Meniskusriss operieren oder nicht? Was die neue Studie zeigt

Chris Eikelmeier

Chris Eikelmeier – Physiotherapeut, kPNI-Therapeut (Univ. Salamanca), Dozent und Athlet. 20 Jahre Praxis, 25 Jahre Leistungssport.

MENISKUSRISS behandlung operieren oder nicht

Im letzten Beitrag zum Thema Meniskus habe ich schon einiges erklärt: Meniskusriss, blockiertes Knie, MRT-Befund, OP-Planung, Reposition, konservativer Versuch und natürlich: SAVE THE MENISCUS!

Jetzt gibt es nochmal eine spannende Studie dazu. Damsted und Kollegen untersuchten 2024, was bei traumatischen oder atraumatischen Meniskusrissen besser ist: frühe Operation oder Trainingstherapie plus Patientenedukation (Damsted et al. 2024).

Meniskusriss operieren lassen?

Nein. Nicht automatisch. Die Operation war nach 12 Monaten nicht besser als Trainingstherapie und Edukation. In beiden Gruppen gab es ähnliche Ergebnisse bei Schmerz, Funktion und Lebensqualität. Früher hieß es eher: Akute und traumatische Risse bei jungen Menschen sollten schnell operiert werden – am besten genäht. Atraumatische, degenerativ bedingte Schäden sollte man eher in Ruhe lassen.

Jetzt macht die neue Studie die Entscheidung für oder gegen eine Operation nicht unbedingt einfacher. Man weiß nur noch besser: Eine Operation des Kniegelenks bei Meniskusschaden muss nicht immer sein. Naja, sollte sogar oft gar nicht sein!

SAFE THE MENISCUS!

Was bedeutet das für Patienten mit Meniskusriss?

Ein Meniskusriss ist nicht automatisch eine OP-Indikation. Die Frage ist nicht nur: „Ist da ein Riss?“ Die bessere Frage ist: Passt der Riss zu deinen Beschwerden? Blockiert das Knie wirklich? Gibt es Begleitverletzungen? Ist der Meniskus überhaupt sinnvoll nähbar? Hast du schon eine saubere konservative Therapie gemacht? Und was ist dein Ziel? Denn „konservativ“ heißt nicht: ein bisschen warten, ein bisschen Salbe, ein bisschen Beinheben. Konservativ heißt: Trainingstherapie, Belastungssteuerung, Edukation, Schwellungsmanagement, Beweglichkeit, Kraftaufbau und ein Plan.

Bei der bisherigen Datenlage stellt ein konservatives Vorgehen bei den meisten Meniskusverletzungen die erste Amtshandlung dar.

Wann sollte man den Meniskus operieren?

Am Ende muss man – leider ist das immer so – im Einzelfall genau abwägen, was Zielsetzung, Bedarfsanalyse und klinischer Befund hergeben.

Eine Operation kann sinnvoll sein:

  1. Wenn ein sauberer konservativer Versuch nach etwa 3–4 Monaten keine zufriedenstellenden Ergebnisse bringt.
  2. Wenn das Kniegelenk so stark blockiert, dass Bewegung wirklich mechanisch eingeschränkt ist.
  3. Wenn größere Begleitverletzungen wie relevante Bandverletzungen vorliegen.
  4. Wenn der Schaden groß ist und eine realistische Chance besteht, ihn sinnvoll zu nähen.

Nicht zu schnell das Messer zücken. Aber auch nicht aus Prinzip Operationen verteufeln. Es geht nicht um Ideologie, sondern um Einordnung.

Was ist mit mechanischen Symptomen?

Viele sagen: „Es knackt, es hakt, es fühlt sich mechanisch an, also muss da doch was raus oder genäht werden“ Nicht zwingend. Eine echte Blockade ist etwas anderes als ein komisches Gefühl, Knacken oder gelegentliches Haken. Echte Blockade bedeutet: Das Knie lässt sich mechanisch nicht mehr richtig strecken oder beugen. Dann wird eine OP schneller relevant.

