Jefferson Curl gefährlich? Nicht für jeden Rücken gut + bessere Alternative

Chris Eikelmeier

Chris Eikelmeier – Physiotherapeut, kPNI-Therapeut (Univ. Salamanca), Dozent und Athlet. 20 Jahre Praxis, 25 Jahre Leistungssport.

Jefferson Curl Bandscheibenvorfall Physiotherapie Wirbelsäule Round Back Deadlift

Die Diskussion über Wirbelsäulen-Flexion, also die Beugung der Wirbelsäule, ist eigentlich albern. Die moderne Physiotherapie und die evidenzbasierten Physiotherapeuten und Trainer sind manchmal witzig: Jedem Patienten – ich sehe das in meiner Praxis leider täglich, wirklich – wird der Jefferson Curl bei Rückenschmerzen empfohlen. Wir sprechen ständig von Multikausalität bei Schmerzen und Rückenschmerzen gehören natürlich auch dazu. Aber gleichzeitig wird fast schon der Jefferson Curl für alle erzwungen. Genau deshalb wird es Zeit, mal ein paar Worte zum Jefferson Curl zu verlieren. Und uns den Jefferson Curl, was er kann und was er nicht kann, genauer anzuschauen!

Also: Ist der Jefferson Curl gefährlich? Nicht pauschal. Ist er gesund, sinnvoll und evidenzbasiert für jeden Rücken? Auch nicht. Und genau da liegt das Problem.

Jefferson Curl: Was du wissen solltest

Der Jefferson Curl ist eine flexionsdominante Übung für Wirbelsäule, Hüfte und Oberschenkelrückseite. Du stehst mit gestreckten oder fast gestreckten Beinen, beugst die Wirbelsäule maximal, beugst dann auch die Hüfte maximal und versuchst, mit den Händen den Boden zu berühren – oder, wenn du auf einer Erhöhung stehst, sogar noch darunter zu kommen. Gerne wird das Ganze mit Gewicht gemacht.

Das kommunizierte Ziel hinter dem Jefferson Cul: Der Patient soll keine Angst mehr vor Wirbelsäulenbeugung haben, wieder rund heben lernen und seine Wirbelsäule beziehungsweise Bandscheibe an Flexionsbewegungen anpassen. Damit soll die Wirbelsäule irgendwann „unzerbrechlich“ werden und wir alle keine „Glass Backs“ mehr sein. 

Schöne Idee. Schöne Theorei. Aber geht das so einfach?

Bisher gibt es keine einzige gute Untersuchung speziell zum Thema Jefferson Curl bei Rückenschmerzen oder Bandscheibenschäden oder wie sich die Wirbelsäule an diese Übung und rundes Heben anpasst. Es gibt Studien zu Flexion beim Heben, zu Rückenschmerzen, zu Flexions- und Extensionsübungen, zu Bewegungsvermeidung und zu Radikulopathien. Aber das ist nicht dasselbe wie: „Mach Jefferson Curls, Bro, dann wird deine Wirbelsäule robust. Denn deine Wirbelsäule wird dann stärker und passt sich an“ Saraceni et al. fanden zum Beispiel zwar keine starke Evidenz dafür, dass mehr Lumbalflexion beim Heben automatisch mit Rückenschmerz zusammenhängt; Park et al. zeigten bei chronischem axialem Rückenschmerz aber bessere Effekte der Extension-Gruppe gegenüber Flexionsübungen, wobei beide Bewegungsrichtungen besser waren als keine Bewegung. Was aber nichts darüber aussagt wie jemand mit z. B. einem Bandscheibenschaden darauf reagiert, nichts darüber aussagt was passiert, wenn du schweres Kreuzheben mit neutraler oder flektierter Wirbelsäule ausführst.

Kurz: Wir haben gar keine guten Daten zum Thema rundes Kreuzheben, Jefferson Curl und Adaption der Wirbelsäule an eine bestimmte Bewegung.

Das mal ganz zu Anfang, steigen wir mal tiefer an! Ok?

Was ist der Jefferson Curl überhaupt?

Der Jefferson Curl sieht erstmal simpel aus: Du rollst dich Wirbel für Wirbel nach vorne unten ein, meist mit gestreckten Beinen, oft auf einer Erhöhung und meistens mit Gewicht in den Händen. Aber biomechanisch ist das nicht einfach nur „rund heben“.

Du kombinierst dabei:

  • endgradige Wirbelsäulenflexion,
  • Hüftbeugung,
  • lange Lastärmel,
  • Bewegungskontrolle (nur, wenn du bewusst darauf achtest)
  • Dehnung der Oberschenkelrückseite,
  • Zug auf nervale Strukturen wie dem Nervus Ischiadicus,
  • Spannung auf posterioren Bändern,
  • und je nach Ausführung Zusatzgewicht.

Das heißt: Je nachdem, wie beweglich deine Oberschenkelrückseite ist, sieht die Belastung komplett unterschiedlich aus. Der eine hängt tief unten, bei guter Hüft- und Oberschenkelrückseitenbeweglichkeit mit kurzem Lastarm auf Bandscheiben und Wirbelsäule, der andere steht fast horizontal, mit maximalem Hebel, maximaler Wirbelsäulenflexion und maximaler Provokation? Eventuell. Rein biomechanisch ist das so. Und so ist die Übung für die eine Struktur bei dem einen mehr oder weniger belastend. Wird darauf in der Praxis geachtet?

