Sheiko Powerlifting Programm: Warum es bei vielen nicht funktioniert?

Chris EikelmeierChris EikelmeierTherapeut · Coach · Athlet
Powerlifter beim schweren Kreuzheben im Sheiko Powerlifting Training

Sheiko ist eines dieser Powerlifting-Programme, über das im Kraftsport vermutlich fast jeder schon einmal gestolpert ist. Das Ziel dabei ist, dass du in den 3 Powerlifts – also Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben – stärker wirst*. Das Problem dabei ist, dass es zwar sehr populär ist, aber nicht so funktioniert, wie es beworben wird.

Kurz: Sheiko funktioniert für viele Athleten nicht gut, also nicht optimal.

*natürlich kannst du das, was wir im folgenden besprechen auch für alle anderen Übungen des Kraftsports nutzen!

Die Grundzüge von Sheiko sind aber eigentlich ziemlich fortschrittlich:

  • Hohe Frequenz.
  • Hohes Volumen.
  • Viele submaximale Wiederholungen.
  • Techniktraining ohne Muskelversagen.
  • Steady-State-Zyklen.

Und Sheiko hat auch viele hochkarätige Kraftsportler hervorgebracht. Oder hat er das gar nicht?

Eigentlich mag ich viele Prinzipien, vermutlich die meisten, aus dem Sheiko-System sogar sehr. Submaximales Techniktraining, saubere Wiederholungen, Steady-State-Zyklen, viele Wiederholungen mit kontrollierter Ausführung, dem Gewebe Zeit geben – das sind alles Dinge, die im Krafttraining absolut sinnvoll sein können – und das nutze ich auch bei meinen Programmen Boring But Big und Heavy Cluster Easy Gainz.

Aber jetzt kommt das große Aber – und das ist eine wichtige Kritik am Sheiko-System:

Ich bin durch klassische Sheiko-Pläne nie wirklich stärker geworden. Viele meiner Klienten auch nicht. Und viele Sportler, die ich auf Workshops kennengelernt habe, hatten dasselbe Problem: viel Training, wenig Fortschritt, hohe Ermüdung, teilweise Verletzungen. So sind wir jetzt nicht mehr bei submaximal, sondern suboptimal – um es diplomatisch auszudrücken. Das heißt nicht, dass Sheiko grundsätzlich Unsinn ist. Aber was ich sagen möchte:

Sheiko als starre Schablone funktioniert für viele normale Athleten nicht besonders gut. Besser: Sieh Sheiko nur als Template, als Rahmen, nicht als etwas Absolutes.

Erklär ich dir im Folgenden genauer und sage dir auch, wie ich Sheiko modifiziere, damit es für mich und meine Sportler deutlich besser funktioniert! Denn genau darum geht es in diesem Artikel: Warum Sheiko theoretisch gute Ideen enthält, warum es in der Praxis trotzdem oft scheitert und wie man das System so umbauen kann, dass es für Menschen funktioniert, die nicht wie russische Superschwergewichte gebaut sind, nicht jeden Tag trainieren können oder wollen, nicht unsterblich sind und keine verbotenen Substanzen konsumieren. Hier liest du z. B. etwas zu Peptiden – auch sehr kritisch.

Was ist das Sheiko Powerlifting Programm?

Das Sheiko-System stammt von Boris Sheiko, einem russischen Powerlifting-Coach. Bekannt geworden sind vor allem die nummerierten Pläne wie Sheiko #29, #30, #31 oder #32. Diese Programme sind hochvolumige Powerlifting-Pläne, bei denen Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben sehr häufig trainiert werden. Typisch sind viele Sätze im Bereich von ungefähr 65–85 % des 1RM, seltenes Training bis ans Limit und ein starker Fokus auf technische Wiederholungsqualität.

Die Grundidee von Sheiko ist: Maximalkraft wird nicht nur durch maximale Lasten aufgebaut, sondern auch durch viele hochwertige Wiederholungen mit submaximalem Gewicht – also er zielt auf technische Perfektion ab, bei möglichst geringer Intraset-Variabilität.

Das ist erst einmal ein richtig guter Gedanke. Technik ist King und das hilft vielen Sportlern, innerhalb von wenigen Wochen stärker zu werden. Denn Kraft ist nicht nur Muskelmasse. Kraft ist vor allem auch Skill. Daher nennt sich das auch STRENGTH SKILL – mehr „STRENGTH SKILL PLÄNE“ kriegst du bei Heavy Cluster von mir.

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Du musst lernen, eine Hantel effizient zu bewegen. Du brauchst Stabilität an den richtigen Stellen, Timing, Koordination, einen stabilen und möglichst effizienten Bar Path und die Fähigkeit, immer wieder dieselbe Bewegung unter Last zu reproduzieren.

Hier fängt ein Problem schon an: Wenn Coach Sheiko nicht neben dir sitzt und dir die perfekte Technik coacht, dann machst du mit dem Sheiko-Programm vielleicht hunderte Wiederholungen mit nicht perfekter Technik. Du weißt schon, was das dann eventuell bedeutet? Du trainierst dann eben keine „hochwertigen Wiederholungen“.

Ich seh das in meinem eigenen Kraftsportstudio STRENGTH FIRST in Warstein – wenn die alleine trainieren, dann machen die so viele Fehler, dass ich da fast keinem einen Sheiko-Plan geben würde. Aber machen wir mal weiter.

Sheiko versucht aber genau das:

  • viele technisch saubere Wiederholungen
  • wenig Muskelversagen – Muskelversagen macht nicht nur müde, sondern ist unweigerlich mit einem Technikeinbruch verknüpft
  • moderate Intensitäten
  • hohe Frequenz: 3–6-mal pro Woche
  • viel Übung in den Wettkampflifts, wenig „Junk-Übungen“ – wenn, dann Special Variety, also der Wettkampfübung sehr ähnliche Übungen
  • langfristige Anpassung über Volumen

Die durchschnittliche Trainingsintensität im Sheiko-System wird häufig im Bereich um etwa 68–75 % beschrieben, während die Anzahl der Lifts je nach Athlet und Belastbarkeit variiert – die etablierten Nummern von Sheiko, also #29, #30, #31 oder #32, sind eben eigentlich gar nicht wirklich universell für jeden Sportler gedacht.

