Sei mal ehrlich – zu dir, deinem Körper und deiner Umgebung? (Teil 4)
Hallöchen und herzlich Willkommen zu Teil 4 unserer Challenge. Vermutlich läufts anders als du dachtest? Aber es sollte nicht immer laufen wie du dachtest, sondern so, wie es sollte... da sind wir auch direkt im Thema:
Ich war vor knapp 20 Jahren auf einem Workshop zum Thema neurolinguistische Programmierung und das war ganz „okay“, aber ein Satz, ein Satz, der in der Pause fiel, der hat mich mein Leben lang begleitet und wurde ein wichtiger Glaubenssatz für mich. Uwe, Uwe war ein kahlrasierter Pickup-Artist, der sagte: „Ein Mann sagt die Wahrheit“ (oder eine Frau sagt die Wahrheit).
Und dieser Satz hört sich so unscheinbar an, aber der ist so wichtig: Wenn du einen Job machst, der dir so gar keinen Spaß macht, wenn du in deiner Beziehung deine Grenzen nicht klar machst – und diese dann natürlich überschritten werden –, wenn du von Freunden ausgenutzt wirst, weil du „es jedem recht machen möchtest“ – nur nicht dir – dann bist du unehrlich, zu dir, zu deiner Umwelt, deinem Körper. Aber was, wenn du ehrlich bist? Wenn du die Wahrheit sagst?
Du wählst. Du entscheidest. Du übernimmst Verantwortung.
Statt Ausreden: „Ich hab ja keine Zeit“ entsteht aus dem Glaubenssatz, dass du die Wahrheit sagst, plötzlich ein: „Ich faules Stück, mache halt einfach nichts, du entscheidest selbst“. Und wie hört man mit dem Rauchen auf? IN DEM MAN SICH KEINE KIPPE MEHR ANSTECKT. Nicht, wenn, nicht ja-aber, sondern: Du willst etwas, dann tust du etwas.
Aber dafür musst du ehrlich sein, keine Schuldigen suchen, die für dein Glück oder Pech Verantwortung übernehmen, denn wem du die Schuld gibst, dem gibst du die Macht – weißt du doch sicher?
Der Scheiß Job. Der Scheiß Arbeitgeber – es sind immer die Chefs… Die Zeit. Die Genetik. Die Eltern. Die Schilddrüse. Die Sucht. Die Süßigkeiten. Der Stress…
Es ist immer etwas anderes. Aber nie du? Du bist perfekt und triffst immer die richtigen Entscheidungen? Handelst immer richtig und perfekt? Geh erst einmal ein paar Schritte durchs eigene Haus!
Dein Leben ist aufgebaut auf DEINEN EIGENEN ENTSCHEIDUNGEN und so lange du lebst, so lange kannst du es verändern, wie dein Leben sich entwickelt.
Fang damit an: Sei ehrlich. Sag die Wahrheit!
Nicht die Umstände überfordern uns, sondern die Meinung, wir müssten sie kontrollieren.
Es gibt natürlich Situationen, da haben wir einfach gar keine andere Wahl, als diese Situation als „gottgegeben“ hinzunehmen und dann beginnt Leid nicht durch diese Situation, sondern durch deine Bewertung und deine Abwehr. Was dir passiert, ist oft gar nicht der Maßstab, sondern wie du damit umgehst, zeigt, wer du bist.
Im Coaching sprechen wir dann von Emotionsfokus oder Problemfokus – wenn du das Problem AUF KEINEN FALL verändern kannst, dann verändere deine Sichtweise, deine Perspektive, deine Emotionen. Doch Vorsicht: Das Problem, was AUF KEINEN FALL VERÄNDERBAR ist, ist meist auch nur eine weitere Ausrede. Ja-aber…
Know Who You are!?
Wir leben in unserem Alltag verschiedene Identitäten. Mal bist du Sohn, mal Vater, mal Sportler, mal Physio oder Bankkauffrau – wir nehmen in unterschiedlichen Situationen im Grunde eine andere Identität ein (~ Gesellschaft). Aber wir bleiben immer die gleiche Person (~ Instinkte)!
