Honig, Zucker, Süßstoff: Was ist gesünder?

Chris Eikelmeier

Chris Eikelmeier – Physiotherapeut, kPNI-Therapeut (Univ. Salamanca), Dozent und Athlet. 20 Jahre Praxis, 25 Jahre Leistungssport.

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Oh nein!? Neue Studie zu Süßstoff zeigt, dass Sucralose mehr Hunger macht! Oder? Und ist Honig jetzt die bessere, natürliche Alternative – oder am Ende auch nur Zucker mit Heiligenschein?

Die kurze Antwort: Süßstoff und Honig sind zwei völlig unterschiedliche Werkzeuge. Süßstoffe liefern kaum Kalorien und können sinnvoll sein, wenn sie Zucker ersetzen. Honig liefert Kalorien und besteht zum großen Teil aus Zucker, enthält aber zusätzlich Polyphenole, Enzyme, organische Säuren und antimikrobielle Bestandteile.

Was ist also gesünder? Kommt drauf an. Für Kalorienreduktion, Blutzucker und Diätalltag kann Süßstoff praktisch sinnvoller sein. Für Geschmack, Küche, Husten, lokale Anwendungen oder als hochwertigeres Süßungsmittel kann Honig spannender sein. Aber Honig ist kein magischer Fettverlust-Nektar und Süßstoff ist nicht automatisch giftig!

In diesem Artikel schauen wir uns deshalb an, was Studien zu Sucralose, Hunger, Blutzucker, Mikrobiom, Insulinresistenz, Honig, Diabetes, Rohhonig und medizinischem Honig wirklich zeigen – ohne Roh-Gang-Religion und ohne Süßstoff-Panik, aber auf Basis aktueller wissenschaftlicher Daten!

„Sucralose macht Hunger!“ #schlagzeile

Chakravartti et al. zeigt 2025 nämlich in einer Studie, dass Sucralose vs. Saccharose zu mehr Hunger und einer stärkeren hypothalamischen Durchblutung (Appetitzentren) führt!

Sucralose, der meistgehasste Süßstoff nach Aspartam, erhöhte den Hunger GEGENÜBER ZUCKER! Nicht aber gegenüber Wasser… bemerkst du einen kleinen methodischen Fehler der Schlagzeilen?

Yes = die Zuckergruppe bekam Zucker MIT KALORIEN, 75g Zucker mit 300kcal!!! Womöglich erhöht das die Sättigung, oder? Zucker erhöht nämlich GLP-1 (wie die Abnehmspritze?), Insulin und den Blutzucker, alle 3 sind Sättigungssignale.

Neue Schlagzeile könnte genauso heißen: WASSER MACHT MEHR HUNGER!?

Die Studie beschreibt auf alle Fälle einen akuten (!) Mechanismus, dass Sucralose die Durchblutung der Sättigungszentren anders beeinflusst als wenn du 300kcal in Form von Zucker konsumierst. Sie beschreibt NICHT, dass Sucralose Hunger macht. Das wird aber natürlich in vielen „Schmuddelblättern“ wieder (falsch) erzählt! Mehr dazu im aktuellen YouTube-Video:

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„Ist Süßstoff auf Dauer gefährlich?“

Andere Studien zeigen, was langfristig passiert wenn du mehr Sucralose konsumierst. Bist du bereit? Schonmal einen Hasskommentar ausdenken:

Die Meta-Analyse von Laviada-Molina et al. 2020 fasste Daten aus 20 randomisierten kontrollierten Studien zusammen, um die Wirkung von Süßstoffen wie Sucralose auf Körpergewicht und BMI zu bewerten. Das Ergebnis? SCHICK DEN KOMMENTAR SCHONMAL AB: Süßstoffe führten im Durchschnitt zu einer signifikanten Gewichtsabnahme im Vergleich zu Zucker oder Placebo, besonders bei übergewichtigen Personen. Wer hätte das gedacht?

Die Ergebnisse werden auch von Higgins et al. (2019) bestätigt: In dieser 12-wöchigen Studie wurden vier kalorienfreie Süßstoffe (darunter Sucralose) mit Saccharose (also Zucker) verglichen, um ihre Auswirkungen auf das Körpergewicht übergewichtiger Erwachsener zu ermitteln. Sucralose führte zu einer stärkeren Gewichtsreduktion als Saccharose und erwies sich als effektiver Bestandteil einer kalorienreduzierten Ernährung. Hm? Und auch Harrold, McGlynn und viele weitere Studien / RCTs und Metaanalysen zeigen, dass Sucralose-Konsumierer teils mehr Gewicht verlieren als die Zucker- oder Wassergruppe.

VERMUTLICH WEGEN DER DYSBIOSE ODER? ES MUSS DIE DYSBIOSE SEIN. Dazu gleich mehr…

Was sind eigentlich Süßstoffe?

Süßstoffe sind nicht-nutritive Süßungsmittel (engl. „non-nutritive sweeteners“, NNS), die im Gegensatz zu Zucker kaum oder keine Kalorien liefern, aber ein Vielfaches süßer schmecken können. Die bekanntesten Vertreter:

  • Sucralose: ca. 600x süßer als Zucker, thermisch einigermaßen stabil (dazu gleich mehr), in vielen Proteinpulvern und Diätprodukten enthalten
  • Aspartam: ca. 200x süßer, weniger hitzestabil, zerfällt in Phenylalanin, Aspartat und Methanol
  • Acesulfam-K: ca. 150–200x süßer, wird unverändert ausgeschieden
  • Stevia (Steviosid): natürlich gewonnen, ca. 200–300x süßer
  • Erythrit, Maltit, Xylit: Zuckeralkohole mit Kalorien, aber niedrigem glykämischen Index – können bei übermäßigem Verzehr abführend wirken

Die Unterschiede in Struktur, Metabolisierung und physiologischer Wirkung sind erheblich – weshalb eine pauschale Bewertung meist schwierig ist – aber sind sie deshalb giftig?

Süßstoffe erhöhen den Blutzucker – was sagen Studien?

Mehrere systematische Reviews und Metaanalysen zeigen: Süßstoffe wirken sich nicht negativ auf den Blutzucker aus – im Gegenteil. Substitution von Zucker durch NNS führt häufig zu einer Verbesserung des Blutzuckerprofils, Senkung des HbA1c und geringerer Insulinausschüttung (McGlynn et al. 2022, Laviada-Molina et al. 2020).

Eine randomisierte Studie von Grotz et al. (2017) untersuchte 1 g Sucralose täglich über 12 Wochen und fand keine Veränderung des nüchternen Blutzuckers, HbA1c oder Insulinspiegels. Auch die Glukosetoleranztest-Ergebnisse blieben stabil.