Es wird so getan, als wäre der Jefferson Curl für jeden Menschen dieselbe Übung. Ist es nicht.

Die eigentlichen Fragen zum Jefferson Curl

Bei all der Forderung nach Evidenzbasierung muss man sich einmal fragen, ob diese Praxisempfehlung wirklich evidenzbasiert ist – oder nur eine Meinung, die sich gut anhört und sich einfach anders anhört als die altbackene angstmachende Physiotherapie. Ich weiß was du versuchst, aber ich weiß auch, dass es nicht die beste Version für unsere Patienten (oder Leistungssportler) ist.

Die Fragen, die wir beantworten müssten, wären eigentlich:

  1. Reduziert der Jefferson Curl die Angst vor Wirbelsäulenbeugung?
  2. Macht der Jefferson Curl die Wirbelsäule belastbarer?
  3. Verbessert der Jefferson Curl die Alltagskompetenz und die Leistungsfähigkeit im Sport?
  4. Bis wohin und mit welcher genauen Dosierung kann sich die Wirbelsäule an Beugung anpassen?
  5. Welche Frequenz benötigen wir, auch im Bezug zum flexionsdominanten Alltag?
  6. Wie kombiniere ich Jefferson Curls mit deiner Sportart?
  7. Erhöht Jefferson Curl deine Kreuzhebeleistung?
  8. Verbessert der Jefferson Curl deine Sprint- und Sprungleistung?
  9. Wie integriert man eine endgradige flexionsbetonte Übung in einen flexionsdominanten Alltag, ohne dass die Dosis zu hoch wird?
  10. Welche Subgruppe von Menschen mit Rückenschmerzen profitiert vom Jefferson Curl – und welche nicht?
  11. Gibt es bessere oder individuellere Alternativen, um Angst, Schmerz, Beweglichkeit und Belastbarkeit der Wirbelsäule zu verbessern?

Genau das wäre evidenzbasiertes Arbeiten. Oder nicht?

Kris-Eikelmeier-Rehabilitationsexperte

Ich beim Fingerbodenabstand: Muss man das immer mit viel Gewicht ausführen? Kreuzheben schwer mit unbewegter Wirbelsäule, etwas Mobilitätstraining und regelmäßig im Alltag vielseitig bewegen. Fertig. Wieso immer so kompliziert?

Evidenzbasiert bedeutet nämlich nicht nur „Studien“. Es bedeutet auch individuelle Möglichkeiten und Bedürfnisse unserer Patienten und vor allem Erfahrung aus der Praxis – besonders dann, wenn es zu einer konkreten Übung gar keine gute Studienlage gibt.

Weil: Du willst die Angst vor Flexion reduzieren und die willst die Belastbarkeit in Flexion erhöhen. 2 Sachen dazu:

  1. Der Alltag der meisten Menschen ist extrem flexionsdominant, da fehlt selten Flexion.
  2. Warum lässt du nicht einfach rund heben, nimmst den Stress vom Nervus Ischiadicus und reduzierst die Endrage-Bereiche auf Wirbelsäule? Vor allem bei Schmerzen und einer Verletzung.

Jefferson Curl bei Rückenschmerzen: Warum ich skeptisch bin

Es gibt keine belastbare Studie zum Thema Jefferson Curl bei Rückenschmerzen oder Bandscheibenschäden. Trotzdem kommen regelmäßig Patienten zu mir, die ihre „Physio-Übungen“ zeigen. Neben Crunches sind dann auch Jefferson Curls dabei, Planks, Bird Dogs, manchmal Kreuzheben. Selten gibt es gute Angaben zu Dosierung und Ausführung. Und die kommen nicht zu mir, weil sie beschwerdefrei sind. Die kommen zu mir, weil sie immer noch Schmerzen haben.

Was machen wir dann? Wir lassen den Jefferson Curl raus. Und wie durch Zauberhand werden einige schmerzfreier.

Aber, so viel Offenheit muss sein: Die Subgruppe, die nicht vom Jefferson Curl profitiert, kommt natürlich eher zu mir. Die, die davon profitiert, sehe ich vermutlich nicht. Also theoretisch. Trotzdem sehe ich in der Praxis vor allem zwei Gruppen:

  1. Menschen, die ihre Schmerzen durch den Jefferson Curl erhalten und noch mehr Angst bekommen.
  2. Menschen, die lange Jefferson Curls, Zercher Deadlifts und Co. gemacht haben, irgendwann Rückenschmerzen entwickeln und erst dann ganz anders auf dieses Thema blicken und eher skeptisch gegenüber die ständige Flexion sind.

Das heißt nicht, dass Jefferson Curls immer schlecht sind. Es heißt nur, dass sie nicht automatisch für alle die Lösung sind und es viele offene Fragen gibt!