Das Problem an Sheiko: Die Internet-Sheiko-Pläne sind nicht „das“ Sheiko-System

Viele Athleten glauben, die nummerierten Sheiko-Pläne aus dem Internet seien universelle Programme, die für jeden gelten. Sind sie aber nicht. Diese Pläne waren ursprünglich eher Beispielpläne, Vorlagen oder Auszüge aus Sheikos Arbeit – nicht unbedingt Programme, die jeder Athlet blind kopieren sollte. In der Praxis saß Sheiko als Coach neben seinen Athleten. Er sah, wie die Hantel lief. Er sah, ob jemand müde war. Er sah, ob die Technik sauber blieb. Und dann konnte er reagieren. Mal mehr Gewicht, mal weniger, mal Abbruch und ab nach Hause, mal eine Alternativübung.

Das ist ein komplett anderes Setting als: „Ich lade mir eine Excel-Tabelle herunter und mache 16 Wochen lang exakt das, was da steht.“ – weil so war’s ja nie von Sheiko geplant?

Der Coach in der Halle ist die eigentliche Autoregulation und das eigentliche Geheimnis hinter den Sheiko-Plänen! Nicht die ominösen Nummern, die du frei zugänglich herunterladen kannst.

By the way: Für viele Menschen funktioniert fast jeder Plan kurzfristig – alleine weil man an einen Plan glaubt, weil man Vollgas gibt und hart trainiert, wird man oft ein „passables Ergebnis“ haben – aber oft eben kein optimales Ergebnis!

Also: Wenn Sheiko gesehen hat, dass ein Athlet heute stark war, konnte er mehr Gewicht nehmen lassen. Wenn der Athlet müde war, konnte er reduzieren. Wenn die Technik schlechter wurde, konnte er abbrechen oder anpassen. In den PDF-/Excel-Plänen steht davon natürlich nichts. Und genau da beginnt das Problem.

Ein individuell geführtes Sheiko-System kann funktionieren. Ein starrer Sheiko-Plan aus dem Internet ist für viele Athleten einfach suboptimal.

Moderne Daten zur Autoregulation zeigen ziemlich klar, dass Training nach Tagesform, RPE, RIR oder Velocity-Based Training helfen kann, Last und Volumen besser an die aktuelle Leistungsfähigkeit anzupassen und damit deine Explosiv- und Maximalkraft im Vergleich zu keiner Autoregulation verbessern kann (Zhang et al. 2022, Held et al. 2022, Wang et al. 2026, Robinson et al. 2024, Han et al. 2025). Das bespreche ich auch sehr ausführlich in Heavy Cluster Easy Gainz.

Warum Sheiko theoretisch sinnvoll ist

Gleich kommt noch mehr Kritik, aber auch Lösungen für die Praxis, wie wir Sheiko-Pläne optimieren können. Das, was ich hier schreibe, gilt übrigens für die meisten Pläne, die dir „ohne Text und Hintergrundwissen“ geliefert werden. Deshalb schreibe ich gerne so viel: Es ist selten die Aneinanderreihung von Übungen, die dich stark macht und einen guten Trainingsplan ausmacht, sondern das gesamte Hintergrundwissen dahinter, die Prinzipien, das Fatigue-Management, das Progressions-Management und so weiter.

Aber Sheiko-Templates sind eigentlich gut und gehören definitiv zu den besseren Programmen auf dem Markt; Sheiko hat ein paar richtig gute Prinzipien.

Powerlifter beim schweren Kreuzheben im Sheiko Powerlifting Training

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  1. Submaximales Training verbessert Technik

Wenn du ständig bis ans Limit gehst, trainierst du Kraft schlechter, als wenn du ein paar Wiederholungen im Tank lassen würdest! Das zeigen mittlerweile fast alle Daten: Muskelversagen kann die Kraftleistung verschlechtern (Robinson et al. 2024, Ruiz-Alias et al. 2024, Grgic et al. 2021, Ruple et al. 2023) und hat keinen Mehreffekt auf den Muskelaufbau – kostet einfach nur Regeneration!

Du akkumulierst über zu viel Muskelversagen eher Ermüdung und „übst“ Ausweichbewegungen und technische Notlösungen, kannst weniger perfekt „üben“ und weniger oft „üben“.

Bei Sheiko trainierst du mit Gewichten, die schwer genug sind, um relevant zu sein, aber leicht genug, um sie technisch kontrolliert zu bewegen. Beispielsweise bewegen sich viele Sätze im Bereich von 80 % der Maximalkraft, was den Großteil aller motorischen Einheiten anspricht (Pinto et al. 2013) und der Sweet Spot für ein „submaximales Maximalkrafttraining“ ist.

Also was Sheiko nicht macht: 5 Wiederholungen möglich, 5 Wiederholungen machen, Gesicht rot, Rücken rund, Seele verlässt den Körper, Hämorrhoiden explodieren. Nicht nur, weil es sich reimt, ist das witzig …

Sondern eher: 5 Wiederholungen möglich, 2–3 saubere Wiederholungen machen, Technik stabil halten, Satz beenden.

Gerade bei Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben willst du nicht nur irgendwie trainieren. Du willst lernen, die Hantel ökonomisch zu bewegen und dadurch mehr Gewicht verwenden zu können. Das ist der Sport: Powerlifting.