Andere Studien zeigen leichte Anstiege bei Insulin oder Blutzucker – jedoch meist:

  • bei sehr hohen Dosen (z. B. 780 mg/Tag Sucralose): Ein Proteinshake oder Aminosäurepulver enthält 15-100mg Sucralose, je nach Geschmack und Hersteller…
  • in Kombination mit Kohlenhydraten (!!!),
  • oder bei Menschen mit bereits gestörtem Stoffwechsel (Romo-Romo et al. 2020, Dalenberg et al. 2020).

Wichtig ist dabei auch, dass die physiologische Relevanz dieser leichten Veränderungen oft geringer ausfällt, als die von natürlichen Schwankungen durch Schlaf, Stress, Übergewicht oder Bewegung.

In einer Studie berichteten die Probanden in der Süßstoff-Getränkegruppe über deutlich stärkere Rückgänge des subjektiven Hungergefühls als die Wasserkontrollgruppe – über einen Zeitraum von 12 Wochen. Also Wasser ist Süßstoff-Getränken in einem umfassenden Gewichtsreduktionsprogramm nicht überlegen, warum wird dann immer gesagt, dass Süßstoffe mehr Hunger machen?  In einer Studie von 2019 erhielten Teilnehmende 780 mg Sucralose pro Tag, das hatte ich oben schon erwähnt – Ergebnis nach 7 Tagen: keine Veränderung von Blutzucker, Insulinsensitivität oder Darmflora. Bei 667 mg/Tag über 13 Wochen ebenfalls keine Veränderung in HbA1c, Nüchternblutzucker oder C-Peptid im Vergleich zu Placebo (Grotz et al. 2003, Peters et al. 2024, Laviada-Molina et al. 2020, Ahmad et al. 2020, Méndez-García et al. 2022, Lee et al. 2022).

Interessant ist auch ein möglicher Mechanismus, wie – wenn auch nur leicht – Sucralose den Blutzucker erhöhen kann: Im Darm kann Sucralose – das wurde in Tierversuchen gezeigt – den SGLT1 erhöhen, also einen Glukosetransporter im Darm, welcher dazu führt, dass man mehr Glukose aus dem Darm aufnehmen kann (Qian et al. 2021). Somit erhöht Sucralose dann nicht den Blutzucker, weil es irgendetwas kaputt macht, sondern weil es die Aufnahme im Darm verbessert! Das kann ja für z. B. Sportler sinnvoll sein, die während der Belastung mehr und schneller Energie aufnehmen sollen?

Und dann muss man nicht über eine Insulinresistenz sprechen, sondern über erhöhte Glukosewerte (bessere Aufnahme?) und damit gekoppelt höhere Insulin-Level, was nicht schlimm ist. Insulin ist sättigend, verbessert die mitochondriale Leistung, ist entzündungshemmend, muskelaufbauend und reduziert die Ausscheidung von Elektrolyten. Man muss keine Angst über (mal) höhere (leicht, nur messbar) Insulin-Level haben, sondern über etwas, was die Insulinkaskade langfristig und nachhaltig schädigt und das zeigen die Studien doch gar nicht? 

Mehr zu moderner Sporternährung liest du hier.

Süßstoffe Wirkung auf GLP-1, Insulin und Sättigung…

Süßstoffe beeinflussen manchmal das Hormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1 = Abnehmspritze?) – eines der zentralen Sättigungssignale im Darm. GLP-1 wird im distalen Dünndarm freigesetzt und:

  • verzögert die Magenentleerung,
  • steigert die Insulinfreisetzung (glukoseabhängig),
  • senkt den Blutzucker,
  • reduziert die Nahrungsaufnahme.

Einige Studien zeigen, dass Sucralose, insbesondere in Kombination mit Glukose, zu einem Anstieg von GLP-1 führen kann (Temizkan et al. 2015). Andere Studien finden keinen Effekt (Ma et al. 2009).

Interessant: In einer RCT mit Jugendlichen mit Diabetes erhöhte der Konsum von Light-Getränken kurzfristig die GLP-1-Sekretion – in vergleichbarem Maße wie kohlenhydrathaltige Getränke (Brown et al. 2012), was vermutlich die Sättigung erhöht!!!

Meta-Analysen wie von Higgins et al. (2019) deuten darauf hin, dass Sucralose und Stevia tendenziell eher zur Gewichtsstabilität oder -reduktion beitragen – vermutlich durch Sättigungseffekte und (indirekt) reduzierte Kalorienzufuhr, was gesundheitsförderlich ist.

Sucralose, Süßstoffe und das Mikrobiom: Machen Süßstoffe Darmprobleme?

Hier wird’s kontrovers: Einige Tierstudien (Suez et al. 2014) zeigten Veränderungen der Mikrobiota-Zusammensetzung und der Glukosetoleranz bei hoher Süßstoffzufuhr – besonders bei Saccharin. Sucralose hatte zwar geringere, aber messbare Effekte.

Suez und Kollegen suchten gezielt nach Menschen, die nie Süßstoffe konsumierten – was extrem schwer ist! Insgesamt gab es 6 randomisierte Gruppen: eine Kontrollgruppe ohne Süßstoffe, eine Glukosegruppe und je eine mit Saccharin, Sucralose, Aspartam und Stevia. Also 6 Gruppen.

Bezogen auf Sucralose: Verabreicht wurden 34 % der ADI, also rund 300 mg täglich. Diese Dosierungsangaben sind oft kaum transparent – in vielen Studien muss man ewig suchen, um genau zu verstehen, was gemacht wurde. Warum nicht einfach in einer Tabelle?! Im Glukosetoleranztest stieg der Blutzucker in der Sucralose- und Saccharin-Gruppe leicht an – aber nicht in den Gruppen mit Glukose, Aspartam oder Stevia. Statistisch signifikant, aber praktisch relevant? Fraglich. Übrigens: Die Teilnehmenden führten die Glukosetoleranztests zuhause selbst durch! Ausgewählt wurden nur Personen, die bewusst auf Süßstoffe verzichteten – rund 90 % der ursprünglich Interessierten wurden ausgeschlossen, da sie (unbewusst) doch welche konsumierten. Ich will nicht sagen, dass die beim Test unbedingt einen Fehler gemacht haben, aber Menschen die bewusst ihr Leben lang auf Süßstoffe verzichten, sollen den Abschlusstest machen? Komm, wenn da nicht jemand eine Bias-Brille auf hat. Alleine die Cortisolantwort kann das Ergebnis beeinflussen.