Der Jefferson Curl sieht eher aus wie ein Nerventest

Der Jefferson Curl sieht eher aus wie ein Straight-Leg-Raise-Test oder ein Slump-Test als wie normales rundes Heben. Und genau das ist wichtig. Rundes Heben (Round Back Deadlift) macht das, was dir mit dem Jefferson Curl oft versprochen wird: Du lernst, etwas mit gebeugter Wirbelsäule vom Boden aufzuheben. Für den Sport. Für den Alltag. Du lernst, deinem Körper wieder zu vertrauen. Du belastest die Wirbelsäule in Flexion, aber ohne den Nervus ischiadicus zusätzlich maximal zu reizen. Denn der ist vor allem nach einer Radikulopathie und oder Bandscheibenproblematik eh schon etwas beleidigt.

Oft sehe ich in der Praxis Menschen die durch Dehnungen der Oberschenkelrückseite ihre Bein- und Rückenbeschwerden erhalten. Auch hier gibt es den simplen Hinweis: Lass die Scheiße einfach mal sein. Und glaub mir: Ich bin seit knapp 20 Jahren Physiotherapeut und arbeite mit Patienten, das hier ist keine blanke Theorie, sondern vielleicht das evidenzbasierteste was du zum Thema Jefferson Curl liest.

Ok: Beim Jefferson Curl hast du dagegen häufig gestreckte Beine, endgradige Flexion, Dehnung der Oberschenkelrückseite und Zug auf Nervenwurzel beziehungsweise Nervus ischiadicus. Wenn du eine Nervenbeteiligung oder Flexionsintoleranz hast oder hattest, kann das ein Erhalter und Auslöser deiner Beschwerden sein. Und dann fühlt sich die Übung manchmal am selben Tag sogar gut an. Bewegung kann über Gate-Control-Mechanismen und andere schmerzmodulierende Prozesse kurzfristig schmerzlindernd wirken. Du machst die Übung, denkst: „Geil, das war richtig.“ Und am nächsten Tag geht die Scheiße los.

Das sehe ich in der Praxis ständig.

Rund heben statt Jefferson Curl

Wenn du Menschen beibringen willst, rund zu heben, dann mach doch rundes Heben. Alter.

Du willst im Alltag wieder etwas vom Boden aufheben können? Dann übe genau das. Schrittweise. Dosiert. Mit gebeugten Knien. Mit kürzerem Lastarm. Ohne maximalen Hamstring-Stretch. Ohne direkt auf einer Box in eine Endstellung zu sinken. Rundes Heben hat mehrere Vorteile im Vergleich zum Jefferson Curl:

  • Es ist alltagsnäher.
  • Es belastet die Wirbelsäule in Beugung, aber manchmal nicht ganz so endgradig.
  • Es reizt den Nervus ischiadicus weniger als der Jefferson Curl.
  • Du bist unabhängiger von der Beweglichkeit der Oberschenkelrückseite.
  • Du übst das, was du wirklich brauchst.
  • Du verlierst im besten Fall Angst und gewinnst Belastbarkeit.

Niemand steht im Garten auf einer Gartenbank und hebt von da einen 150-kg-Blumentopf hoch, oder?

Warum wird das dann ständig geübt?

Und warum trainieren auch die meisten Physios und Trainer ihr Kreuzheben mit neutraler Wirbelsäule, wenn man sich doch immer an Flexion anpasst und round back sogar mehr Gewicht bewegen kann!? Ich habe Fragen…

Mann führt Jefferson Curl falsch aus

Mit einem Klick auf das Video bestätigst du, dass du unsere Datenschutzerklärung akzeptierst und der Übermittelung deiner Daten an Youtube zustimmst.

Fehlt deiner Wirbelsäule wirklich Flexion?

Eigentlich machen Menschen den gesamten Tag Beugung: Schuhe anziehen, Socken anziehen, Sex, im Auto sitzen, auf dem Stuhl sitzen, etwas vom Boden aufheben, Gartenarbeit und so weiter. Die Flexionskomponente überwiegt im Alltag oft massiv.

Was vielen Menschen nicht fehlt, ist (noch mehr) Flexion. Was vielen Menschen fehlt, ist Bewegung.

Wenn wir den gesamten Tag im Alltag Flexion machen, ist der Jefferson Curl vermutlich nicht immer die cleverste Idee. Die Dosis von „zu viel Flexion“ ist schnell erreicht. Ist sie vermutlich sowieso schon bei den meisten! Wenn wir den Jefferson Curl aber einsetzen möchten, dann geben wir damit einen kleinen Reiz und lassen dem Körper danach Zeit, sich anzupassen. Es ist eigentlich einfach. Wird nur oft nicht gemacht. Weil der Alltag primär aus Flexion besteht.

Der Wirbelsäule fehlt aber keine Flexion. Der Wirbelsäule fehlt Bewegung.

Schau dir deinen Alltag an: Welche Bewegung dominiert? Ja, eigentlich machen viele den ganzen Tag im Alltag Flexion und Jefferson Curls und entwickeln dann irgendwann Angst davor, weil es anfängt zu schmerzen.

Was oft hilft? Eine Zeit lang jede Flexion aus dem Alltag zu verbannen (wenn Flexion die schmerzauslösende Bewegung ist!) und dann kann man nach einer Zeit wieder ohne Schmerzen beugen. Es ist wie eine Wunde im Finger: Wenn du dich geschnitten hast, dann lässt du die Wunde erst einmal in Ruhe, es bildet sich eine Narbe, stabileres Gewebe und danach hast du wieder eine belastbare Struktur.

