag daran und was denkst du, wird mit der Wunde passieren? Genau, sie wird nicht abheilen, eventuell stärker entzünden, vergrößern, die Narbe sieht unschöner aus und so weiter. Was ist aber, wenn die Wunde abgeheilt ist, die Narbe verschlossen? Dann kannst du machen was du willst und es bleibt stabil und schmerzfrei! Genauso musst du vorgehen!
Warum die Bandscheibe nicht heilt…
Häufig, nicht immer, geben Patienten Beugebewegungen die Schuld für den Schaden – weil die Beugebewegung auch meist schmerzhaft ist (aus den 17 Jahren in meiner Praxis würde ich sagen, dass bei 7 von 10 die Flexion, also Beugung, (zeitweise) problematisch ist, bei 2 von 10 die Extension und bei 1 von 10 die Rotation, alles meist gekoppelt mit Kompression: Husten, Niesen, Gewichte heben…). Das bedeutet aber nicht, dass die Beugebewegung die Ursache ist: Wenn du eine Wunde hast und Salz reinstreust, dann tuts weh, aber du würdest nicht sagen, dass das Salz die Wunde gemacht hat? Das Salz kann allerdings einen Erhalter und Störfaktor für eine ordentliche Wundheilung darstellen.
So kann eine Beugebelastung bei einem akuten Schaden einen Erhalter darstellen. Dein Körper gibt dir Bescheid in dem er dir seit 4 Monaten sagt: JUNGE HÖR MIR ZU, DU BIST AUF DEM FALSCHEN DAMPFER LASS DIE SCHEIßE #schmerz
Wenn dir das Niesen wehtut, was solltest du dann tun? GENAU! Nicht mehr niesen… wenn’s so einfach wäre! Nein, aber Wege finden, dass das Niesen weniger schmerzt: Z. B. kannst du dich am Tisch, der Wand festhalten, vom Sitz aufstehen, dich von Rückenlage auf die Bauchlage drehen. Finde Wege, welche deine Symptome bei bestimmten und unvermeidbaren Bewegungen sowie Tätigkeiten SOFORT reduzieren.
Rückenschmerzen im Alltag?
Unser Alltag ist ein großer Faktor bei Rückenschmerzen! Bu(m)sen, Auto fahren, sitzen, Schuhe zubinden, Socken anziehen, Niesen, Husten, Fußnägel schneiden, Verstopfung (einen abseilen mit Druck = Flexion+Kompression), dein Kind vom Boden aufheben, deinen Hund abtrocknen nach dem Spaziergang, wie du ins Bett ein- und aussteigst, wie du schläfst (in Embryostellung?), dein Sport und vieles mehr.
Das kann temporär (!) bei einer Flexionsintoleranz – so nennt man ein Beschwerdebild, welches auf Beugebewegungen empfindlich reagiert – die Beschwerden erhalten. Das muss TEMPORÄR vermieden werden, KONSEQUENT! Die Narbe bildet sich UND DANN…
… baust du SCHRITTEWEISE mit kleinsten Schritten genau die Bewegung auf, welche die Beschwerden macht oder gemacht hat und arbeitest sogar mit den Bewegungen, welche die Beschwerde vermutlich ausgelöst haben. In diesem Beispiel: Flexion. Du startest, nachdem du 4-6 Wochen diese Bewegung bewusst vermieden hast, mit der Beugung und Rotation in Seitlage, später im 4-Füßlerstand, dann im Sitzen, dann im Stehen, später mit vorgeneigtem Oberkörper, dann startest du Gewichte mit extra rundem Rücken vom Boden aufzuheben und so weiter und dann machst du irgendwann sogar den Jefferson-Curl!? Vielleicht.

Ich, nach einem Cauda-Equina-Syndrom und 2 weiteren Bandscheibenvorfällen…
In Untersuchungen wird zwar gezeigt, dass endgradige Stellungen (Flexion, Extension, Rotation, egal was, alles was endgradig ausgeführt wird!) den Stress auf das Gewebe maximieren und das Risiko für einen Überlastungsschaden erhöhen können, aber es wird auch gezeigt, dass unser Gewebe sich an diese Belastungen vermutlich anpasst – wenn man wohldosiert arbeitet!