Technikökonomie bedeutet:

  • kurzer, sinnvoller Hantelweg (Bar Path)
  • stabile Gelenkpositionen
  • wenig unnötige Ausweichbewegung
  • geringe Wiederholungsvariabilität
  • reproduzierbarer Bewegungsablauf
  • reduzierte Verletzungsgefahr

Sheiko versucht, diese Intra-Set-Variabilität zu reduzieren. Also: Wiederholung 1, 2, 3 und 4 sollen möglichst ähnlich aussehen. Denn wenn jede Wiederholung anders aussieht, trainierst du nicht Technik. Du trainierst Chaos.

Wobei wir auch hier sagen können, wenn wir uns das differenzierte Lernen anschauen: Es kann Sinn haben, eine Übung bewusst zu verändern und anders zu trainieren, damit man eben auch in diesen „Ausweichbewegungen“ besser wird und auch „mal“ andere motorische Einheiten trainiert.

Ich habe das als „Style Switch“ kennengelernt: Beim Drücken greifst du mal bewusst etwas enger, bewusst etwas breiter – einfach um über diese Variation einen leicht anderen Fokus zu setzen.

Also, lieber Sheiko: Ja, ich verstehe deine Theorie und gehe auch zu 95 % mit, aber wir könnten darüber bei einem Magerquark diskutieren, was am Ende besser ist.

  1. Steady-State-Zyklen geben Gewebe Zeit

Ein weiteres starkes Prinzip von Sheiko sind die Steady-State-Zyklen. Er erhöht die Lasten nicht ständig aggressiv, sondern bleibt den gesamten Zyklus über bei seinen zuvor ausgerechneten Prozenten!

Viele Programme – und Sportler – wollen jede Woche mehr Gewicht, mehr Sätze oder mehr Intensität. Aber das funktioniert langfristig auf keinen Fall. Wenn du jedes Training 1 Wdh. mehr machen KÖNNTEST oder 1 kg mehr bewegen KÖNNTEST, würdest du nach 5 Jahren 1000 kg drücken – merkste selbst, oder?

Und: Muskeln passen sich relativ schnell an. Sehnen, Bänder, Meniskus, Bandscheibe und Knorpel benötigen als atrophisches Gewebe oft mehr Zeit. Der Kollagenverlust nach einer harten Belastung ist erst nach 48 bis 72 Std. ausgeglichen und der Turnover des Bindegewebes beträgt 300–500 Tage – auch das sollte man unbedingt bei der Trainingsplanung berücksichtigen. Check dazu Boring But Big von mir, dort erkläre ich das detailliert und gebe dir entsprechende Pläne dafür.

Aber ja, Sheikos Steady-State-Zyklen sind sinnvoll! Weil sie dem Körper und der Psyche Zeit geben, eine Belastung nicht nur muskulär, sondern auch strukturell und psychologisch zu adaptieren. Und das ist vor allem für Reha, Prävention und langfristige Leistungsentwicklung extrem wichtig.

Du kannst Kraft nicht dauerhaft gegen dein Gewebe erzwingen – was in der Praxis aber oft gemacht wird. Früher oder später schreibt dir dein Körper eine Rechnung und du musst zahlen für alle Fehler der Vergangenheit.

Das hört sich alles „leicht“ an, oder? Sagte mir letztens ein Klient: „Ja, aber Chris, leichtes Training baut doch keine Kraft oder Muskeln auf?“ – ja, das ist fast richtig. Aber was ist „leicht“?

Wenn ich 20×1 Wiederholung mit 80 % meiner Maximalkraft mache, also ein Gewicht, das man am Stück etwa nur 8-mal bewegen kann, ist das dann leichtes Training? Die verwendeten Gewichte sind ja nicht „leicht“ im eigentlichen Sinne, es geht nur um ein professionelles Ermüdungsmanagement.

Aufbau bekannter Sheiko-Programme #29, #30, #31 und #32

Ich möchte hier nicht die exakten Sheiko-Pläne posten, weil das wenig bringt. Erstens sind die Pläne sehr umfangreich, zweitens werden sie oft ohnehin falsch verstanden, wie bisher beschrieben und noch besprochen wird. Wichtig ist nicht, jede einzelne Zeile aus einer Excel-Tabelle auswendig zu kennen, sondern das Prinzip* dahinter zu verstehen.

*das gilt generell bei Trainingsplänen. Die einzelnen Übungen und Parameter sind immer ganz nett, aber in der Praxis MUSST du flexibel bleiben und das geht nur richtig, wenn du Training und TrainingsPLANUNG verstehst.

Die bekannten Sheiko-Pläne #29, #30, #31 und #32 kann man grob als aufeinander aufbauenden 16-Wochen-Zyklus verstehen:

Sheiko #29: Vorbereitungsblock

#29 ist der Einstieg in das typische Sheiko-Volumen. Hier geht es vor allem darum, den Athleten an die hohe Arbeitsmenge zu gewöhnen. Die Intensität bleibt überwiegend moderat, fast schon niedrig, das Volumen ist aber bereits ordentlich.

Typisch sind ungefähr 100–140 Wiederholungen pro Woche im Bankdrücken und etwa 70–100 Wiederholungen in der Kniebeuge. Regelmäßige Arbeit über 80 % kommt erst später im Block stärker vor.

Sheiko #30: Akkumulationsblock

#30 ist dann der eigentliche Zerstörer: Hier steigt die Gesamtarbeit noch einmal deutlich an. Teilweise liegen die Wochen bei bis zu etwa 220 Wiederholungen im Bankdrücken und bis zu 120 Wiederholungen in der Kniebeuge. Wenn wir mal 4er Wiederholungen nehmen, die bei Sheiko oft trainiert werden, sind das über 50 Sätze Bankdrücken pro Woche. Ohne Muskelversagen, aber schon ordentliche Arbeit.

Über 90 % wird kaum trainiert. Der Hauptreiz kommt über die Menge an submaximaler Arbeit. Genau hier sieht man sehr gut, wie Sheiko denkt: Viel technische Arbeit, viele saubere Wiederholungen, aber wenig wirklich schwere Lasten.