Das funktioniert bei Rückenschmerzen und der Bandscheibe oft sehr ähnlich. Aber, ja, ich seh dich mit dem Kopf schütteln: Wir sollten natürlich nach und nach, schrittweise, wieder alle Bewegungsrichtungen integrieren, auch belastet. Trotzdem bleiben die bisher gestellten offenen Fragen offen!

Subgruppen bei Rückenschmerz: Wer braucht mehr Flexion – und wer weniger?

Der eine hat Angst vor rundem Heben und Wirbelsäulenbewegung. Er bewegt sich wie ein Roboter und bekommt deshalb mehr Probleme im Alltag – und vermutlich auch mehr Schmerz. Für diesen Menschen kann das Trainingsziel sein, langsam wieder mehr Wirbelsäulenbewegung zu integrieren, auch Flexion.

Der andere macht viel zu viel aus der Wirbelsäule und viel zu wenig aus der Hüfte. Er überlastet Tag für Tag seine Wirbelsäule, vor allem in einem flexionsdominanten Alltag. Für diesen Menschen ist es vielleicht besser, mit Bewegungskontrolle, Hip Hinges, isolierter Hüftbewegung und Kreuzheben mit unbewegter am liebsten neutraler Wirbelsäule zu arbeiten.

Die Subgruppe, die zu viel Flexion macht, sollte weniger machen. Dieser Gruppe zeige ich Hip Hinges, isolierte Bewegungen der Hüfte und Kreuzheben mit „unbewegter Wirbelsäule“.

Die Gruppe, die zu wenig Flexion macht und Angst davor hat, wird schrittweise an mehr Wirbelsäulenbewegung herangeführt. Vielleicht am Ende auch Jefferson Curls. Vielleicht nur rundes Heben. Vielleicht auch einfach nur das, was sie im Alltag wirklich braucht. Und das ist oft individuell!

Das ist der Punkt. Nicht jeder braucht dieselbe Übung.

Rückenschmerz ist keine Entität

Rückenschmerz ist zwar das Symptom – aber es ist keine Entität.

Rückenschmerzen haben verschiedene Ursachen. Verschiedene Ursachen brauchen verschiedene Behandlungsprotokolle. Rückenschmerzen können durch Angst entstehen. Dann tut Flexion vielleicht nicht weh, wird aber trotzdem vermieden, was ja nicht schlau ist. Rückenschmerzen können durch eine Spinalkanalstenose entstehen. Da kann Flexion oft sogar angenehmer sein als Extension. Rückenschmerzen können durch Organleiden entstehen. Da bringt dir Jefferson Curl vermutlich auch nichts.

Und Rückenschmerzen können durch eine Flexionsintoleranz oder eine gereizte Bandscheibe entstehen. Dann ist es nicht unbedingt genial, genau die Bewegung zu erzwingen, die der Körper gerade vermeiden möchte. Zumindest in den ersten Wochen der Problematik! Hier kann es, wie oben beschrieben, heilsam (und fast schon logisch…) sein, einfach die Beugung, bzw. die Bewegung die zu den Beschwerden des Patienten führt, konsequent zu vermeiden. Das macht dann keine Angst, denn du erklärst deinem Patienten ja wieso ihr das macht und baut danach schrittweise wieder auf!

Peharec et al. zeigten bei Patienten mit Radikulopathie und Rückenschmerz veränderte Bewegungs- beziehungsweise Aktivierungsmuster, sie vermieden mehr Bewegungen; Gouteron et al. fassen in ihrer Übersichtsarbeit zusammen, dass das Flexion-Relaxation-Phänomen bei chronischen Rückenschmerzen verändert sein kann. Ja, das ist interessant, aber keine pauschale Jefferson-Curl-Empfehlung, denn die meisten Untersuchungen schauen ja gar nicht ob der Jefferson-Curl die Lösung ist, sondern zeigen nur, dass Menschen mit Angst oft weniger Bewegungsoptionen zeigen oder sich anders bewegen oder, dass zu wenig Bewegung zu mehr Schmerzen führen kann. Und was machen wir statt zu wenig Bewegung?

Mehr Bewegung. Nicht zwangsläufig Jefferson Curls.

Und gegen die Angst hilft mal eine Umarmung und eine saubere Erklärung!

Flexion vermeiden: Früher zu viel, heute zu wenig

Patienten geben oft an, dass Husten, Niesen, Autofahren und Sitzen ihre Rückenschmerzen verstärken. Ähnlich wie Socken anziehen und Schuhe binden. Mindestens diese Subgruppe sollte auf Flexion eine Zeit lang verzichten oder sie deutlich reduzieren. Nicht für immer. Nicht als Religion. Sondern temporär. Das wurde früher viel zu viel gemacht und heute viel zu wenig.

Das Pendel schwingt immer zu weit.

Wenn du so etwas therapieren willst, machst du nicht „Flexion, Flexion, Flexion“ und zwingst den Patienten in die Stellung, die der Körper vermeiden möchte. Der Körper – nicht nur der Patient – will das vermeiden. Und oft hat er dafür einen Grund.