Die Studiendauer betrug 2 Wochen. Wie sich das Ganze langfristig entwickelt hätte, wissen wir natürlich nicht. Interessant war auch, das nachfolgende Mausmodell: In diesem Mausmodell wurde der Stuhl der Proband transplantiert. Überraschenderweise zeigte sich dabei kein negativer Effekt durch Sucralose – hier schnitt es sogar besser ab.

In einer Humanstudie von Méndez-García et al. (2022) veränderten 10 Wochen Sucralose (48 mg/Tag) die Mikrobiom-Zusammensetzung leicht, erhöhten aber auch die Konzentration an Butyrat-produzierenden Bakterien, z. B. Blautia spp. und Roseburia spp. Was gut ist!!! Butyrat ist gut, da es sättigen kann und die Insulinsensitivität verbessert.

Ahmad et al. fanden 2020 in einer randomisierten Crossover-Studie keinen relevanten Einfluss von 136 mg Sucralose/Tag auf das Mikrobiom gesunder Erwachsener nach 14 Tagen.

Naja, Süßstoffe machen im Grunde genau das, was sie sollen – sie liefern keine Kalorien, helfen beim Kaloriensparen, schmecken gut, und die Leute nehmen damit ab und verbessern ihre Gesundheit.

Aktuelle Süßstoff-Studien im Jahr 2026…

Die SWEET-Study von Pang et al. untersuchte in einer großen randomisierten kontrollierten Studie, wie sich Süßstoffe und Süßungsmittel auf Gewichtsstabilisierung, Stoffwechselmarker und Darmverträglichkeit auswirken. Nach einer zweimonatigen Abnehmphase folgte eine zehnmonatige Erhaltungsphase mit rund 400 Probanden. Alle Gruppen sollten weniger als 10 % Zucker und raffinierte bzw. stark verarbeitete Kohlenhydrate konsumieren. Danach wurde verglichen, ob der zusätzliche Einsatz von Süßstoffen und Süßungsmitteln einen Unterschied macht. In den ersten 2 Monaten nahmen die Probanden übrigens knapp 10kg ab, was ich übertrieben viel finde – was aber die einzige „Merkwürdigkeit“ ist.

Und interessant war? Die Süßstoffgruppe konnte ihre Gewichtsreduktion besser halten und hatte im Schnitt etwa 1,6 kg weniger Fettmasse als die Kontrollgruppe. Das klingt nicht spektakulär, ist aber für eine zehnmonatige Gewichtserhaltungsphase durchaus relevant, denn meist scheitert es ja am Gewichtserhalt nach der Abspeckphase!

Künstliche Süßstoffe und Insulinresistenz?

Gleichzeitig zeigten sich bei Pang´s SWEET STUDY keine negativen Effekte auf wichtige Stoffwechselmarker wie Blutzucker, Triglyzeride oder kardiovaskuläre Risikomarker. Das ist besonders interessant, weil Süßstoffen häufig unterstellt wird, sie würden den Blutzuckerstoffwechsel verschlechtern, die Insulinsensitivität negativ beeinflussen oder kardiometabolische Risiken erhöhen. In dieser Studie zeigte sich das über zehn Monate jedoch nicht – passend zu allen anderen Studien, die wir uns jetzt schon angeschaut haben!

Wichtig ist aber die Differenzierung und damit zurück zu den Darmproblemen durch Süßstoffe: In der Süßstoffgruppe wurden nicht nur klassische Süßstoffe wie Sucralose oder Aspartam betrachtet, sondern auch süß schmeckende Zuckeralkohole bzw. Polyole wie Xylitol, Maltitol oder Erythrit. Diese Stoffe können bei empfindlichen Personen oder höherer Aufnahme Verdauungsbeschwerden auslösen – kann ich dir an Lied von singen, oder eher furzen! 2 Kaugummis und ich scheeeeeeee… erspare ich dir.

Entsprechend berichtete die Süßungsmittelgruppe etwas häufiger über Blähungen, Durchfall oder Bauchkrämpfe. Kritiker der Studie sagen dann: „Siehst du, Süßstoffe machen Darmprobleme“, aber nein, es waren die FODMAPs, also die Zuckeralkohole, Polyole und die anderen Süßungsmittel – nicht die Süßstoffe!

Was ist also gesünder, Zucker oder Süßstoff?

 Auch die Arbeit von Ayoub-Charette et al. aus dem Jahr 2025 passt in dieses Bild. Dabei handelt es sich um ein Review über Meta-Analysen, also eine Art übergeordnete Bewertung bestehender systematischer Übersichtsarbeiten. Besonders relevant ist hier die Unterscheidung zwischen einfachen, „naiven“ Analysen und bias-korrigierten Auswertungen.

In Interventionsstudien, in denen Süßstoffe gezielt als Ersatz für Zucker eingesetzt wurden, zeigten sich keine relevanten negativen Effekte. Im Gegenteil: Low- und No-Calorie-Sweeteners reduzierten Energiezufuhr, Körpergewicht und Körperfett. In bias-korrigierten Analysen zeigten sich zudem Vorteile bei BMI und systolischem Blutdruck. Gegenüber Wasser waren die Effekte insgesamt ähnlich, was auch logisch ist: Wasser liefert keine Kalorien, Süßstoffgetränke ebenfalls kaum oder keine. Der Hauptnutzen entsteht also vor allem dann, wenn Süßstoffe kalorienhaltige Zuckerquellen ersetzen.

Spannend wird es bei Kohortenstudien. In einfachen Beobachtungsanalysen wirken Süßstoffe oft mit Übergewicht, Diabetes, Schlaganfall oder kardiovaskulären Risiken assoziiert. Werden diese Daten jedoch methodisch besser bereinigt, drehen sich viele Ergebnisse. Warum? Vor allem wegen der reversen Kausalität!

Süßstoffe sind in Interventionsstudien also eher mit niedrigerem Körpergewicht, geringerem Taillenumfang, weniger Adipositas und günstigeren kardiometabolischen Ergebnissen verbunden. Genau daran sieht man, warum das Studiendesign und eine saubere Interpretation wichtiger ist als die Schlagzeilen – die oft aus dem Zusammenhang gerissen werden!

Süßstoffe machen dick… oder nicht?

Espinosa et al. zeigten 2026 in einer großen Beobachtungsstudie mit etwa 150.000 Menschen, dass Menschen über die Jahre im Durchschnitt an Körpergewicht zulegen. Das ist erst einmal kein Süßstoff-Thema, sondern ein ziemlich normales Muster unseres modernen und unbewegten Lebens voller Kalorienüberschüsse. Aber verändern Süßstoffe diesen Verlauf? Das wurde halt von Espinosa geprüft:

Süßstoffe verhinderten die langfristige Gewichtszunahme nicht komplett, schwächten sie aber leicht ab – wie auch, sie erzeugen ja nicht automatisch ein Kaloriendefizit oder bewegen dich mehr, sie sparen nur „einen kleinen Teil“ der Zuckerkalorien und helfen oft dabei mehr zu trinken – und eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme hilft tatsächlich dabei Körpergewicht zu verlieren. Der Effekt war dabei ähnlich wie bei Wasser und zeigte sich besonders bei übergewichtigen Personen.