Sheiko #31: Transmutationsblock

#31 reduziert das Gesamtvolumen wieder etwas und erhöht dafür die Intensität. Es gibt mehr Arbeit über 80 % und auch etwas häufiger Sätze im Bereich um 90 %.

Die vorher aufgebaute Trainingsbasis soll langsam in mehr Maximalkraft übersetzt werden. Der Körper bekommt etwas weniger Volumen, aber mehr spezifische Last. Das ist grundsätzlich sinnvoll, weil du Kraft nicht nur aufbauen, sondern irgendwann auch unter schwereren Gewichten abrufen und üben musst. Trotzdem bleibt auch hier das Training im Vergleich zu modernen Powerlifting-Systemen oft noch relativ zurückhaltend, was regelmäßige schwere Singles betrifft.

Wir sind jetzt 12 Wochen im Training und hatten kaum echtes Maximalkrafttraining in einer Sportart, wo es NUR um Maximalkraft geht!

Sheiko #32: Realisations- und Peaking-Block

#32 ist der Peak? Eine Art Peak mit Tapering-Charakter? Hier wird das Volumen deutlich reduziert, während die Intensität punktuell hoch bleibt. Der Körper soll die Ermüdung aus den vorherigen Blöcken abbauen und die aufgebaute Leistungsfähigkeit im Wettkampf oder Test abrufen.

In dieser Phase gibt es deutlich weniger Wiederholungen, zum Beispiel nur noch etwa 30–100 Wiederholungen im Bankdrücken und 15–80 Wiederholungen in der Kniebeuge. Die letzten Wochen dienen im Grunde dazu, Ermüdung rauszunehmen, damit das aufgebaute Potenzial entfaltet werden kann (das erkläre ich ja z. B. hier zur Zweikomponenten-Theorieoder auch hier bezüglich Deloads im Kraftsport).

#32 ergibt eher dann Sinn, wenn vorher auch Volumen aufgebaut wurde. Wenn du einfach nur den Peaking-Block isoliert machst, fehlt mehr oder weniger der Unterbau, da das geringe Volumen mit der geringen Intensivness vermutlich keine nennenswerte Kraft- und Muskeln aufbaut. Das wäre dann eher eine Art Erhaltungsphase in stressigen Lebensphasen?

Zusammengefasst sieht die Sheiko-Zykus-Logik ungefähr so aus:

  • #29: Gewöhnung an das Sheiko-Volumen
  • #30: sehr viel submaximale Arbeit sammeln
  • #31: Volumen etwas runter, Intensität etwas hoch
  • #32: Ermüdung abbauen und Leistung realisieren

Sheiko versucht erst, über viel submaximales Training eine technische und strukturelle Basis aufzubauen. Danach wird die Intensität langsam erhöht und am Ende wird über Tapering versucht, diese aufgebaute Kraft sichtbar zu machen. Und genau darin liegt gleichzeitig die Stärke und das Problem des Systems!?

Die Stärke: Das Ganze ist nicht völlig willkürlich. Es gibt eine klare Blockstruktur, eine Belastungssteuerung und eine Idee von Vorbereitung, Akkumulation, Übertragung und Peak.

Das Problem: Die durchschnittliche Intensität bleibt lange relativ niedrig, während das Volumen sehr hoch ist. Für einige Powerlifter ist das vielleicht ok. Für viele normale Athleten, also für die meisten Sportler, ist es aber einfach zu viel Arbeit bei zu wenig direkter Gewöhnung an schwere Lasten.

Sheiko ist also sehr spezifisch, weil du ständig Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben oder sehr ähnliche Varianten trainierst. Gleichzeitig ist es für den eigentlichen Powerlifting-Test manchmal nicht spezifisch genug, weil du schwere Einzelwiederholungen über 90 % lange kaum übst.

Und das ist genau der Punkt, an dem ich Sheiko modifizieren würde: weniger unnötiges Volumen, etwas geringere Frequenz, dafür regelmäßig kontrollierte schwere Singles und mehr Autoregulation. Es spricht nämlich nichts dagegen jede Woche 1×1 mit 90% zu machen oder wenigstens alle 2 Wochen. Wenn man denkt, glaubt oder das Gefühl hat, dass man dadurch müder wird, als durch 55 submaximale Wiederholungen mit 70%, dann ist das ok, aber dann kannst du ja nach einem solchen Tag einfach einen Tag länger pausieren oder die Folgeeinheit weniger ermüdend gestalten. Ein Beispiel?

Montag: 75% Sätze
Mittwoch: 90% Sätze
Freitag: 65% Sätze

Also du hältst die Intensität wavy, übst aber trotzdem neben Technik, auch die Kompetenz bei schweren Lasten.

In der Folgewoche könnte es so aussehen:

Montag: 78% Sätze
Mittwoch: 93% Sätze
Freitag: 65% Sätze

Nur als Beispiel. Aber lass uns das genauer aufdröseln…

Warum klassische Sheiko-Pläne bei vielen nicht funktionieren

Jetzt kommen wir zum Kern. Meiner Erfahrung nach scheitert Sheiko bei vielen nicht, weil die grundlegenden Prinzipien so schlecht sind. Es scheitert, weil die Dosierung für viele normale Athleten einfach nicht passt.

Problem 1: Sheiko hat zu viel Volumen für viele Menschen

Sheiko ist bekannt für viel Volumen. Sehr viel Volumen.

Und ja, Volumen ist wichtig. Mehr Trainingsvolumen kann mehr Muskelaufbau erzeugen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Es gibt eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Trainingsvolumen und Hypertrophie (Schoenfeld et al. 2019). Aber daraus folgt nicht: Mehr ist immer besser.