Wichtig zu verstehen ist auch, dass es neben der mechanischen „Hypothese“ für Bandscheibenschäden, auch eine bakteriologische-immunologische Hypothese gibt (da benötigst du zusätzlich eventuell Antibiotika!) – also Bandscheibenschaden ausgelöst durch bakterielle Infektion – eine ernährungsphysiologische (zu viel Koffein, zu wenig Baustoffe wie Kollagen, Glycin, D3, Vitamin C…) und natürlich auch Lifestyle-bezogene „Ursachen“: Zu wenig Schlaf, zu viel Stress, beides reduziert die Wundheilung und die adaptive Kapazität des Körpers, sowie chronische Inaktivität im Alltag – die Bandscheibe ist von Bewegung im Alltag abhängig, sonst wird sie schlecht mit Nährstoffen versorgt – selbst wenn du 7×1 Stunde pro Woche Kraftsport machen würdest und den Rest nur sitzt, ist das zu wenig!!! Und ein Wermutstropfen: Egal wie alt und was du machst, statistisch wirst du einen Bandscheibenvorfall bekommen (der auch wieder abheilt), wenn du ein Mensch bist. #shithappens

Ein Bandscheibenvorfall heilt von alleine ab! Meistens jedenfalls. Neuste Daten zeigen auch, dass Entzündungshemmer negativ auf die spontane Abheilung eines Bandscheibenvorfalls wirken, in dem sie z. B. den Resorptionsprozess stören! Mehr dazu findest du in meinem humorvollen Physio-Fachbuch UND Patientenratgeber Diagnose sportunfähig.
Kommt ein Bandscheibenvorfall wirklich plötzlich?
„Ich habe mich gestern einmal gebückt und PLÖTZLICH hatte ich einen Bandscheibenvorfall.“
Kann sein, dass du genau in diesem Moment Symptome bekommen hast. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass in dieser einen Sekunde aus einer vollkommen unauffälligen Bandscheibe ein ausgewachsener Bandscheibenvorfall geworden ist. Plötzlich ist häufig das Ereignis beziehungsweise das Symptom. Die strukturelle Vorgeschichte kann wesentlich länger sein.
Bandscheibengewebe wird schließlich nicht nur durch die eine Wiederholung im Fitnessstudio belastet. Dein gesamter Alltag spielt mit rein: Sitzen, Autofahren, körperliche Arbeit, Training, statische Belastungen, wiederholte Bewegungen, Kompression, Regeneration und natürlich deine individuelle Gewebekapazität. Gewebe besitzt außerdem eine Fatigue-Grenze. Die Belastung, die einmal problemlos toleriert wird, muss nach sehr vielen Belastungszyklen nicht mehr dieselbe sein.
Stell dir eine Büroklammer vor: Einmal biegen, nichts. Zweimal biegen, nichts. Immer wieder biegen – irgendwann KNACK.
Die letzte Bewegung war dann zwar der Moment, in dem sie gebrochen ist. Die vorherigen Belastungen waren aber nicht plötzlich bedeutungslos. Bei der Bandscheibe ist das natürlich komplexer als bei einer Büroklammer, weil menschliches Gewebe lebt, repariert und auf Belastung reagiert. Aber genau deshalb sind auch Belastung UND Erholung entscheidend.
Es gibt also nicht unbedingt die eine „falsche Bewegung“, aber es gibt zu lange, zu viel, zu oft und zu ungeduldig.
Heute Jefferson Curls, morgen schweres Kreuzheben, dazwischen zwölf Stunden Sitzen, übermorgen wieder Vollgas – und jede Belastung einzeln betrachtet sieht vielleicht gar nicht dramatisch aus. In Summe kann deine aktuelle Belastung irgendwann größer werden als das, was das Gewebe zu diesem Zeitpunkt toleriert.
Das ist das, was ich in der Praxis gerne als klinisch stumme Phase bezeichne: Strukturelle Veränderungen beziehungsweise kleinere Schäden können vorhanden sein, ohne dass du sie bemerkst. Und irgendwann kommt eine Bewegung, ein Husten, ein schwerer Satz oder morgens das Sockenanziehen und:
BUMS.
„Gestern war doch noch alles gut!“
Vielleicht (a)symptomatisch alles gut. Strukturell möglicherweise nicht.
Das bedeutet übrigens nicht, dass du jetzt vor jeder Bewegung Angst haben sollst. Ganz im Gegenteil. Zu wenig Belastung ist genauso wenig die Lösung wie permanente Überlastung. Die Bandscheibe ist ein stoffwechselaktives Gewebe, das von wechselnder Be- und Entlastung profitiert. Was uns allerdings weiterhin fehlt, sind genaue menschliche Daten dafür, welche Belastungsdosis, Frequenz und Regenerationszeit für jede individuelle Bandscheibe „optimal“ sind. Genau das hatte ich schon 2017 kritisiert – und wir sind da immer noch nicht so viel schlauer.
Wichtig für die Bandscheibentherapie
Hör auf, zwanghaft nach DER einen Bewegung zu suchen, die alles kaputtgemacht hat. Schau dir die gesamte Belastung an und deinen gesamten Alltag, deine Ernährung, deine Stoffwechselsituation, dein Stress-Level!