Süßstoffe machen also nicht dick, aber sie machen auch nicht automatisch schlank.

Sie können aber beim Gewichtsmanagement helfen, wenn sie anstelle von zuckerhaltigen Getränken oder Lebensmitteln eingesetzt werden. Gerade für Menschen, die süßen Geschmack mögen und sonst regelmäßig Zucker konsumieren würden, kann das ein pragmatischer Hebel sein.

Auch wenn die WHO von Süßstoffen zur Gewichtsreduktion abrät – es gibt keine Daten am Menschen die hier wirklich etwas Negatives zeigen. Die WHO steht aber auch an manch anderen Stellen immer mal wieder in der Kritik – was jetzt aber nicht Gegenstand dieses Blogs sein sollte.

Mehr zum Thema Süßstoffe und Darmbeschwerden liest du hier.

Sucralose Genotoxizität und Hitzeprobleme?

Eine in vitro Untersuchung zeigt ERSCHRECKENDES! Sucralose ist genotoxisch – also es ist giftig auf unsere DNA! Das wurde in einem Reagenzglas gezeigt – das Problem? Es wurde für Sucralose-6-Acetat gezeigt, nicht für Sucralose – das ist nicht dasselbe! Genauso wie Kreatin nicht Kreatinin ist oder Glukose-6-Phosphat nicht Glukose.

 Also, die 2023 erschienene in vitro-Studie, die zeigte, dass Sucralose-6-Acetat in sehr hohen Konzentrationen DNA-Schäden in Zelllinien verursachen kann (Schiffman et al. 2023) genauer unter der Lupe:

In dieser Studie der North Carolina State University wurde nicht Sucralose selbst untersucht, sondern Sucralose-6-Acetat – eine Verunreinigung, die in minimalen Mengen bei der Herstellung entstehen kann. Genau deshalb wird der Herstellungsprozess streng überwacht, um diese Verbindung möglichst zu vermeiden. Und falls doch etwas davon im Endprodukt landet, gibt es klare gesetzliche Grenzwerte, die das regulieren.

Wichtig: Es handelte sich um eine in-vitro-Studie – also keine Untersuchung am Menschen, sondern an isolierten Zellen im Reagenzglas. Diese Zellen wurden extrem hohen Konzentrationen von Sucralose-6-Acetat ausgesetzt. Dabei wurden einige Marker für Zellstress oder -schädigung leicht erhöht gemessen. Auch an isolierten menschlichen Darmzellen sah man ähnliche Reaktionen – allerdings wiederum nur unter sehr unrealistischen Bedingungen. Auf Basis dieser Labordaten schlossen die Autoren dann, dass Sucralose einen „leaky gut“ auslösen und potenziell gefährlich für die Gesundheit sein könne.

Das Problem dabei ist aber, dass solche Schlussfolgerungen aus Reagenzglasdaten auf reale menschliche Gesundheit zu übertragen, extrem gewagt ist.

Wichtig:

  • Diese Konzentrationen sind beim Menschen selten realistisch erreichbar
  • Sucralose-6-Acetat ist NICHT GLEICH Sucralose
  • Die Studie war nicht am Menschen, sondern im Reagenzglas

Schaut man sich den Volltext an – nicht nur die Schlagzeilen – dann wird folgendes gezeigt: Sucralose-6-Actetat ist bei 353µg/ml genotoxisch!!!! GENOTOXISCH!

353µg/ml sind laut Schiffman schädlich? In einer interessanten Studie bekamen Probanden unterschiedlichen Alters Sucralose zu trinken und es wurde geschaut, welche Blut-Level entstehen: 250mg Sucralose zu trinken führt etwa zu 400ng bis 1500ng/mL, also knapp 1,5µg Sucralose pro mL (Sylvetsky et al. 2017)! Rechnen wir weiter…

Du müsstest also 235 mal 250mg Sucralose trinken – 1000 Dosen Sprite zero oder so – theoretisch, um die toxische Grenze im Blut zu erreichen – ohne die ganzen Regulationsmechanismen unseres tollen Körpers. Aber warte mal?

Wir sind bei Sucralose, nicht bei Sucralose-6-acetat. Das wurde leider nicht gemessen. Aus 1g Sucralose wird auch nicht 1g Sucralose-6-acetat. Im Darm können durch bakterielle Acetylierung, zumindest im Tierversuch, aus Sucralose etwa 10% Sucralose-6-Acetat entstehen. Was das bedeutet, weiß man gar nicht. Das wären dann 10.000 Dosen die man trinken müsste, um schädliche Wirkungen im Blut zu erreichen.

Sucralose kann aber tatsächlich auch Sucralose-6-Acetat enthalten, das kann als Verunreinigung auftreten. Die Mengen sind dann etwa 0,67% Sucralose-6-Acetat. Rechnen wir mal weiter… 0,67% bei 30-50mg Sucralose pro 30g sind dann etwa 200 bis 335µg Sucralose-6-Acetat (bei maximaler Verunreinigung). Da aber immer von mL gesprochen wird, müsste man die Flüssigkeitsmenge hinzurechnen, oder seh ich das falsch? Du müsstest also immer noch 300 Proteinshakes, wenn du sie mit 300ml Wasser oder Milch anrührst trinken um die schädliche Dosis im Darm zu erreichen die laut Schiffman zu leaky gut führen könnte. Denn es ist wichtig zu wissen: Wie wirken die 335µg auf welche Zelle, auf welchen Darmabschnitt über welche Zeit und welcher Konzentration (Flüssigkeitsmenge!) und ist kleiner Schaden überhaupt schlecht? Täglich werden wir mit freien Radikalen nur so zugeschossen, von Bakterien, Viren und allerlei sonstigen Giften angegriffen, aber unsere Zellen können sich ziemlich gut schützen und regenerieren.

Die Studien von Schiffmann fanden in der Petri-Schale statt und nur die höchsten Dosierungen von Sucralose-6-Acetat führten zu negativen Wirkungen auf die dort getesteten Zellkulturen (niedrigere Dosierungen ja nicht). Auch andere Stoffe, z. B. Glutamat, kann Zellen in der Petri-Schale schädigen, aber niemand würde sagen, dass der Fisch (der die Aminosäure Glutamat enthält) schädlich für unsere Zellen ist, oder?