Es gibt nicht nur „zu wenig Reiz“ und „optimal“. Es gibt auch:

  • zu viel Ermüdung
  • zu viel monotone Belastung
  • zu hohe Sehnenbelastung: zu leichte Gewichte mit zu hohem Volumen sind nicht optimal für Sehnenadaption
  • zu geringe Anpassungszeit
  • zu wenig Regeneration
  • zu wenig Trainingsqualität am Ende der Einheit
  • zu schlechte langfristige Trainierbarkeit
  • zu viel INEFFIZIENTEN Zeiteinsatz und das Gesetz der abnehmenden Erträge

Der beste Trainingsplan ist nicht der Plan, von dem du dich gerade noch so erholen kannst. Der beste Trainingsplan ist der Plan, der mit möglichst wenig unnötigem Verschleiß möglichst viel Anpassung erzeugt. Denn WENN DU MÜDE BIST, WERDEN DIE TRAININGSEINHEITEN NICHT BESSER, sondern schlechter!

Es geht nicht darum, das zu machen, was du maximal verkraftest, sondern das, was zu Wachstum und Verbesserungen führt, bevor die Ermüdung überproportional zunimmt.

Das nennt man praktisch Stimulus-Fatigue-Ratio. Sheiko kann hier für manche Athleten sehr gut sein. Für andere ist es einfach zu viel. Für die meisten sogar zu viel.

Vor allem für Menschen mit:

  • Job
  • Familie
  • schlechterem Schlaf
  • höherem Alltagsstress
  • weniger Regenerationskapazität
  • Verletzungshistorie
  • schmalerer Gelenkstruktur
  • weniger Powerlifting-spezifischer Genetik
  • zusätzlichem Sport wie Calisthenics, Sprinten oder Kampfsport
  • Naturalathleten

Und ja: Die meisten von uns sind keine russischen Barbaren aus einem russischen Leistungssportsystem, die durch Medikamente und Tschernobyl 2,5 m groß sind und 150 kg wiegen. Leider. Die meisten haben keine Elite-Genetik, keine perfekte Regenerationsumgebung und keinen Coach, der jede Wiederholung live sieht und dein Training mit dir auf Tagesbasis (!) optimiert. Und das ist eigentlich wichtig!

Coach Sheiko sagt:

„Du erreichst mit einem (guten) Trainer in 1 Jahr mehr als ohne Trainer in 5 Jahren!“

Trainier z. B. bei uns im Studio, wenn du aus Warstein oder Umgebung kommst, oder besuch mal einen Workshop!

Problem 2: Zu hohe Frequenz kann dein Gewebe schädigen

Sheiko lebt von Frequenz + hohem Volumen: häufig trainieren, häufig üben, häufig dieselben Bewegungen machen. Besser werden. Das ist die Theorie. Das kann für Technik funktionieren. Aber es kann auch Gewebe überfahren.

Muskeln fühlen sich oft nach 24–48 Stunden wieder okay an. Sehnen, Gelenke und passive Strukturen sind manchmal noch nicht bereit für denselben Stressor. Gerade bei Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben reden wir nicht über Bizepscurls mit 12 Kilo. Wir reden über hohe absolute Lasten, hohe Gelenkkräfte, hohe Sehnenspannung und wiederholte Kompression.

Für viele Athleten ist es sinnvoller, eine Hauptübung nur 2–3-mal pro Woche zu trainieren – oder jeden zweiten Tag –, statt sie ständig mit hoher Frequenz zu trainieren. SO technisch anspruchsvoll sind die meisten Kraftübungen nämlich auch nicht.

Die Forschung zur Trainingsfrequenz ist hier insgesamt differenziert: Höhere Frequenz kann helfen, Volumen besser über die Woche zu verteilen, aber wenn das Volumen gleich bleibt, ist eine höhere Frequenz nicht automatisch überlegen. Das Problem dabei ist und bleibt: Dein Bindegewebe. WENN ich mich verletzt habe und es kein Unfall war, dann IMMER, wirklich IMMER, in Zeiten mit einer erhöhten Frequenz und dann, wenn ich gemerkt habe, dass meine Struktur EIGENTLICH noch Pause bräuchte. Also der „unflexible Wochenplan“ ist oft ein größeres Verletzungsrisiko als die „suboptimale Technik“.

Problem 3: Zu wenig schwere Lasten bei Sheiko

Das ist für mich einer der größten Kritikpunkte. Klassische Sheiko-Pläne arbeiten sehr viel im Bereich von 65–85 %. Das ist gut für Technik, Volumen und Bewegungsökonomie.

Aber wenn du nie oder fast nie mit 90 %, 92 % oder 95 % trainierst, dann bist du an diese Lasten auch nicht gewöhnt – aber gerade DAS macht uns Kraftsportler zu Kraftsportlern: die Verwendung und Kompetenz bei schweren Lasten über 90 %! DAS ist unsere Sportart, oder nicht? Der Fußballer geht auch nicht zum Handballtraining, um ein besserer Fußballer zu werden. Warum sollte ein KRAFTATHLET dann primär den Großteil des Cycles nur leicht trainieren?

Maximalkraft ist spezifisch.

Ein 1RM ist kein 5RM. Ein 1RM ist kein 8RM. Ein 1RM ist auch kein „ich habe 400 Wiederholungen mit 75 % gemacht, also wird mein Maximalversuch schon irgendwie klappen“.

Natürlich kann submaximales Volumentraining Maximalkraft aufbauen. Aber du musst die aufgebaute Kraft irgendwann auch abrufen können. Technik alleine macht dich nicht immer stärker.

Für die Realisierung deiner Maximalkraft brauchst du:

  • psychologische Gewöhnung an schwere Lasten
  • technische Stabilität bei langsamer Hantelgeschwindigkeit und maximalen Lasten
  • Koordination im Grind
  • Vertrauen in schwere Singles und in dich
  • Daten darüber, ob dein Training überhaupt funktioniert

Wenn du vier Monate nur im submaximalen Bereich trainierst, weißt du oft zu spät, ob du tatsächlich stärker geworden bist. Du hoffst dann auf die Peaking-Phase und deine Tapering-Phase. Aber „hoffen“ ist kein wirklich gutes Trainingsprinzip.

