Keto vs. mediterrane Ernährung: Neue Studie zu Leberfett & Insulinresistenz

Chris Eikelmeier

Chris Eikelmeier – Physiotherapeut, kPNI-Therapeut (Univ. Salamanca), Dozent und Athlet. 20 Jahre Praxis, 25 Jahre Leistungssport.

Mediterrane Ernährung Ketogene Ernährung Studie 2026

Eine neue randomisierte Studie aus dem Jahr 2026 zeigt, dass eine ketogene Ernährung bei Menschen mit Übergewicht, Prädiabetes und Fettleber einige Stoffwechselparameter stärker verbessern kann als eine mediterrane oder fettarme, pflanzenbetonte Ernährung – selbst wenn alle Gruppen gleich viel Gewicht verlieren! Also ist eine ketogene Ernährung besser bei Fettleber und Insulinresistenz? Auf alle Fälle waren besonders deutlich die Unterschiede beim Leberfett, der hepatischen Insulinsensitivität sowie bei Glukose und Insulin. Bedeutet das jetzt: Keto gewinnt und Kohlenhydrate sind scheiße? Noch nicht. Aber die Studie zeigt mal wieder, dass Ernährung mehr ist als „am Ende zählen eh nur die Kalorien“.

Es gibt nicht nur eine Studie, die zeigt, dass die Effekte verschiedener Ernährungsweisen über den reinen Gewichtsverlust hinausgehen. Und das schauen wir uns heute mal an? Los geht´s:

Keto gegen mediterrane Ernährung – ziemlich interessante neue Studie!

Petersen et al. (2026) untersuchten Menschen mit Adipositas, Prädiabetes und einer Fettleber. 55 Teilnehmer wurden randomisiert, am Ende beendeten 42 die Studie – also 14 Personen pro Gruppe. Nicht besonders groß, aber es ist, wie es ist.

Quelle: Petersen, Max C., Gordon I. Smith, Sarah S. Farabi, Hector H. Palacios, Mahalakshmi Shankaran, Marc K. Hellerstein, Bruce W. Patterson, and Samuel Klein. 2026. “Effect of Diet Macronutrient Content on the Cardiometabolic Response to Weight Loss: A Randomized Clinical Trial.” Cell Metabolism. doi:10.1016/j.cmet.2026.07.020.

Dafür hatte die Untersuchung einen großen Vorteil: Die Teilnehmer bekamen ihre Mahlzeiten gestellt und die drei Ernährungsformen unterschieden sich wirklich deutlich – das ist schon ziemlich gut und selten bei Ernährungsstudien, die ja sonst nur „Beobachtungsstudien“ darstellen. Die ketogene Ernährung lieferte ungefähr 4 % der Kalorien aus Kohlenhydraten, 73 % aus Fett und 23 % aus Protein. Die mediterrane Ernährung lag bei ungefähr 50 % Kohlenhydraten, 35 % Fett und 15 % Protein, die sehr fettarme und pflanzenbetonte Ernährung bei etwa 70 % Kohlenhydraten, 15 % Fett und 15 % Protein.

Alle Gruppen sollten ungefähr 10 % ihres Körpergewichts verlieren und anschließend dieses Gewicht halten. Damit konnte man einen der größten Störfaktoren vieler Ernährungsstudien ziemlich gut kontrollieren: Denn natürlich verbessert Abnehmen bei starkem Übergewicht schon für sich genommen Blutzucker, Leberfett und Insulinsensitivität. Hier verloren aber alle ungefähr gleich viel Gewicht – und trotzdem waren die metabolischen Veränderungen unterschiedlich (Petersen et al. 2026).

Gleicher Gewichtsverlust – aber es sind nicht nur Kalorien

Alle drei Ernährungsformen funktionierten und verbesserten metabolische Parameter. Die Insulinsensitivität der Muskulatur verbesserte sich in allen Gruppen um ungefähr 50 %. Körperfett, Blutzucker, Insulinresistenz und Leberfett gingen ebenfalls zurück. Du musst also keine ketogene Ernährung machen, damit dein Stoffwechsel besser wird. Aber bei der Leber wurde es interessant: Das Leberfett sank unter Keto um ungefähr 67–68 %, bei mediterraner und fettarmer Ernährung um etwa 45 %. Gleichzeitig verbesserte sich die hepatische Insulinsensitivität unter Keto ungefähr zwei- bis dreimal stärker. Auch die de-novo-Lipogenese, also die Neubildung von Fett in der Leber, sowie HbA1c und die über 24 Stunden gemessenen Glukose- und Insulinwerte gingen unter der ketogenen Ernährung stärker zurück (Petersen et al. 2026).