Jetzt ist unsere Person bzw. unsere Persönlichkeit ein kaum änderbares Ergebnis aus unseren Glaubenssätzen, unserem „inneren Kind“, unserem „inneren Jugendlichen“, unseren Erfahrungen der Vergangenheit, unserer Genetik, unseren Werten. Das Ziel für ein „zufriedenes Leben“ ist jetzt, dass deine von dir eingenommenen Identitäten nicht im Konflikt mit deiner Persönlichkeit stehen. DAS PASSIERT ABER REGELMÄßIG! Und um das kurz vorwegzunehmen:
Irgendwann bist du auch zu alt für das „innere Kind“ und musst selbst Verantwortung übernehmen und solltest es deinem damaligen Ich nicht ständig in die Schuhe schieben. Du verhältst dich in Beziehungen scheiße? Du hast Bindungsangst? Du betrügst? Bist unehrlich? Hast Angst? Du machst Drama? Ja, wieso hast du das bisher nicht aufgearbeitet? Hört sich vielleicht hart an, aber das muss es auch, sonst ändert sich (wieder) nichts.
Also nicht, dass du jetzt sagst: „Ja, aber WEGEN DEM INNEREN KIND habe ich Bindungsängste, führe Scheiß Beziehungen und reagiere so oder so…“ – nein, wegen dir. Wegen deinen Entscheidungen. Nur weil du als Kind mal zu spät vom Kindergarten abgeholt wurdest, benimmst du dich wie Sau? C’mon.
Das Problem an diesem Konzept ist: Wenn deine gesellschaftlichen Identitäten im Konflikt zu deinen Instinkten stehen, dann ist das Stress. Und Stress lässt dich mehr essen, schlechter schlafen, schneller krank werden, verändert dein Immunsystem, deine Gedanken, deine Motivation… dein Leben.
Aufgabe 1: Dein Alltag, deine Instinkte / Motive, deine Identitäten?
Dies ist DEINE CHALLENGE, die etwas bei dir, für dich, mit dir verändern soll:
Prüfe dein Leben. An welcher Stelle „vergisst du die Zeit“ und genießt den Moment? DAS sind die Identitäten und Situationen, die zu deiner Persönlichkeit passen. Und wo ist dir langweilig, wo fühlst du dich gestresst und unwohl? Das sind die Situationen, die im Konflikt zu deiner Persönlichkeit stehen.
Wir nehmen mal die 16 Lebensmotive nach Steven Reiss als Beispiel: Jeder Mensch hat diese Lebensmotive, aber in unterschiedlicher Ausprägung zueinander. Jetzt bist du z. B. sehr neugierig – aber du arbeitest alleine am Fließband. Das wäre solch ein Konflikt. Oder du bist sehr sportbegeistert, hast aber grad Drillinge bekommen, Geldsorgen und dein Partner unterstützt dich nicht, du kannst also kaum noch zum Sport: Das wäre ebenfalls ein Konflikt. Du bist sehr teamorientiert? Aber du bist den gesamten Tag alleine – auch das wäre ein Konflikt.
Neben der „brutalen Ehrlichkeit“ dir und anderen gegenüber sollte dein gesamtes Leben auch mehr oder weniger deine Motive, die dir wichtig sind – nicht alle, aber die meisten – erfüllen. Falls nicht? Dann besteht ein großer Konflikt, das erzeugt Stress und das verändert dein Essverhalten, dein Schlafverhalten, dein Beziehungsverhalten… Apropos:
Es gibt in Beziehungen nach John Gottman die 4 apokalyptischen Reiter der Kommunikation:
Jetzt wird immer in Beziehungen gesagt, dass du an Kommunikation arbeiten sollst, aber ist das so einfach? Nein. Die Umgebungsbedingungen, Stress, Arbeit, der Konflikt, den wir oben schon beschrieben haben, der erzeugt eine Umgebung, in welcher diese 4 apokalyptischen Reiter kaum noch „bewusst gesteuert“ werden – und das erzeugt? Konflikte. Wichtiger als eine „erzwungene gewaltfreie Kommunikation“ ist eine brutale Ehrlichkeit – Grenzen, Wünsche, Probleme, Bedürfnisse, aber auch Stress und Belastung sollten kommuniziert werden, damit dein Gegenüber dich verstehen kann. Stell dir mal eine Beziehung vor, bei welcher wir unsere EIGENEN Grenzen vertreten und trotzdem Verständnis dem Partner gegenüber aufbringen? Wenn wir verständnisvoll UND EHRLICH sind? Das könnte ausnahmsweise auch mal funktionieren.