Interessantes Ergebnis, aber man muss auch hier wieder im Höschen bleiben. Wir brauchen physiologische Dosen getestet in einem Tierversuch, einmal mit Sucralose und einmal mit Sucralose-6-Acetat, um den Unterschied zu vergleichen.

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Nur mal so: Viele unserer Produkte enthalten keine Sucralose (sondern nur Stevia) und alle Produkte gibt es auch in Geschmacksrichtung neutral. Man kann also, wenn man möchte, bewusst auf Sucralose verzichten.

Und darf ich kurz noch einmal etwas zur Dosierung von Sucralose sagen? Meist werden 10-120mg, je nach Produkt, pro 20g Produkt verwendet. Nehmen wir einen Proteinshake mit etwa 30-50mg – und dann ist es schon viel – dann müsstest du 5 Protein Shakes MAL 235 trinken – also über 1000 Proteinshakes am Tag. Ich glaube die Flüssigkeitsmenge oder dann sogar der Proteingehalt, würde dich eher in die Kiste zwingen, als die „böse Sucralose“.

Übrigens: Laut der FDA – ja ich vertrau dem Verein auch nicht unbedingt – aber dennoch: 5mg Sucralose pro kg Körpergewicht pro Tag sind nach der FDA als sicher eingestuft! Also bei 90kg sind das 450mg Sucralose, oder: 8 bis 15 Proteinshakes. Das BfR ist mega kritisch und stuft Sucralose in Lebensmitteln als bedenkenlos ein.

Backen mit Sucralose gefährlich?

Ein eigenes Thema ist die Verwendung von Sucralose beim Backen. Hier wird oft behauptet, dass beim Erhitzen gefährliche chlorierte Verbindungen entstehen können. Ganz so simpel ist es aber nicht. Die aktuelle Diskussion bewegt sich stark im Bereich von „könnte“, „möglicherweise“ und „unter bestimmten Bedingungen“ – also eher im Konjunktiv. Es gibt Hinweise aus Modellstudien, die aber nicht alle realistischen Backbedingungen zu Hause sauber abbilden.

Das schauen wir uns aber mal genauer an:

Beim Backen ist nicht nur die eingestellte Ofentemperatur entscheidend. Relevant sind auch Wassergehalt, pH-Wert, Fettgehalt, Glycerin- bzw. Lipidgehalt, Proteinanteil, Zuckeranteil, Salz, Backdauer, Temperaturverteilung und die Frage, ob man über die Oberfläche oder das Innere des Lebensmittels spricht. Ein Backofen mit 180 oder 220 °C bedeutet nicht, dass das gesamte Lebensmittel im Inneren diese Temperatur erreicht. Gerade feuchte Teige bleiben innen oft deutlich kühler, während besonders die trockenen, gebräunten Randbereiche stärker erhitzt werden.

In Modellstudien wird häufig unter trockenen Bedingungen und mit sehr hohen Temperaturen gearbeitet. Unter solchen Bedingungen kann Sucralose zerfallen und chlorierte Abbauprodukte bilden. Besonders bei Lebensmitteln mit Fetten, Glycerin oder bestimmten Proteinbestandteilen wird diskutiert, ob dabei reaktive Chlorverbindungen entstehen können, die wiederum zur Bildung von Stoffen wie 3-MCPD oder anderen Chlorpropanolen beitragen könnten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein normal gebackener Kuchen zu Hause ein relevantes Gesundheitsrisiko darstellt. Es bedeutet erst einmal: Unter bestimmten Laborbedingungen kann so etwas passieren.

3-MCPD bzw. 3-MCPD-Fettsäureester sind ohnehin kein exklusives Sucralose-Thema. Sie können auch in Palmöl, Pflanzenölen, Margarine, Backwaren und frittierten Produkten vorkommen. Diskutiert wird, dass 3-MCPD im Körper aus entsprechenden Estern freigesetzt werden kann und bei hoher Aufnahme potenziell Nieren und Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte. Deshalb sind Behörden bei solchen Stoffen grundsätzlich vorsichtig.

Ähnlich ist es mit Acrylamid: Auch das entsteht beim Backen oder Bräunen von Lebensmitteln ganz ohne Sucralose, vor allem aus der Aminosäure Asparagin und Zucker bei höheren Temperaturen. Besonders Einfachzucker können hier relevanter sein als Saccharose. Deshalb ist auch die pauschale Empfehlung „nimm lieber Honig statt Haushaltszucker, dann entsteht weniger Acrylamid“ nicht besonders sauber, weil Honig mehr Einfachzucker enthält und es dazu keine wirklich starken Daten für solche Alltagsaussagen gibt.

Das BfR warnt deshalb vorsorglich vor dem starken Erhitzen von Sucralose, insbesondere über 120 °C. Die EFSA bewertet Sucralose insgesamt als sicher, ist beim Thema Backen aber zurückhaltend, weil für reale Haushaltsbedingungen noch zu wenig belastbare Daten existieren.

Die EFSA hingegen sagt auch nicht, dass Backen mit Sucralose nachweislich gefährlich ist. Sie gibt nur keinen uneingeschränkten Freifahrtschein, solange nicht ausreichend Daten zu Temperatur, Backdauer und konkreten Lebensmittelbedingungen vorliegen.

Die sauberste Formulierung bezüglich Sucralose und Backen wäre:

Sucralose ist als Süßstoff insgesamt gut bewertet, beim starken Erhitzen und Backen bestehen aber offene Fragen, weil unter bestimmten Bedingungen chlorierte Abbauprodukte entstehen könnten. Könnten.

Deshalb ist Vorsicht hier nachvollziehbar.

Meine Empfehlung? Sucralose nicht backen, sondern nur kalt verwenden – z. B. in Shakes, Getränken oder kaltgerührten Cremes wie VOLLFETT SKYR!

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Ist Honig eine bessere Alternative zu Süßstoff und Zucker?

Wir haben ja schon gesehen: Zum Backen vermutlich nicht? Aber wir schauen uns das noch genauer an:

Honig – Was kann er wirklich?