Warum 90 %-Singles nicht automatisch böse sind

Sheiko „war“ gegenüber sehr schweren Lasten im Training eher vorsichtig. Die Argumentation ist ungefähr:

  1. Sehr schwere Lasten erzeugen hohe psychische und systemische Ermüdung.
  2. Unter sehr schweren Lasten bricht Technik eher ein.
  3. Wenn du technische Fehler mit schweren Gewichten übst, speicherst du schlechte Muster ab.

Das klingt logisch, oder? Aber das ist nur teilweise richtig. Denn ein Single bei 90 % ist nicht automatisch ein maximaler Kampf ums Überleben – es ist eine Einzelwiederholung mit nahe maximalen Lasten, die du aber 2- bis 4-mal bewegen könntest. Es ist kein maximaler Grind, aber nahe dran. Und wenn du weißt, dass du 200 kg heben kannst, dann sind 180 oder 170 kg doch keine große Sache?

Für viele fortgeschrittene Powerlifter ist ein Single bei 90–92 % ungefähr RPE 7–8. Aber das macht einen Unterschied! Wenn du z. B. mit 220 kg 8–12 Wiederholungen im Kreuzheben machst, dann fühlen sich 230, 240, 250 alle so unfassbar schwer an – obwohl ich „theoretisch“ damit 275 kg heben können müsste. Nutze meinen Maximalkraftrechner, da kannst du dir das selbst mal ausrechnen. Aber ich bin es einfach nicht gewohnt, mehr als 220 zu ziehen! Nur EINE EINZIGE WIEDERHOLUNG mit 230×1, 240×1 und 250×1 würde mir dabei helfen, auch mit schwersten, nahe maximalen Lasten kompetenter zu werden oder zu bleiben.

Also schwer, aber sauber.

Mike Tuchscherer und andere moderne Powerlifting-Coaches nutzen genau deshalb häufig schwere Singles bei etwa RPE 7–8 vor den eigentlichen Back-off-Sätzen. Die Idee: Du hältst die Gewöhnung an schwere Lasten aufrecht, ohne dich maximal abzuschießen. Du übst halt genau das, was du können möchtest: Maximalkraft!

Und: 90 % sind vor allem dann psychisch extrem belastend, wenn du sie nie trainierst.

Wenn du jede Woche oder alle zwei Wochen ein kontrolliertes schweres Single machst, verliert die Last ihren Schrecken. Dann ist der Opener im Wettkampf nicht mehr dieser mystische Endgegner, sondern etwas, das du schon häufig in der Hand, auf dem Rücken oder vom Boden hattest.

Aber verschlechtern schwere Singles nicht die Technik?

Nein, wieso eigentlich? Wenn jemand mit 70 % schon technisch wackelt wie ein IKEA-Regal nach dem dritten Umzug, dann braucht diese Person keine 90 %-Singles. Dann braucht sie Techniktraining. Aber bei einem fortgeschrittenen Athleten, der seine Lifts grundsätzlich beherrscht, ist ein sauberer Single bei RPE 7–8 oft extrem wertvoll.

Warum?

Weil Technik bei 70 % nicht exakt dieselbe Technik ist wie bei 92 % und DAS ist zwar ein Grund von Sheiko, es NICHT zu üben, aber genau DAS ist mein Grund, es zu üben: Weil es eben NICHT dasselbe ist, sollte man das doch trainieren?

Bei schweren Lasten verändert sich:

  • Hantelgeschwindigkeit
  • Timing
  • psychologischer Druck
  • Sticking Point
  • Atem- und Bracing-Strategie
  • inter- und intramuskuläre Koordination

Du musst nicht ständig grinden. Aber du musst lernen, schwere Lasten zu kontrollieren. Ein bisschen Formveränderung unter schwerer Last ist außerdem nicht automatisch ein technischer Fehler. Man unterscheidet hier zwischen 2 Arten der technischen Veränderung:

Form Alteration: Eine individuelle, stabile Anpassung an Anatomie und Last. Zum Beispiel mehr Vorlage beim Squat bei langen Oberschenkeln oder andere Atmung unter maximaler Last. Form Breakdown: Ein unkontrolliertes Zusammenbrechen, weil eine Muskelkette oder Position nicht hält.

Das eine ist individuelle Technik unter maximalen Lasten. Das andere ist Kompensation.

Hier liegt die Kunst: Du willst schwere Singles nutzen, um deine wettkampfspezifische Technik zu stabilisieren – nicht, um schlechte Notfallmuster zu romantisieren.

Problem 4: Zu wenig Autoregulation bei Sheiko

Ein starrer Prozentplan funktioniert nur, wenn dein 1RM, deine Tagesform und deine Regeneration ziemlich gut zur Planung passen. Das ist selten der Fall. Deine Maximalkraft kann mal um 5–15 % schwanken! Dein Leben schwankt, das Wetter schwankt, deine Maximalkraft schwankt. Ein geplantes 80 % kann sich an einem guten Tag wie 72 % anfühlen. An einem schlechten Tag wie 88 %.

Und jetzt?

Der Excel-Plan sagt: machen. Dein Körper sagt: Lass mal.

Moderne Autoregulation löst genau dieses Problem. Du kannst Last und Volumen anpassen über:

  • RPE
  • RIR
  • Bar Speed
  • Velocity Loss
  • Technikqualität
  • Schmerzreaktion
  • Schlaf / Stress / Tagesform
  • Warm-up-Performance

Velocity-Loss-Modelle zeigen zum Beispiel, dass niedrigere bis moderate Ermüdung innerhalb eines Satzes für Kraftentwicklung oft effizienter sein kann als stark ermüdende Sätze. Besonders Schwellen bis etwa 20–30 % Velocity Loss werden in Reviews als sinnvoll für Kraftentwicklung diskutiert, während höhere Ermüdung eher hypertrophieorientiert sein kann.