Lies hier mehr über Beziehungen.
Aufgabe 2: Standards und Dealbreaker!
Jetzt möchte ich das Thema Beziehungen nicht zu sehr im Detail besprechen, aber ich möchte dir nur diese Aufgabe mitgeben – denn wie schon beschrieben sorgt unser Bindungshormon Oxytocin ebenfalls dafür, dass wir weniger Hunger haben, dass wir entstressen, besser schlafen, dass wir eine bessere Wundheilung haben usw. usf. – schau dir deine Beziehung an: Wirst du verstanden? Und verstehst du? Welche Perspektive nimmst du deinem Partner:in gegenüber ein? Seid ihr gerne zusammen? Geht es um Liebe oder um Ego? Wie sind deine Grenzen, wie sind deine Standards?
Beispielsweise Ego: Bist du mit deinem Partner zusammen, weil er gut aussieht und du dadurch dein „Ego gestreichelt“ bekommst oder weil ihr euch wirklich gut tut? Oft bringt man selbst so wenig mit, dass man „vom Außen“ (durch einen „ganz tollen Partner“) sein eigenes Ego aufpolieren versucht. Aber „deine leeren inneren Eimer“ werden NIE vom Außen gefüllt.
Also: Gibt es Liebe, Ruhe, Verständnis und Zuneigung (Oxytocin) oder Streits, Kritik, Sarkasmus, Drama und Nervenkitzel (Dopamin und Adrenalin)? Letzteres ist KEINE gesunde Lösung – naja, man entscheidet das selbst, aber rein biochemisch, psychologisch und gesundheitlich nicht die beste Wahl – auch wenn es sich „aufregend“ anfühlt: STRESS fühlt sich im Moment halt immer belebend an und „Dopamin“ ist auch erst einmal motivierend (denk mal darüber nach, was genau Motivation ist).
Setz dich also mal in einer ruhigen Minute hin und schreib dir deinen „Wunschzettel“ für deinen „perfekten Partner“. Da kannst du gerne über die Größe der Nase, des Genitals schreiben und dir jemanden oben ohne mit 3 Armen und 8 Zehen wünschen, aber es geht doch viel mehr um Charaktereigenschaften und Kompatibilität (statt nur Anziehung). Setze also deine persönlichen Grenzen und Standards fest und deine persönlichen Dealbreaker. Beispiele? Gebe ich dir, aber es sind nur BEISPIELE, du setzt deine persönlichen FÜR DICH fest – das ist quasi DEIN PERSÖNLICHES UND INDIVIDUELLES REGELWERK für Beziehungen (aller Art, nicht nur romantische):
Beispiele:
Psychische oder körperliche Gewalt...
Ständige Kritik und Vorwürfe (wegen Nichtigkeiten?)...
Fremdgehen, aber auch Micro-Cheating, Illoyalität...
Lügen und Unehrlichkeit...
Süchte...
Einer von euch will, der andere will keine Kinder (hey, isn Dealbreaker?)...
…
Standards: Hier kann man mal drüber hinwegsehen und drüber sprechen, aber es ist wie „Motive“ zu sehen – wenn zu viele davon missachtet werden, dann steht das eventuell mit deiner Persönlichkeit, deinen Instinkten im Konflikt – aber alles weniger absolut.
Beispiele:
Partner sollte Sport machen
Partner sollte nicht rauchen
Partner sollte keinen Kontakt mit den Exen haben
Partner sollte einen bestimmten Kleidungsstil haben
Partner sollte ordentlich sein
Partner sollte arbeiten gehen
Partner sollte sich vegan ernähren
Partner sollte sich ab und zu mal waschen
Partner sollte unterstützen und nicht nur kritisieren (wobei wir hier evtl. schon nah an Dealbreakern und Toxi...