Seit Jahrhunderten wird Honig vom Menschen verwendet: als Nahrungsmittel, Süßungsmittel, Naturheilmittel und zuletzt auf den sozialen Medien als Superfood mit Heiligenschein. Da wird gerne behauptet:

  • „Honig regt den Stoffwechsel an und hilft beim Abnehmen.“
  • „Honig ist viel besser als Zucker, weil er viele Nährstoffe liefert.“
  • „Honig enthält keinen Zucker in Form von Saccharose – also ist er gesünder.“

Was kann Honig tatsächlich leisten – und was nicht? Schauen wir uns das einmal in Kürze an:

„Honig ist (auch nur) Zucker?“

Ja, Honig enthält Nährstoffe. Aber in erster Linie ist Honig: Zucker. Nicht nur, aber viel: Etwa 80–90 % der Trockenmasse von Honig besteht aus Zucker – hauptsächlich Fruktose (38–44 %) und Glukose (30–36 %), dazu kommen kleine Mengen Saccharose (1–2 %) und andere Zucker wie Maltose, Isomaltose oder Melezitose. Kalorisch bringt Honig etwa 300–330 kcal pro 100 g mit – das ist kaum weniger als Haushaltszucker. Zum Vergleich 100g Haushaltszucker bringt es auf knapp 400kcal pro 100g.

Die Behauptung, Honig enthalte „keine Saccharose“ ist so semi-richtig: Am Ende spielt es für den Körper weniger eine Rolle, ob du reine Saccharose (= Haushaltszucker = 50% Fruktose + 50% Glukose) zuführst oder die reine Glukose + Fruktose aus dem Honig im Verhältnis von fast 1:1.

Naja und wer sagt, Honig könne „nicht dick machen“, verkennt die einfachste Regel der Thermodynamik: Energie verpufft nicht einfach, das wäre evolutionär-biologisch Unsinn.

Tauchen wir tiefer ein in den Honig – auch wenn’s klebrig wird…

Die Roh-Gang gegen die Süßstoff-Mafia. Gottes Nahrung? Wer hat Recht?

Wenn du keine sozialen Medien nutzt, kriegst du das vermutlich nicht mit. Aber hier diskutieren seit Monaten Verfechter der „Roh-Gang“, welche GOTTES NAHRUNG in jeder erdenklichen Form und Farbe herumschreien, mit der „Süßstoff-Mafia“, aber nicht auf sehr respektvolle Weise. Was ich bei dem Kindergarten witzig finde: Beide haben Recht und Unrecht und vermutlich machen das beide Seiten nur um Reichweite zu erhaschen.

Die Idee, sich natürlich und „roh“ zu ernähren, hat grundsätzlich Potenzial – doch bei Kowalik und der „Roh-Gang“ wird’s schnell dogmatisch. Es fehlt an wissenschaftlicher Tiefe, viele Aussagen wirken esoterisch und pauschal. Die Einteilung in „reine“ vs. „unreine“ Nahrung ist psychologisch bedenklich, besonders für Menschen mit gestörtem Essverhalten. Gleichzeitig werden überzogene Gesundheitsversprechen gemacht – ohne solide Datenlage. Die Ablehnung jeglicher Verarbeitung ignoriert, dass manche Verfahren (z.B. Fermentation, Erhitzen) sogar bioverfügbare Vorteile bringen. Auch die Vermischung von Ernährung und Ideologie, gepaart mit Produktverkauf, macht das Ganze widersprüchlich. Wer ernsthaft gesund leben will, braucht Differenzierung, keine Glaubensfragen.

Das macht die Süßstoff-Mafia aber nicht viel schlechter (oder besser?): Pauschal wird gesagt, dass Honig auch nur Zucker ist, Datteln ebenfalls. Aber das ist nicht richtig. Ja, die Kalorien aus Datteln und Honig zählen NATÜRLICH AUCH, aber beim Thema Gesundheit geht es nicht nur um Kalorien und Übergewicht.

Naja, jetzt bist du in etwa auf dem Laufenden. Unser Körper möchte keine Extreme, er möchte ein Normal, z. B.:

Artgerechte Ernährung Gottes Nahrung Süßsstoff-Mafia

Honig bei Diabetes? Eher mit Vorsicht!

Mehrere Interventionsstudien zeigen, dass Honig den Blutzucker- und HbA1c-Wert bei Diabetikern verschlechtern kann:

Sadeghi et al. (2019): +50g Honig pro Tag steigerte den HbA1c-Wert signifikant bei Typ-2-Diabetikern – also der „Langzeitzucker“ verschlechterte sich! 50g Honig ist jetzt nicht sooo viel.

1 Jahr später wurde in einer weiteren Interventionsstudie vom gleichen Autorenteam gezeigt, dass auch der LDL- und Adiponektin-Spiegel durch 50g Honig am Tag negativ beeinflusst wird („Consumption of 50 g/day honey had adverse effects on LDL-C and adiponectin levels in patients with type 2 diabetes.“). Metabolisch beides ungünstig.

Und noch ein Jahr später verglich das Autorenteam Honig gegen High-Fructose-Corn-Sirup und ja, Honig war besser, aber nicht gesundheits-positiv.

Yaghoobi et al. zeigte 2008 einen positiven Effekt von 70g Honig gegenüber 70g normalen Zucker auf CRP, Körpergewicht, Cholesterin und Blutzucker. Gegenüber 15g Marmelade, hatte 15g Honig am Tag, in einer im Jahr 2019 durchgeführten Studie von Farakla et al. allerdings keinen anderen Effekt auf Blutzucker und Insulinsensitivität.

Marmelade ist dann genauso gut wie Honig – beides besser als Zucker? DAS IST JA VOLL OK – aber es verändert metabolisch jetzt nicht wirklich so viel, wie dir „versprochen“ wird und auch hier zählen (leider) die Kalorien!

Also: Am Ende ist Honig zwar ein sehr hochwertiges Süßungsmittel, welches einige Polyphenole, Enzyme, Vitamine und Mineralien mitbringt, was Honig besser macht als normalen Haushaltszucker, aber es ist halt am Ende auch einfach nur ein Süßungsmittel mit 80 bis 90% Zucker auf 100g. Um noch einmal Marta Palma Morales et al. zu zitieren: „… beneficial effects of honey intake have been observed, especially WHEN ITS INTAKE REPLACES the intake of other sweeteners.“

Besser als Zucker auf alle Fälle. Immerhin.

Zudem kann Honig aber noch etwas mehr! Tiefer rein in den Honig, süßer, klebriger Honig.

Honig ist (tatsächlich) mehr als Zucker

Also jetzt zur anderen Seite: Honig ist nicht einfach nur süß – er enthält:

  • Polyphenole (z. B. Quercetin, Kaempferol)
  • Enzyme (z. B. Glukoseoxidase → bildet Wasserstoffperoxid)
  • Antimikrobielle Peptide (Bee Defensin-1)
  • Organische Säuren, kleine Mengen Vitamine (B2, B3, B5, B6, C), Mineralien (Kalium, Calcium, Zink)
  • Methylglyoxal (besonders in Manuka-Honig)
  • Präbiotische Oligosaccharide

Diese Stoffe verleihen Honig antimikrobielle, antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen – vor allem lokal, weniger systemisch.