Die 24-Stunden-Insulinbelastung sank besonders stark unter Keto. Gleichzeitig stieg Glukagon an und der Stoffwechsel verschob sich stärker Richtung Fettverbrennung und Ketogenese – wer hätte das gedacht… Weniger Insulin, weniger hepatische de-novo-Lipogenese und eine geringere Kohlenhydratverfügbarkeit liefern zumindest eine plausible Erklärung dafür, warum sich gerade der Leberstoffwechsel stärker verbessert haben könnte? Vielleicht. Schauen wir weiter!

Auch beim Prädiabetes waren die Ergebnisse erstmal ziemlich spe(c)ktakulär: 7 von 14 Teilnehmern der Keto-Gruppe erfüllten am Ende die Kriterien für Prädiabetes nicht mehr, gegenüber 4 von 14 bei mediterraner Ernährung und 1 von 14 bei der fettarmen Ernährung.

50 % gegen 29 % gegen 7 % klingt natürlich erstmal nach: JUNGE, KETO HAT GEWONNEN!

Aber: Wir reden von 14 Menschen pro Gruppe. Ein einziger Teilnehmer entspricht bereits gut sieben Prozentpunkten. Solche Ergebnisse sind zwar wirklich interessant, aber ich würde meine Hand für die Ergebnisse noch nicht ins Feuer legen. Vielleicht auch nicht ins heiße Wasser, weil da kommt noch mehr!

Also sind weniger Kohlenhydrate besser?

Sommersten et al. (2022) untersuchten ursprünglich 193 Menschen mit Übergewicht beziehungsweise abdominaler Adipositas. Eine Gruppe ernährte sich Low-Carb-High-Fat mit ungefähr 11–15 % der Energie aus Kohlenhydraten und 66–70 % aus Fett, während die anderen Gruppen deutlich mehr Kohlenhydrate bekamen. Das Protein war mit ungefähr 16–17 % in allen Gruppen praktisch gleich.

Nach sechs und zwölf Monaten hatten alle Ernährungsformen viszerales Fett und Leberfett reduziert, ohne klare relevante Unterschiede zwischen den Gruppen. Weniger Kohlenhydrate waren dort also nicht automatisch besser (Sommersten et al. 2022).

Allerdings gibt es zwei wichtige Unterschiede: Erstens waren 11–15 % Kohlenhydrate zwar Low Carb, aber eben nicht die 4 % einer konsequent ketogenen Ernährung. Vielleicht passiert im wirklich ketogenen Bereich metabolisch noch etwas zusätzlich?

Vielleicht. Aber wir haben noch einen ziemlich großen Elefanten im Raum – oder eher ein Mammut: PROTEIN!

Die Keto-Gruppe der neuen Studie bekam 23 % ihrer Kalorien aus Protein, die beiden anderen Gruppen nur 15 %. Es wurden also nicht einfach Kohlenhydrate gegen Fett ausgetauscht. Gleichzeitig stieg auch die Proteinzufuhr deutlich – und diese Fehler dürfen einfach nicht passieren, oder? WIESO ACHTET DA NIEMAND DRAUF? Wenn du 12 verschiedene Variablen gegeneinander testest, hast du am Ende nichts getestet.

Xu et al. (2020) verglichen nämlich bei Menschen mit morbider Adipositas drei Wochen lang eine hypokalorische Ernährung mit 30 % Protein mit einer Ernährung mit nur 10 % Protein. Beide Gruppen verloren ähnlich viel Gewicht. Trotzdem sank das Leberfett in der High-Protein-Gruppe um 42,6 %, während es in der Low-Protein-Gruppe nicht signifikant abnahm! Gleichzeitig zeigten sich Veränderungen verschiedener Gene, die an Fettaufnahme und Lipidsynthese der Leber beteiligt sind (Xu et al. 2020).

Vielleicht war es – ja, die neue Keto-Studie ist nur noch ein „vielleicht war es“: weniger Kohlenhydrate. Vielleicht Ketose. Vielleicht mehr Protein. Vielleicht die Kombination aus allem.

Dein Körper interessiert sich am Ende relativ wenig dafür, ob auf deinem Ernährungsplan „Keto“, „Mediterran“ oder „Plant Based“ steht. Er reagiert auf die tatsächliche Menge an Energie, Protein, Kohlenhydraten, Fettsäuren, Ballaststoffen und Mikronährstoffen – und natürlich darauf, wie viel überschüssiges Körperfett du verlierst, ob du Sport machst, wie viel du schläfst und so weiter.