Das passt sehr gut zur Kritik an blindem Volumen: Nicht jeder Satz ist produktiv und verbessert dein Ergebnis, nur weil du ihn noch machst. Oft ist der nächste Satz einfach nur noch zusätzlicher Verbrauch deiner Ressourcen.

Irgendwann trainierst du nicht mehr Kraft. Du trainierst Müdigkeit.

Das eigentliche Problem: Sheiko ist für viele zu spezifisch und gleichzeitig nicht spezifisch genug

Das klingt widersprüchlich, ist aber wichtig. Sheiko ist sehr spezifisch, weil du ständig Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben oder sehr nahe Varianten machst. Aber Sheiko ist in den klassischen Internet-Plänen oft nicht spezifisch genug für schwere Wettkampflasten. Du übst viel die Bewegung. Aber wenig den Abruf unter sehr schwerer Last.

Das ist wie ein Sprinter, der ständig technisch saubere Läufe bei 75 % macht, aber nie wirklich schnell sprintet. Oder ein Springer, der immer nur „halb hoch springt“ und dann hofft, dass er beim Wettkampf ganz hoch springt. Das ist doch total paradox?

Irgendwann musst du den Test üben. Und beim Powerlifting ist der Test nun einmal: eine schwere Einzelwiederholung.

Sheiko Powerlifting verbessern: Sheiko minus eins

Sheiko ist, wie gesagt, eigentlich sehr cool. Aber wir passen das jetzt mal an. Wie in der Bibel schon steht: „Prüfet alles, nur das Gute behaltet.“ Also die guten Sheiko-Prinzipien behalten, aber die Dosierung moderner und individueller machen.

Ich nenne das mal: Sheiko minus eins.

Also:

  1. Frequenz reduzieren – einen Tag weniger.
  2. Satzzahl reduzieren – halbier die Sätze, v. a. die ganz leichten.
  3. Schwere Singles integrieren – 2×1 mit 90 % deiner Maximalkraft, wenigstens alle 2 Wochen.
  4. Autoregulation einbauen – bist du müde, machst du weniger, bist du heute sehr stark, mach mehr, aber immer ohne Muskelversagen.
  5. Technikqualität als Stoppregel nutzen – leidet deine Technik in 2 aufeinanderfolgenden Sätzen, ist das Training vorbei.
  6. Mehr Rücksicht auf Gewebe und Alltag nehmen – das Leben passiert.

Für wen ist klassisches Sheiko sinnvoll?

Klassisches Sheiko kann funktionieren, wenn du:

  • fortgeschrittener Powerlifter bist oder ein Anfänger*
  • technisch unsaubere Lifts hast
  • sehr gute Regeneration hast
  • viel Zeit hast
  • monotones Training gut verträgst
  • keine große Verletzungshistorie hast
  • langfristig auf einen Peak hinarbeitest
  • mit submaximalem Volumen gut stärker wirst
  • einen Coach hast, der den Plan anpasst und deine Technik auch kontrolliert

Dann kann Sheiko ein gutes System sein. Vor allem, wenn du wirklich Technikvolumen brauchst oder nicht zu schwer trainieren kannst oder möchtest.

*Warum Sheiko für Fortgeschrittene und Anfänger funktionieren kann? Der Fortgeschrittene muss nicht jede Woche 450 kg heben, weil es in diesem Fall eventuell sehr belastend fürs gesamte System sein kann, und der Anfänger kann durch die vielen Techniksätze seine Technik öfter trainieren.

Sieh das aber nicht als Dogma, sondern als grobe Annäherung an die Wirklichkeit!

Für wen ist klassisches Sheiko eher suboptimal?

Ich wäre vorsichtig, wenn du:

  • beruflich stark belastet bist oder Familie hast
  • schlecht schläfst
  • eine Verletzungshistorie hast
  • schnell von hoher Frequenz kaputtgehst
  • schwere Lasten psychologisch brauchst
  • mit reinem Volumen mit submaximalen Sätzen nicht stärker wirst
  • wenig(er) Zeit hast. Zeit muss man sich immer nehmen, für jedes Trainingsprogramm.
  • mehrere Sportarten kombinierst
  • nicht nur Powerlifting machst

Eine praktische Sheiko-optimierte Beispielwoche

Wir könnten das „Heavy Single(s) + Sheiko-Style Back-off“ nennen. Du behältst also die submaximale technische Arbeit bei, aber du verlierst nicht die Fähigkeit, schwere Lasten zu bewegen. Zum Beispiel:

5 Wdh. @ 50 %
5 Wdh. @ 60 %
4 Wdh. @ 70 %
2×3 Wdh. @ 80 %
1 Wdh. @ 87 %
2×1 @ 92 %
2×3 Wdh. @ 80 %
2×5 Wdh. @ 65 %

Das ist nicht so ermüdend wie Sheikos ursprüngliche Pläne, aber du trainierst auch mal schwer, ohne dass du „weniger übst“. Und statt 4- oder 5-mal pro Woche trainierst du deine Übungen nur 2–3-mal pro Woche. Bei Kreuzheben und Kniebeugen wechselst du ab – du trainierst nicht beide am gleichen Tag, da sie sehr ähnlich sind. Und wenn du schwere Kniebeugen trainiert hast, spar dir schweres Kreuzheben und umgekehrt.

Noch ein Beispiel?

Montag: Bankdrücken + Kreuzheben
Mittwoch: Bankdrück-Variante + Kniebeugen
Freitag: Bankdrücken + Kreuzhebe-Variante
Montag: Bankdrück-Variante + Kniebeuge-Variante
Mittwoch: Bankdrücken + Kreuzheben
Freitag: Bankdrück-Variante + Kniebeugen

Und du schmeißt ein paar Isolationsübungen für deine Schwachstellen mit rein, bleibst hier aber submaximal.