Du fängst langsam an, die Toleranz gegenüber Beugung aufzubauen. Und das fängt in der Regel damit an, dass man Flexion im Alltag erstmal konsequent reduziert. Wenn der Patient schmerzfreier wird, integrieren wir leichte Flexions-Extensionsbewegungen und gehen schrittweise über zu dem, was der Patient langfristig wieder können möchte. Es ist so einfach.

Bewegungsvermeidung ist nicht immer Ursache – manchmal ist sie Folge

Viele Menschen mit Rückenschmerzen zeigen weniger Wirbelsäulenbewegung. Schömig et al. zeigten eine Assoziation zwischen chronischem Rückenschmerz und reduzierter Lumbalbewegung. Aber das sagt erstmal nichts über die Kausalität. Wenn es dir beim Beugen oder Strecken der Wirbelsäule in die Nüsse zieht, dann machst du es erstmal nicht mehr. Wenn du Angst hast, machst du es auch nicht mehr – auch wenn nichts passiert ist.

Von außen kann beides ähnlich aussehen. Aber die Ursache ist nicht dieselbe. Oft wird Patienten auf Basis solcher Daten angedichtet, dass sie Schmerzen haben, weil sie weniger bewegen. Das kann sein. Muss aber nicht. Oft steht zuerst der „Schmerz durch …“, dann kommen Angstmache, schlechte Kommunikation oder falsche Übungsauswahl durch Trainer, Therapeuten, Ärzte oder Radiologen hinzu. Erst danach entwickeln sich Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten, und erst danach machen diese Muster weitere Probleme. Ich habe Patienten die entwickeln erst Angst und teils eine Angststörung WEIL IHNEN GESAGT WURDE, DASS SIE KEINE ANGST VOR FLEXION HABEN SOLLEN UND DIE DANN HEITER WEITER FLEXION GEMACHT HABEN! Die entwickeln dann einen großen Vertrauensverlust in uns Physios, weil wir oft dumme Scheiße machen.

Die Wirbelsäule ist gar kein besonderes Körperareal. Wenn dein Tennisellenbogen weh tut, bewegst du auch erstmal weniger und vermeidest bestimmte Bewegungsrichtungen, bis es nicht mehr weh tut.

Einfachste Medizin.

Bandscheibenvorfall erkennen

Mit einem Klick auf das Video bestätigst du, dass du unsere Datenschutzerklärung akzeptierst und der Übermittelung deiner Daten an Youtube zustimmst.

Jefferson Curl und Bandscheibe: Anpassung ja, vielleicht – aber nicht sofort

Unser Gewebe passt sich an. Ja. Vermutlich. Wenn die Dosis stimmt. Denn wenn alles seine Zeit hat, bedeutet das auch: Alles braucht seine Zeit.

Aber ich muss hier intervenieren. Ich hatte ein Cauda Equina-Syndrom mit Totalausfall. Ich war mein Leben lang sportlich, habe viel bewegt und auch viel Flexion gemacht. Ich habe früher gelernt wie man Kreuzheben ausführt, es war sehr flexionsbetont. Ich fing an, steigerte mich von 50kg bis 10 Jahre später 240kg und dann saß ich im Rollstuhl. Ich arbeitete schon mit Jefferson Curls und Round Back Deadlift, als viele, die dir das heute empfehlen, noch im Kindergarten waren. Aber es hat sich nichts angepasst. Warum? Keine Ahnung. Pech, Genetik. Wie gesagt: Ich habe viele offene Fragen und würde bei vielen Dingen gar nicht mehr so definitiv sein, wie ich es vielleicht mal war.

Ok. Bindegewebe, Bandscheiben, Sehnen, Menisken und andere eher schlecht durchblutete Gewebearten passen sich nicht in zwei Wochen an deine TikTok-Mobility-Challenge an. Anpassung braucht Zeit. Eher Jahre als Monate!

Und dazu braucht dieses Gewebe zusätzlich täglich leichte, unbelastete Bewegung, damit die Nährstoffsituation verbessert wird. Wenn du den Jefferson Curl als kleinen Reiz einsetzt und dem Körper danach Zeit gibst, damit er auch adaptieren kann, kann das sinnvoll sein. Wenn du ihn ständig, endgradig, mit Gewicht und zusätzlich zu einem flexionsdominanten Alltag machst, kann die Dosis schnell zu hoch werden.

Es gibt einen Unterschied zwischen Belastung und Belastbarkeit. Und jede Bewegung kann verletzen, wenn die Dosis hoch genug ist.

Und der Alltag gehört mit in die Gleichung und kann eine Dosis schnell zu viel werden lassen.

Ist der Jefferson Curl die beste Übung für deine Wirbelsäule?

Durch den Jefferson Curl sprintest du nicht schneller, springst nicht höher, schlägst oder trittst nicht stärker und wirst vermutlich nicht besser im Kreuzheben. Weil: Ich trainiere lieber Kreuzheben um im Kreuzheben besser zu werden. Und meine Ressourcen sind beschränkt. So muss man generell bei Trainingsplanung und auch Reha-Planung denken.

Also: Wofür machen wir den eigentlich? Was genau soll der Jefferson Curl bringen, außer besonders auszusehen und damit irgendwie zu beweisen, dass die Wirbelsäule Beugung unter Last kann? Ja, Beugung unter Last kann sie. Das zeigen tausende Powerlifter, Ruderer, MMA-Kämpfer und Bauarbeiter seit Jahrzehnten. Aber keiner davon benötigte jemals zwingend den Jefferson Curl.