Was provoziert deine Beschwerden? Was verbessert sie? Was machst du 168 Stunden in der Woche? Wie ernährst du dich? Gibt es Nährstoffmängel? Was musst du vorübergehend ändern? Was hast du die letzten Wochen oder Monate geändert?
Und wie bekommst du die Belastung anschließend SCHRITTWEISE wieder zurück ins normale Leben, schmerzfrei und belastbar nach deinem Bandscheibenvorfall?
Genau darum geht es im Rest dieses Artikels.
Was sind gute Übungen für Bandscheiben?
Du benötigst also statt „einer tollen Übung für den Rücken“, eigentlich fast gar keine Übungen, sondern eine wundheilungsangepasste Ernährungs- und Verhaltensweise. Ich könnte zum Werwolf werden, wenn ich diese Insta-Scheiße täglich sehe, wo dir irgendwelche Billobongos erzählen wollen, welche Übungen du für deinen Rücken benötigst, JUUUUNGE, was ein Unsinn.
Du benötigst für eine erfolgreiche Reha einen Alltag und Alltagsaktivitäten, welche bewusst, im ersten Schritt vermieden und im zweiten Schritt wieder aufgebaut werden. Das sind keine besonderen Übungen und wenn, dann sind sie so individuell wie du selbst!

Zur Wiederholung: Das was Probleme macht, das streichst du vorübergehend KONSEQUENT heraus und dann baust du diese Bewegung kleinschrittig wieder auf. Und damit die Bandscheibe langfristig gesund bleibt, benötigst du auf jeden Fall ausreichend Bewegung, nicht zwangsläufig Beugung oder eine bestimmte Bewegung, einfach nur ein regelmäßiger Wechsel; das sorgt dafür, dass die Bandscheibe besser mit Nährstoffen versorgt wird.
Muss ich die Bandscheibe operieren lassen?
Im übrigen hilft eine PRT-Spritze nicht dabei die Bandscheibengesundheit zu verbessern, sondern nur den Schmerz zu nehmen. Eine Operation ist selten notwendig und „Schmerz alleine“ ist sowieso keine Operations-Indikation! Wenn der Schmerz beispielsweise im Rücken ist, statt im Bein, nennt man das auch Zentralisation und das ist eher positiv zu werten. Also zumindest, wenn man nach dem McKenzie-Konzept denkt.
Ich habe derzeit einen Patienten, der wirklich unzufrieden aussah, das Gesicht zur Faust geballt und sagte „boah, ich hab voll die Rückenschmerzen, das wird immer schlimmer, das bringt alles nichts“ und im Gespräch fragte ich, ob das im Bein denn auch schlimmer wird – er meinte, dass er im Bein nichts mehr merkt, aber dafür jetzt im Rücken!!! Das bedeutet, „theoretisch“, dass weniger Druck auf dem Nerven lastet und sich die Problematik eigentlich verbessert (nach McKenzie).
Allein dieses Gespräch entlockte dem schmerzverzehrten Gesicht ein kleines Lächeln… und auch dein Mindset (Placebo und Nocebo) spielt eine entscheidende Rolle bei der Wundheilung, bei der Entstehung (und Lösung) von Schmerzen und der Rehabilitation von Verletzungen. Dein Körper geht dahin, wo dein Geist schon war!*
Bandscheibenvorfälle sind meistens nicht gefährlich und heilen ab!
Und ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag auch ein kleines Lächeln entlocken und etwas Hoffnung machen. Denn: Unser Körper kann das sehr gut, du musst ihm nur zuhören und mit ihm, statt gegen ihn arbeiten!
*dieser Patient ist mittlerweile nahezu Beschwerdefrei und trainiert wieder progressiv mit Gewichten, auch Kreuzheben, Sprünge und Jefferon Curls sind im Programm. Aber alles in richtiger Dosierung und individuell angepasst.
Mehr zum Thema Operation bei Bandscheibenschaden ja oder nein liest du hier.

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Was tun bei Bandscheibenvorfall?
Was sollte man bei einem Bandscheibenvorfall als Erstes tun?
Zuerst muss geklärt werden, was neurologisch los ist. Bei Blasen- oder Darmstörungen, Taubheit im Genital-/Reithosenbereich oder deutlicher beziehungsweise zunehmender Muskelschwäche gehört das sofort ärztlich abgeklärt. Wenn solche Red Flags fehlen, beginnt die Behandlung meistens konservativ: Beschwerden verstehen, aktuell schlecht tolerierte Belastungen reduzieren und anschließend Bewegung und Belastbarkeit wieder progressiv aufbauen. Du lässt erstmal alle Scheiße sein und baust dann schrittweise alle Scheiße wieder auf! It´s that simple!