Die wichtigste Regel: Schwere Singles nur, wenn du sie verdient hast

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich sage nicht, dass jeder Anfänger jede Woche 90 % bewegen soll. Wenn deine Technik bei 70 % schon zusammenbricht, brauchst du keine Heavy Singles. Dann brauchst du:

  • Techniktraining
  • bessere Grundspannung
  • saubere Wiederholungen
  • mehr Muskelmasse
  • vielleicht bessere Assistenzübungen
  • weniger Ego
  • einen guten Trainer, der mal mit dir übt und Tacheles redet.

Schwere Singles sind ein Werkzeug für Menschen, die die Bewegung grundsätzlich beherrschen.

Fazit: Sheiko ist gut – aber nicht als Religion

Sheiko enthält starke Prinzipien:

  • submaximales Training
  • hohe Wiederholungsqualität
  • Technikökonomisierung
  • Steady-State-Zyklen
  • viel Volumen zum „Üben“ und für Muskelaufbau
  • kein unnötiges Muskelversagen

Aber klassische Sheiko-Pläne haben für viele Athleten klare Probleme:

  • ZU viel Volumen
  • ZU hohe Frequenz
  • ZU wenig schwere Singles
  • ZU wenig Autoregulation
  • ZU wenig Individualisierung
  • ZU starke Orientierung an Elite-Kontexten

Meine Erfahrungen mit Sheiko-Powerlifting-Programmen?

Sheiko ist kein schlechtes System. Aber Sheiko als starre Schablone ist für viele normale Athleten nicht optimal und man kann es mit einfachen Mitteln optimieren, damit es auch für mehr Sportler funktioniert!

Mehr lesen

Quellen:

Grgic J, Schoenfeld BJ, Orazem J, Sabol F. Effects of resistance training performed to repetition failure or non-failure on muscular strength and hypertrophy: A systematic review and meta-analysis. J Sport Health Sci. 2022 Mar;11(2):202-211. doi: 10.1016/j.jshs.2021.01.007. Epub 2021 Jan 23. PMID: 33497853; PMCID: PMC9068575.

Han Y, Xie Y, Zhang Z, García-Ramos A. The effect of velocity-based resistance training (VBT) on lower-limb strength performance in male collegiate boxers: a randomized controlled trial. Front Physiol. 2025 Oct 2;16:1701045. doi: 10.3389/fphys.2025.1701045. PMID: 41113618; PMCID: PMC12528053.

Held S, Speer K, Rappelt L, Wicker P, Donath L. The effectiveness of traditional vs. velocity-based strength training on explosive and maximal strength performance: A network meta-analysis. Front Physiol. 2022 Aug 10;13:926972. doi: 10.3389/fphys.2022.926972. PMID: 36035476; PMCID: PMC9399433.

Pinto, Ronei & Cadore, Eduardo & Correa, Cleiton & Silva, Bruna & Alberton, Cristine & Lima, Cláudia & Moraes, Antonio. (2013). RELATIONSHIP BETWEEN WORKLOAD AND NEUROMUSCULAR ACTIVITY IN THE BENCH PRESS EXERCISE. Medicina Sportiva. 17. 1-6. 10.5604/17342260.1041876.

Robinson ZP, Pelland JC, Remmert JF, Refalo MC, Jukic I, Steele J, Zourdos MC. Exploring the Dose-Response Relationship Between Estimated Resistance Training Proximity to Failure, Strength Gain, and Muscle Hypertrophy: A Series of Meta-Regressions. Sports Med. 2024 Sep;54(9):2209-2231. doi: 10.1007/s40279-024-02069-2. Epub 2024 Jul 6. PMID: 38970765.

Ruiz-Alias SA, Ramirez-Campillo R, Leando Quidel-Catrilelbún ME, García-Pinillos F, Pérez-Castilla A. Inter-Repetition Rest Impact on the Estimated Repetitions in Reserve at Various Loads and Proximities to Neuromuscular Failure. J Strength Cond Res. 2024 Aug 1;38(8):1379-1385. doi: 10.1519/JSC.0000000000004805. Epub 2024 Apr 25. PMID: 38662926.

Ruple BA, Plotkin DL, Smith MA, Godwin JS, Sexton CL, McIntosh MC, Kontos NJ, Beausejour JP, Pagan JI, Rodriguez JP, Sheldon D, Knowles KS, Libardi CA, Young KC, Stock MS, Roberts MD. The effects of resistance training to near failure on strength, hypertrophy, and motor unit adaptations in previously trained adults. Physiol Rep. 2023 May;11(9):e15679. doi: 10.14814/phy2.15679. PMID: 37144554; PMCID: PMC10161210.

Schoenfeld BJ, Contreras B, Krieger J, Grgic J, Delcastillo K, Belliard R, Alto A. Resistance Training Volume Enhances Muscle Hypertrophy but Not Strength in Trained Men. Med Sci Sports Exerc. 2019 Jan;51(1):94-103. doi: 10.1249/MSS.0000000000001764. PMID: 30153194; PMCID: PMC6303131.

Wang Y, Qiu J, Dai D, Li Q, Wang X, Luo Q. The effects of velocity-based vs. percentage-based resistance training on sports performance in trainedindividuals: a systematic review and meta-analysis. BMC Sports Sci Med Rehabil. 2026 Jan 5;18(1):57. doi: 10.1186/s13102-025-01504-9. PMID: 41491263; PMCID: PMC12870409.

Zhang X, Feng S, Peng R, Li H. The Role of Velocity-Based Training (VBT) in Enhancing Athletic Performance in Trained Individuals: A Meta-Analysis of Controlled Trials. Int J Environ Res Public Health. 2022 Jul 28;19(15):9252. doi: 10.3390/ijerph19159252. PMID: 35954603; PMCID: PMC9368129.

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