Da Kraft spezifisch ist, was macht für einen Sportler meist mehr Sinn? Die Übung zu trainieren, die er benötigt – oder den Jefferson Curl? Und für den Alltag: Was macht mehr Sinn? Jefferson Curls zu machen oder langsam wieder mit gebeugter Wirbelsäule zu heben und mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren?

Hat der Jefferson Curl ein Risiko?

Hat der Jefferson Curl ein definitives Risiko? Nein.

Hat der Jefferson Curl kein definitives Risiko? Auch nein.

Hat der Jefferson Curl definitive Vorteile? Auch nein.

Fehlt dir etwas, wenn du den Jefferson Curl nicht trainierst? Auch nein.

Gibt es gute oder bessere Alternativen? Ja.

Es gibt viel zu starke Meinungen für viel zu wenige Belege zur Wirksamkeit, Überlegenheit oder Sinnhaftigkeit des Jefferson Curls. Und genau deshalb brauchen wir mehr Differenzierung. Und deshalb schreibe ich diesen Artikel.

Wann ich Jefferson Curls nicht einsetzen würde

Ich würde Jefferson Curls erstmal nicht einsetzen oder sehr vorsichtig dosieren bei:

  • akuten Rückenschmerzen mit klarer Flexionsintoleranz,
  • Schmerzen bei Sitzen, Autofahren, Husten, Niesen, Socken anziehen, Sex oder Schuhe binden,
  • ausstrahlenden Beschwerden ins Bein,
  • Ischias- oder Nervenwurzelbeteiligung,
  • starkem Nachschmerz am Folgetag,
  • frischer Bandscheibenproblematik,
  • sehr unbeweglicher Oberschenkelrückseite,
  • schlechte Hüftbewegung,
  • schwerem Heben oder Beugen in den nächsten 72 Stunden
  • Sprinttraining in den nächsten 72 Stunden.

Wann Jefferson Curls sinnvoll sein können

Jefferson Curls können sinnvoll sein, wenn du sie als kleines Werkzeug nutzt:

  • für Bewegungskontrolle,
  • für segmentale Ansteuerung,
  • für mehr Wirbelsäulenflexion mit kontrollierter Exposition,
  • für Beweglichkeit der Wirbelsäule und der Oberschenkelrückseite,
  • für Vertrauen in Beugung,
  • für ergänzendes Rückenstreckertraining mit niedriger Last,
  • ein paar Sätze mit wenigen Wiederholungen 1-Mal pro Woche nach dem Rückentraining, ohne viel Gewicht.

Aber auch dann gilt: Der Jefferson Curl ist kein Hauptlift. Kein Muskelaufbau-Wunder. Kein Pflichtprogramm. Kein Beweis dafür, dass du keine Angst vor Bewegung hast.

Wenn du rund heben lernen willst, übe rundes Heben.
Wenn du Bewegung brauchst, bewege dich mehr.
Wenn du Flexion nicht tolerierst, reduziere sie erstmal.
Wenn du Angst vor Flexion hast, baue sie schrittweise wieder auf.

Mit einem Klick auf das Video bestätigst du, dass du unsere Datenschutzerklärung akzeptierst und der Übermittelung deiner Daten an Youtube zustimmst.

Jefferson Curl richtig ausführen: Meine Praxis-Progression

Wenn du Jefferson Curls machen willst, dann bitte nicht direkt mit Gewicht auf einer Box und dem Ziel, deinen Kopf durch den Boden zu stecken, nur weil du das gerade zum 1000ten Mal bei Instagram gesehen hast. Bau schrittweise auf, mit einer logischen Progression:

Erst die Komponenten. Dann die kombinierte Bewegung. Dann irgendwann Last, wenn es sein muss.

Phase 1: Erstmal Bewegung zurückholen

Frequenz: 1–2-mal pro Woche, zusätzlich kleine Bewegungs-Snacks im Alltag möglich.
Dauer: 6–12 Wochen oder länger.
Ziel: Bewegung, Kontrolle, keine Provokation.

Übungen:

  • Cat-Camel im Vierfüßlerstand
  • Becken kippen und aufrichten im Stand mit festhalten
  • segmentales Einrollen ohne Last im Stehen, ohne Hüftbeteiligung (wenn schmerzfrei)
  • Hip Hinge mit neutraler Wirbelsäule
  • Oberschenkelrückseite langsam beweglicher machen, z. B. aktive Dehnungen in Rückenlage

Das Ziel ist nicht, maximal tief zu kommen. Das Ziel ist, Hüfte und Wirbelsäule wieder getrennt und kontrolliert bewegen zu können und die einzelnen Komponenten des Jefferson Curls zu beüben und das Gewebe mit geringen Lasten an die nächste Phase anzupassen.

Phase 2: Rundes Heben üben

Frequenz: 1-mal pro Woche.
Volumen: 2–3 Sätze à 3–5 Wiederholungen.
Last: ohne Gewicht, Besenstiel, sehr leichte Kettlebell oder sehr leichtes Gewicht.
Dauer: 6–12 Wochen oder länger.