Die wirklich spannende nächste Studie wäre deshalb ziemlich einfach: Keto gegen mediterrane Ernährung – gleiche Kalorien, gleicher Gewichtsverlust UND gleiche Proteinzufuhr.

Wenn Keto dann wieder deutlich stärker Leberfett und hepatische Insulinresistenz reduziert, wird die Geschichte richtig interessant.

Und was ist mit LDL und ApoB bei ketogener Ernährung?

Auch hier war die neue Untersuchung „ganz nett“: Die ketogene Ernährung enthielt nicht ausschließlich Avocado, Lachs und Walnüsse, sondern durchaus auch viele tierische Lebensmittel und gesättigte Fettsäuren. Trotzdem unterschieden sich LDL-Cholesterin, ApoB und die über 24 Stunden gemessenen Triglyceride am Ende nicht signifikant zwischen den Gruppen (Petersen et al. 2026).

Was lernen wir praktisch aus dieser Studie?

Wissenschaftliches Arbeiten ist gar nicht so einfach und die Nuancen entscheiden über Sieg oder Niederlage – und man soll nicht jeder Schlagzeile auf den sozialen Medien glauben!

Für mich zeigt die Studie nämlich vor allem drei Dinge. Erstens: Gewichtsverlust ist bei metabolisch ungesunden Menschen enorm wirksam. Alle drei Ernährungsformen verbesserten die Stoffwechselgesundheit deutlich. Super – nichts Neues, oder?

Zweitens: Die Zusammensetzung der Ernährung scheint NICHT völlig egal zu sein – es sind scheinbar NICHT nur die Kalorien! Gerade bei Menschen mit Fettleber beziehungsweise MASLD (Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease = das ist der neue Begriff für NAFL, früher nicht-alkoholische Fettleber), Prädiabetes und ausgeprägter Insulinresistenz könnte eine sehr kohlenhydratarme beziehungsweise ketogene Ernährung zusätzliche Vorteile für Leberfett und Glukosestoffwechsel besitzen.

Drittens: Wir können anhand dieser Studie WIEDER MAL nicht sauber sagen, ob dafür wirklich die Ketose beziehungsweise die extrem geringe Kohlenhydratzufuhr verantwortlich war, es die höhere Proteinzufuhr war oder ob es ein anderer Confounder war, weil wieder mal niemand drauf geachtet hat und die Studie kaum neue Antworten liefert.

Ernährung darf dir schmecken!

Die mediterrane Ernährung hat in dieser Studie ebenfalls massiv Leberfett reduziert und den Stoffwechsel verbessert. Keto hat bei einigen Parametern aber noch einmal deutlich stärker abgeschnitten. Das kann und sollte man vielleicht einfach so stehen lassen. Wenn du stark übergewichtig bist, eine Fettleber und Prädiabetes hast und mit einer ketogenen Ernährung hervorragend zurechtkommst? Dann ist das ok. Wenn du mit mediterraner Ernährung besser zurechtkommst, ausreichend Protein isst, Körperfett reduzierst und deine Blutwerte sich hervorragend entwickeln? Dann musst du nicht anfangen, deine Tomaten auf Kohlenhydrate zu überprüfen und Feldsalat zu tracken.

Die beste Ernährung muss am Ende nicht nur biochemisch funktionieren. Du musst sie auch langfristig essen können.

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Quellen

Petersen, Max C., Gordon I. Smith, Sarah S. Farabi, Hector H. Palacios, Mahalakshmi Shankaran, Marc K. Hellerstein, Bruce W. Patterson, and Samuel Klein. 2026. “Effect of Diet Macronutrient Content on the Cardiometabolic Response to Weight Loss: A Randomized Clinical Trial.” Cell Metabolism. doi:10.1016/j.cmet.2026.07.020.

Sommersten, Cathrine Horn, Johnny Laupsa-Borge, Amanda I. O. Andersen, et al. 2022. “Diets Differing in Carbohydrate Cellularity and Amount Similarly Reduced Visceral Fat in People with Obesity – A Randomized Controlled Trial (CARBFUNC).” Clinical Nutrition 41 (10): 2345–2355. doi:10.1016/j.clnu.2022.08.028.

Xu, Chenchen, Mariya Markova, Nicole Seebeck, et al. 2020. “High-Protein Diet More Effectively Reduces Hepatic Fat than Low-Protein Diet despite Lower Autophagy and FGF21 Levels.” Liver International 40 (12): 2982–2997. doi:10.1111/liv.14596.

HINWEIS: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.

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