Medizinischer Honig für Wundheilung, Haut und Atemwege?

 Honig ist in der Medizin nicht neu – und teils erstaunlich wirksam! Einmal in Kürze:

  • Wundbehandlung: Studien zeigen eine schnellere Heilung, geringere Infektionsrate, z. B. bei Brandwunden, chronischen Wunden, Operationsnarben (Clark 2018, Jodidio et al. 2024, Wijesinghe et al. 2009) – beim Auftragen auf die Haut!
  • Akne und Neurodermitis: Honig wirkt gegen P. acnes und Staph. aureus, hemmt COX-2, lindert Juckreiz.
  • Psoriasis: Erste Hinweise auf feuchtigkeitserhaltende und juckreizmildernde Effekte.
  • Folliculitis Decalvans: Einzelfallberichte zeigen Besserung mit medizinischem Honig (Yeh et al. 2019).
  • Infekte der oberen Atemwege: Eine Metaanalyse (Abuelgasim et al. 2021) zeigt: Honig lindert Husten, ist teils wirksamer als herkömmliche Hustenmittel.

Wichtig zu wissen: In der Wundbehandlung kommt medizinischer Honig zum Einsatz – z. B. Medihoney® (siehe unten bei den Affiliate Links). Dieser wird gammabestrahlt, um Clostridien-Sporen abzutöten. Sonst kann nämlich ein „normaler Honig“ welcher auf die Wunde geschmiert wird eine Infektion mit Clostridien auslösen!!!

Ich will nicht sagen, dass Honig gefährlich ist – aber man sollte aufpassen, v.a. bei Schwangeren und Kindern und auch bei Allergien. Mir selbst, ich liebe Honig, ist beim Gele Royal einmal dermaßen das Gesicht geschwollen, dass ich jedes Mal beim Verzehr von Honig das Handy auf dem Tisch habe – für den Fall der Fälle. Er ist halt – u.a. wegen den enthaltenen Pollen – recht allergen!

Was ist eigentlich dieser Rohhonig – und warum ist das komplizierter?

„Rohhonig“ klingt nach Natur, Reinheit und Unverfälschtheit – und genau damit wird auch geworben. Doch: Der Begriff ist nicht rechtlich geschützt. Die EU-Honigverordnung definiert nur, was „Honig“ ist (§1 HonigV) – also ein naturbelassenes Produkt aus dem Nektar von Pflanzen oder Honigtau, das von Bienen erzeugt und gesammelt wird. Ob und wie viel der Honig danach verarbeitet wurde, ist tatsächlich weniger streng geregelt!

Warum das eine Grauzone ist?

  • Es gibt keine EU-weite oder nationale Definition, wann Honig als „roh“ gelten darf.
  • Einige Imker definieren Rohhonig als nicht über 35–40°C erhitzt, nicht ultrafein gefiltert und nicht pasteurisiert.
  • Andere verwenden den Begriff sehr frei – auch wenn der Honig industriell verarbeitet wurde.

Und wann darf man jetzt „Rohhonig“ sagen? Im Grunde:

  • Wenn der Honig nicht thermisch behandelt wurde (z. B. bei der Ernte nicht über 40 °C erhitzt).
  • Wenn Pollen und Enzyme erhalten bleiben.
  • Wenn nicht mikrofiltriert wurde (dadurch bleibt er oft trüb, kristallisiert schneller).

Aber: Wer Rohhonig bewirbt, sollte nachweislich belegen können, dass sein Produkt diese Kriterien erfüllt – sonst drohen Abmahnungen wegen Irreführung (§11 LFGB).

Das Problem ist dabei vermutlich auch, dass die enthaltenen Pollen für Allergiker mehr Probleme darstellen können. Ein eher verarbeiteter Honig enthält weniger Enzyme, aber auch weniger Allergene – vermutlich, dazu finde ich keine guten Studien. Zudem ist aber die mikrobielle Sicherheit von „Rohhonig“ nicht garantiert – beim eher verarbeiteten Honig ist das meist besser durch Erhitzen abgesichert.

Kids unter einem Jahr sollten keinen „Rohhonig“ konsumieren – es besteht die Gefahr für Säuglingsbotulismus durch Clostridien. Ja nicht oft, aber den den es betrifft, den betrifft es richtig.

Es gibt aber ein Problem:

Honig wird oft gestreckt und ist dreckig!

Woran erkenne ich echten Honig?

Honig ist eines der am häufigsten verfälschten Lebensmittel weltweit (Olivenöl leider auch). Laut EU-Kommission erfüllen bis zu 50 % der getesteten Honige nicht die Reinheitsanforderungen.

Typische Formen der Verfälschung:

  • Zugabe von Zuckersirupen (aus Mais, Reis, Rübe)
  • Thermische Behandlung, um Kristallisation zu verhindern
  • Pollenfiltration, um Herkunft zu verschleiern
  • Falsche Sortenangaben (z. B. „Akazienhonig“, der keiner ist)

Plastikverschmutzung Mikroplastik Honig

Anders als auf den sozialen Medien oft behauptet, kann man das zuhause nicht testen oder herausfinden, ob es sich um „echten Honig“ handelt oder nicht. Nur Labore bringen Klarheit!

  • NMR-Spektroskopie, Isotopenanalyse, Pollenanalyse sind nötig, um Echtheit und Qualität zu prüfen.
  • Geschmack, Farbe, Konsistenz sind NICHT aussagekräftig!

Richtig erkennen ob der Honig gut oder nicht so gut ist, kannst du nur mit Laboranalyse (der Hersteller sollte dir welche zeigen können).

Leider findest du auch im Honig – egal welchem – eine Kontamination mit Pestiziden, Glyphosaten, den besprochenen Clostridien und sogar Mikroplastik. Das liegt aber nicht direkt am Honig, sondern uns Menschen, da wir immer weiteren Raubbau mit unserer Umwelt betreiben. Leider.

Fazit?

Was ist jetzt besser: Süßstoffe oder Honig? Naja. Honig hat Kalorien und kann lokal angewendet bei Wundheilungsproblematiken behilflich sein und sich auf Infekte der oberen Atemwege auswirken und ist besser als Zucker, liefert aber Kalorien, die im Setting eines Überschusses natürlich auch ansetzen können. Und Süßstoff, wir haben jetzt primär Sucralose besprochen, ist kalorienfrei, eine Überdosierung ist praktisch kaum möglich und es hat bis darauf, dass es keine Kalorien liefert und trotzdem süß schmeckt, keine großen Vorteile (aber auch keine großen Nachteile).

Ein bisschen Anekdote zum Thema Süßstoffe liest du hier.