Sollte man sich bei einem Bandscheibenvorfall schonen oder bewegen?
Dauerhafte Schonung ist keine Lösung. Gleichzeitig musst du auch nicht jeden Schmerz ignorieren und einfach „reintrainieren“. In der akuten beziehungsweise reizbaren Phase passe ich Bewegungen und Belastungen an, die deine Beschwerden reproduzierbar verschlechtern. Danach werden genau diese Belastungen schrittweise wieder aufgebaut. Das Ziel ist nicht Schonung – das Ziel ist Belastbarkeit. Spaziergänge helfen oft und Training oder Bewegungen die nichts mit der Wirbelsäule zu tun haben: Arme kreisen, Füße kreisen und so weiter.
Welche Übungen helfen bei einem Bandscheibenvorfall?
Es gibt nicht DIE Bandscheibenübung. Was hilft, hängt von deinem Symptomverhalten ab. Bei einem flexionsintoleranten Patienten kann Beugung vorübergehend reduziert werden, während ein anderer genau darauf gut reagiert. Deshalb ist ein vernünftiges Assessment wichtiger als die nächste Instagram-Liste mit den „5 BESTEN ÜBUNGEN GEGEN BANDSCHEIBE!!!“. Das was du wieder können möchtest, dass muss in deinen Behandlungsplan integriert werden, aber kleinschrittig und schmerzfrei.
Wie lange dauert ein Bandscheibenvorfall?
Viele Patienten verbessern sich innerhalb der ersten 2-4 Wochen deutlich. Die strukturelle Resorption des vorgefallenen Materials dauert häufig mehrere Monate und findet überwiegend innerhalb der ersten sechs Monate statt. Eine Meta-Analyse mit 2.233 konservativ behandelten Patienten fand bei etwa 70 % eine spontane Resorption (Zou et al. 2024).
Kann ein Bandscheibenvorfall plötzlich entstehen?
Die Beschwerden können definitiv plötzlich auftreten. Der strukturelle Prozess muss aber nicht in diesem Moment begonnen haben. Belastungen können über längere Zeit akkumulieren und strukturelle Veränderungen können zunächst symptomlos bleiben. Deshalb ist die Frage „Was habe ich gestern falsch gemacht?“ häufig weniger hilfreich als die Frage, wie deine gesamte Belastung und Regeneration in den Wochen und Monaten (oder Jahre) davor aussah.
Kann ein Bandscheibenvorfall vollständig heilen?
Vorgefallenes Bandscheibenmaterial kann teilweise oder vollständig resorbiert werden – bei Extrusionen und Sequestern sogar ziemlich häufig. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Bandscheibe histologisch wieder exakt aussieht wie vor der Verletzung. Klinisch ist entscheidender, ob Beschwerden, Neurologie, Funktion und Belastbarkeit wiederhergestellt werden und ja, du wirst meistens wieder schmerzfrei und belastbar. Du musst also kein perfektes MRT haben, um wieder perfekt funktionieren zu können.
Muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden, wenn er nach einigen Monaten noch da ist?
Nicht allein deshalb, weil er auf dem MRT noch sichtbar ist. Die OP-Entscheidung hängt von Symptomen, neurologischem Befund, Verlauf und dem Erfolg einer vernünftigen konservativen Behandlung ab. Das Thema behandle ich deshalb ausführlich im separaten Artikel „Bandscheibenvorfall – operieren oder nicht?“.
Weiterlesen
- Kreuzheben mit rundem Rücken gut oder schlecht?
- Bandscheibenvorfall: Operieren oder konservativ behandeln?
- Diagnose sportunfähig: Viele asymptomatische Befunde bei gesunden Menschen
- Was kann ich bei Rückenschmerzen tun? Wie werde ich die los?
- Hilft der Jefferson Curl bei Rückenschmerzen?
- Rückenschmerzen durch Training am Morgen? Kann das sein?
Wenn dich diese Thematik interessiert und du mehr zur Wirbelsäule, Physiotherapie, der Bandscheibe und schwerste Gewichte vom Boden heben (Kreuzheben und Powerlifting) lernen möchtest?
Dann auf auf zu unseren Workshops!
Und viel tiefer als in diesem Beitrag behandle ich diese Thematik in meinem 2023 erschienen und humorvollen Physio-Fachbuch Diagnose sportunfähig.
Dieses Buch ersetzt zwar keinen guten Physio… aber einen schlechten!
HINWEIS: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.