Hier übst du, was du im Alltag wirklich brauchst: Etwas rund vom Boden aufheben. Mit gebeugten Knien, kürzerem Lastarm, sauberer Kontrolle und ohne maximale Nervendehnung. Kein Wippen. Kein Reißen. Kein „ich muss tiefer“. Super slow. Zusätzlich zu Phase 1, also am gleichen Tag.

Diese Übung würde ich vom Gewicht auch auf 50, 100 oder 150kg hochskalieren, je nach Ziel und Ausgangslage.

Also keine Angst vor Flexion haben, es geht mir um die Frage: Was soll der Jefferson Curl besser können und könnte er ein höheres Risiko darstellen ohne einen größeren Nutzen zu liefern als einfach nur rund zu heben?

Zusätzliche Übung: 

  • Stiff Leg Hinge, Stiff Leg Deadlift oder Romanian Deadlifts mit leichten Gewichten und neutraler Wirbelsäule

Phase 3: Jefferson Curl ohne Gewicht

Frequenz: 1-mal pro Woche starten.
Volumen: 1–2 Sätze à 3–5 langsame Wiederholungen.
Last: kein Gewicht zum Start.
Bewegungsausmaß: so weit wir schmerzfrei möglich.
Dauer: mehrere Wochen bis Monate.

Du machst erst ein paar Sätze Cat Camel und RDLs vorher, auch ohne Gewicht und danach die Jefferson Curls. Mach das aber nicht vor dem Kreuzheben und nicht morgens, sondern eher am Abend nach dem Training, wenn die Bandscheiben nicht mehr maximal hydriert sind.

Die Knie dürfen leicht gebeugt sein. Du gehst nur so weit, wie es kontrolliert und ohne Nachreaktion möglich ist. Wenn es am nächsten Tag schlechter ist, war es zu viel. Nicht „Heilungsschmerz“ oder „Erstverschlimmerung“. Zu viel.

Phase 4: Jefferson Curl mit Last

Frequenz: 1-mal pro Woche.
Volumen: 1–3 Sätze à 3–5 Wiederholungen.
Last: 2–5 kg zum Start.
Progression: wenn überhaupt, alle 4–8 Wochen 1–2 kg mehr.

Und die wichtigste Regel: Kein Jefferson Curl 72 Stunden vor schwerem Heben oder schweren Kniebeugen, nicht morgens.

Gewebeadaption braucht Zeit. Eher Jahre als Monate.

Eine einfache Jefferson-Curl-Dosierung

Wenn du gesund bist, keine akute Flexionsintoleranz hast und die Übung wirklich einbauen willst:

  • 1–2-mal pro Woche
  • ohne Gewicht starten
  • erst Cat-Camel, Hip Hinge, Stiff Leg Hinge und rundes Heben lernen
  • 1–3 Sätze
  • 3–6 Wiederholungen
  • reduziertes Bewegungsausmaß
  • keine Maximaldehnung erzwingen
  • nicht vor schwerem Heben oder Beugen
  • nicht morgens
  • Progression sehr langsam
  • bei Nachschmerz rausnehmen oder Dosis reduzieren

Hier hilft nicht „viel hilft viel“. Hier hilft: wenig, sauber, selten, kontrolliert und langfristig.

Patienten keine Angst machen – aber Beschwerden ernst nehmen

Es ist richtig, dass man Patienten Angst nehmen muss. Wir sollten erklären und zeigen, wie man wieder eine belastbare Wirbelsäule aufbaut. Wir sollten erklären, dass der Körper robust ist, dass die Wirbelsäule sich anpasst und dass Bewegung nicht automatisch gefährlich ist. Aber man sollte nicht so respektlos sein, Menschen ihre Beschwerden abzusprechen.

Natoli et al. zeigen qualitativ sehr schön, dass Menschen mit chronischem Rückenschmerz Übungen nicht einfach neutral betrachten, sondern mit konkreten Verletzungs- und Risikoerwartungen verbinden können und oft auch bei dieser Bewegung tatsächlich ein auslösendes Ereignis beschreiben! Genau deshalb ist Kommunikation wichtig – aber Kommunikation ersetzt keine passende Dosierung und schrittweises wiederaufbauen. Nur mit dem Patienten sprechen macht natürlich keine stabile Wirbelsäule!

Nicht jeder Mensch mit Angst hat „nur Angst“.
Nicht jeder Mensch mit Flexionsvermeidung braucht direkt Flexion.
Nicht jeder Mensch mit Rückenschmerz braucht Jefferson Curls.

Manchmal vermeidet der Körper eine Bewegung, weil sie wirklich provoziert. Und manchmal ist genau diese Vermeidung kurzfristig sinnvoll.

Der Jefferson Curl, kannst du machen, musst du aber nicht…

Jefferson Curls sind nicht pauschal gefährlich. Aber sie sind auch nicht pauschal sinnvoll. Der Jefferson Curl kann eine Übung für Bewegungskontrolle, segmentale Ansteuerung und dosierte Flexion sein. Aber er ist kein Pflichtprogramm bei Rückenschmerzen, keine Hauptübung für Rückenmuskulatur und nicht automatisch die beste Lösung gegen Angst vor rundem Heben. Die bessere Frage ist nicht: „Ist der Jefferson Curl gut oder schlecht?“

Die bessere Frage ist:

Für wen? Wann? Wofür? In welcher Dosis? Mit welcher Vorgeschichte? Mit welcher Reaktion am nächsten Tag?