Und wenn dir meine Blogbeiträge gefallen, dann supporte mich durch deinen Kauf bei Götterspeise, hier im Shop oder indem du mich auf einem Workshop besuchst (um mal was richtiges zu lernen)!

In dem Sinne,

Chris

Häufige Fragen zu Süßstoffen

Sind Süßstoffe ungesund?

Nein.

Ist Sucralose ungesund?

Nein.

Was ist gesünder: Honig oder Süßstoff?

Honig und Süßstoff erfüllen unterschiedliche Zwecke. Süßstoffe liefern kaum Kalorien und können helfen, Zucker zu ersetzen. Honig liefert Kalorien und besteht größtenteils aus Zucker, enthält aber zusätzlich Polyphenole, Enzyme, organische Säuren und antimikrobielle Bestandteile. Gesünder ist also nicht pauschal das eine oder andere, sondern das, was besser zu deinem Ziel passt.

Ist Honig gesünder als Zucker?

Honig ist hochwertiger als normaler Haushaltszucker, weil er neben Glukose und Fruktose auch kleine Mengen bioaktiver Stoffe enthält. Trotzdem bleibt Honig ein kalorienreiches Süßungsmittel. Wer Honig isst, nimmt weiterhin Zucker und Kalorien auf.

Ist Süßstoff gesünder als Zucker?

Wenn Süßstoff Zucker ersetzt und dadurch Kalorien reduziert, kann das praktisch sinnvoll sein. Süßstoff macht aber keine schlechte Ernährung gesund. Er ist ein Werkzeug, kein Gesundheitszauber.

Süßstoffmafia oder Gottes Nahrung?

Beides kann man zusammen haben. Es geht primär um eine hohe Nährstoffdichte bei Vermeidung eines zu starken Kalorienplus!

Macht Sucralose wirklich mehr Hunger?

Nicht. Schlagzeilen zu Sucralose und Hunger vergleichen oft Sucralose mit Zucker. Zucker liefert Kalorien und aktiviert Sättigungssignale wie Blutzucker, Insulin und GLP-1. Dass Sucralose im Vergleich zu 300 kcal Zucker anders wirkt, heißt nicht automatisch, dass Sucralose Hunger macht.

Sind Süßstoffe schlecht für den Blutzucker?

Bei den meisten Menschen erhöhen Süßstoffe den Blutzucker nicht relevant, vor allem wenn sie Zucker ersetzen. Einzelne Studien zeigen leichte Effekte je nach Dosis, Kombination mit Kohlenhydraten und Stoffwechsellage. Praktisch ist der Gesamtkontext wichtiger als Panik vor einem Proteinshake.

Sind Süßstoffe schlecht für das Mikrobiom?

Süßstoffe können das Mikrobiom beeinflussen, aber beeinflussen heißt nicht automatisch zerstören. Viele Darmprobleme entstehen eher durch Zuckeralkohole, Polyole, Inulin, FODMAPs oder die gesamte Produktmatrix. Deshalb sauber unterscheiden: Süßstoff ist nicht gleich Zuckeralkohol, jedes Süßungsmittel hat für sich eine andere Wirkung.

Ist Sucralose gefährlich?

Sucralose ist als Süßstoff zugelassen und bei normalem Konsum nicht pauschal gefährlich. Vorsichtiger wäre ich beim starken Erhitzen oder Backen mit Sucralose, weil dabei unter bestimmten Bedingungen chlorierte Abbauprodukte entstehen können. Kalt im Shake ist das ein anderes Thema als Backen bei hoher Temperatur. Derzeitige Humandaten zeigen nicht, dass Sucralose ein Problem für unsere Gesundheit darstellt.

Kann man mit Sucralose backen?

Ich würde Sucralose nicht zum Backen verwenden. Nicht, weil jeder Proteinbrownie dich zerstört, sondern weil beim starken Erhitzen offene Fragen bestehen. Für Shakes, Getränke oder kaltgerührte Cremes ist die Einordnung deutlich entspannter.

Ist Honig bei Diabetes sinnvoll?

Bei Diabetes oder Insulinresistenz sollte man Honig vorsichtig einsetzen. Honig kann gegenüber normalem Zucker Vorteile haben, bleibt aber ein zuckerreiches Lebensmittel. 50 g Honig am Tag sind metabolisch nicht automatisch harmlos, nur weil Honig natürlich ist.

Ist Rohhonig besser als normaler Honig?

Rohhonig kann mehr Enzyme, Pollen und hitzeempfindliche Bestandteile enthalten. Der Begriff ist aber nicht einheitlich geschützt und kann unterschiedlich verwendet werden. Außerdem können Pollen und mikrobielle Risiken bei empfindlichen Menschen oder Kindern relevant sein.

Dürfen Babys Honig essen?

Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig essen. Der Grund ist das Risiko für Säuglingsbotulismus durch Clostridien-Sporen. Das ist selten, aber wenn es passiert, ist es ernst.

Hilft Honig bei Husten?

Honig kann bei Husten und Infekten der oberen Atemwege symptomlindernd wirken. Das heißt nicht, dass Honig Infekte heilt, aber er kann Hustenreiz lindern und sich praktisch gut einsetzen lassen – außer bei Kindern unter einem Jahr.

Was ist medizinischer Honig?

Medizinischer Honig ist speziell aufbereiteter, steriler Honig für die Wundbehandlung. Das ist nicht dasselbe wie normaler Honig aus dem Glas. Für Wunden sollte man keinen normalen Küchenhonig verwenden.

Ist echter Honig schwer zu erkennen?

Ja. Honig gehört zu den häufig verfälschten Lebensmitteln. Ob ein Honig gestreckt, stark erhitzt oder falsch deklariert wurde, erkennt man zuhause nicht zuverlässig. Geschmack, Farbe und Konsistenz reichen nicht. Dafür braucht es Laboranalysen.

Was ist die wichtigste Botschaft dieses Süßstoff-Zucker-Honig-Artikels?

Süßstoff ist nicht Gift und Honig ist nicht Gottes Nahrung. Süßstoff kann helfen, Zucker und Kalorien zu sparen. Honig ist ein hochwertigeres Süßungsmittel als Zucker mit interessanten lokalen und bioaktiven Eigenschaften. Beides muss in den Kontext deiner Ernährung passen.

Wo kriege ich richtig gute Proteinshakes und Nahrungsergänzungsmittel?

Natürlich bei Götterspeise Nahrungsergänzungsmittel!

Mehr lesen

QUELLEN

Süßstoffe, Gewicht, Hunger, Blutzucker und Stoffwechsel

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Medizinischer Honig, Wunden, Haut und Atemwege

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HINWEIS: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.

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