Wenn es „nur“ knackt oder sich komisch anfühlt, aber du kannst dein Knie bewegen, belasten und die Beschwerden verändern sich über Training und Belastungssteuerung, dann ist das ein anderes Spiel.

Konservative Meniskustherapie heißt nicht passiv

Konservativ ist keine passive Nummer. Konservativ ist Arbeit. Schwellung runter. Reiz raus. Beweglichkeit zurück. Streckung sauber wiederherstellen. Beugung schrittweise aufbauen. Krafttraining dosieren. Alltag anpassen. Belastung steigern. Angst rausnehmen. Und dann langsam zurück in das, was du machen willst.

Wenn du wissen möchtest, wie eine gute konservative Therapie aufgebaut ist, damit du deine Chance erhöhst, schnellstmöglich wieder fit und schmerzfrei zu werden, empfehle ich dir mein Buch Diagnose sportunfähig. Das ist kein falscher Teppich, sondern ein richtig gutes Buch zum Thema.

Wenn du aus Warstein oder Umgebung kommst und dein Knie im Training wieder belastbar machen willst, schau dir unser betreutes Krafttraining bei Strength First in Warstein an.

Wenn du Trainer oder Therapeut bist und Knie, Hüfte, Fuß, Wirbelsäule und Co. richtig analysieren und befunden willst, komm in unseren Assessment²-Workshop. Untersuchung, Einschätzung und was man mit dem Ergebnis in der Praxis macht – genau darum geht es.

Meniskus-OP ist nicht automatisch besser

Ein Meniskusriss muss nicht automatisch operiert werden. Die DREAM-Analyse zeigt: Frühe OP war bei jungen Erwachsenen mit traumatischen und nicht-traumatischen Meniskusrissen nach 12 Monaten nicht überlegen gegenüber Trainingstherapie und Edukation.

Wenn das Knie wirklich blockiert, Begleitverletzungen vorliegen, eine Naht sinnvoll möglich ist oder ein sauberer konservativer Versuch scheitert, kann eine OP Sinn machen. Aber bei vielen Meniskusverletzungen ist konservativ die erste Amtshandlung.

In dem Sinne: Bleib gesund und nicht zu schnell das Messer zücken.

Häufige Frage zu Meniskusrissen und OP

Meniskusriss operieren oder nicht?

Nicht automatisch operieren. Bei vielen Meniskusrissen ist konservative Therapie der erste sinnvolle Schritt. Eine OP wird relevanter bei echter Blockade, Begleitverletzungen, Instabilität, fehlender Besserung trotz sauberer Reha oder wenn der Meniskus sinnvoll genäht werden kann.

Ist eine Meniskus-OP besser als Trainingstherapie?

Nicht grundsätzlich. In der DREAM-Analyse war frühe OP nach 12 Monaten nicht besser als Trainingstherapie und Patientenedukation.

Wann ist eine Meniskus-OP sinnvoll?

Bei echter mechanischer Blockade, relevanten Begleitverletzungen, deutlichem Funktionsverlust, fehlender Besserung nach sauberer konservativer Therapie oder wenn eine Meniskusnaht sinnvoll möglich ist.

Was bedeutet echte Blockade?

Eine echte Blockade bedeutet, dass das Knie mechanisch nicht mehr richtig gestreckt oder gebeugt werden kann. Das ist etwas anderes als Knacken, Haken oder ein komisches Gefühl.

Was heißt konservativ behandeln?

Konservativ heißt Trainingstherapie, Belastungssteuerung, Edukation, Beweglichkeit, Kraftaufbau und schrittweise Rückkehr in Alltag und Sport. Nicht einfach warten und hoffen.

Quellen

Damsted C, Skou ST, Hölmich P, Lind M, Varnum C, Jensen HP, Hansen MS, Thorlund JB. Early Surgery Versus Exercise Therapy and Patient Education for Traumatic and Nontraumatic Meniscal Tears in Young Adults-An Exploratory Analysis From the DREAM Trial. J Orthop Sports Phys Ther. 2024 May;54(5):1-10. doi: 10.2519/jospt.2024.12245. PMID: 38385220.

HINWEIS: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.

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