Wenn du rund heben lernen willst, übe rundes Heben. Wenn du zu wenig Bewegung hast, bewege dich mehr. Wenn du zu viel Flexion machst, lerne Hüfte und Wirbelsäule besser zu trennen, damit du auch mal weniger Flexion machen kannst. Wenn du Angst vor Bewegung hast, baue Bewegung schrittweise wieder auf.

Die Wirbelsäule braucht keine Ideologie. Sie braucht Kontext, Dosierung, Bewegung und Zeit.

Häufige Fragen zum Jefferson Curl

Sind Jefferson Curls gefährlich?

Jefferson Curls sind nicht pauschal gefährlich. Sie können aber problematisch sein, wenn sie zu früh, zu schwer, zu häufig oder bei Flexionsintoleranz, Ischiasbeschwerden oder akuten Bandscheibenproblemen eingesetzt werden. Entscheidend sind Person, Ziel, Dosis und Reaktion.

Was bringt der Jefferson Curl?

Der Jefferson Curl kann Bewegungskontrolle, segmentale Wirbelsäulenbewegung, Beweglichkeit und dosierte Flexion trainieren. Er ist aber keine Hauptübung für Rückenmuskulatur und kein Pflichtprogramm für eine robuste Wirbelsäule.

Ist der Jefferson Curl gut bei Rückenschmerzen?

Manchmal ja, aber nicht pauschal. Rückenschmerzen haben unterschiedliche Ursachen. Wer Angst vor Beugung hat und Flexion gut toleriert, kann später von dosierter Flexion profitieren. Wer bei Sitzen, Husten, Niesen, Vorbeugen oder Socken anziehen mehr Schmerzen bekommt, sollte mit Jefferson Curls erstmal vorsichtig sein.

Ist der Jefferson Curl bei Bandscheibenvorfall geeignet?

Nicht pauschal. Bei Bandscheibenvorfall, Radikulopathie, Ischias oder Flexionsintoleranz würde ich Jefferson Curls erstmal vermeiden oder sehr spät und sehr niedrig dosiert einsetzen. Ob sie sinnvoll sind, hängt von Symptomen, Verlauf und Reaktion ab.

Warum kann der Jefferson Curl Beschwerden verstärken?

Weil er endgradige Wirbelsäulenflexion, Hamstring-Dehnung, langen Lastarm und Zug auf nervale Strukturen kombinieren kann. Bei gereizter Nervenwurzel, Ischias, Flexionsintoleranz oder zu hoher Dosis kann das Beschwerden erhalten oder verstärken. Je nach individueller Biomechanik ist der Jefferson Curl aber auch immer kacke!

Ist rundes Heben besser als Jefferson Curl?

Für den Alltag oft ja. Rundes Heben mit gebeugten Knien ist spezifischer, besser dosierbar und weniger stark mit Hamstring- und Nervendehnung gekoppelt. Wenn du lernen willst, rund etwas vom Boden aufzuheben, dann übe genau das.

Wie oft sollte man Jefferson Curls machen?

Wenn überhaupt, 1–2-mal pro Woche. Starte ohne Gewicht, mit reduziertem Bewegungsumfang und wenig Volumen. 1–3 Sätze mit 3–5,6 Wiederholungen reichen völlig aus.

Sollte man Jefferson Curls mit Gewicht machen?

Nicht am Anfang. Erst ohne Gewicht. Später, wenn alles gut toleriert wird, eventuell 2–5 kg. Progression sehr langsam, eher alle 4–8 Wochen. Denk eher in Jahren als in Monaten.

Was ist eine gute Alternative zum Jefferson Curl?

Rundes Heben mit gebeugten Knien, Cat-Camel, Becken kippen, segmentale Flexions-Extensionsbewegungen, Hip Hinge, leichtes Kreuzheben und dosierte Alltagsbewegungen sind oft bessere erste Schritte. Persönlich bin ich eher ein Fan von rundem Heben, Yoga und  Waving Spines als vom Jefferson Curl.

Was ist die wichtigste Botschaft?

Der Jefferson Curl ist ein Werkzeug. Nicht der Teufel, nicht der heilige Gral. Wenn er passt, dosiere ihn vorsichtig. Wenn er Beschwerden erhält, lass ihn raus. Und hör auf, komplexe Rückenschmerzen mit einer Standardübung lösen zu wollen.

Was kann ich tun, wenn ich Rückenschmerzen habe?

Hol dir z. B. mein Buch Diagnose sportunfähig, das ersetzt zwar keinen guten Physiotherapeuten, aber einen schlechten.

physio-fachbuch-ernaehrungsstrategien-in-der-physiotherapie-chris-eikelmeier-diagnose-sportunfaehig

Mehr lesen

Quellen

Gouteron, Anaïs, Anne Tabard-Fougère, Abderrahmane Bourredjem, Jean-Marie Casillas, Stéphane Armand, and Stéphane Genevay. 2022. “The Flexion Relaxation Phenomenon in Nonspecific Chronic Low Back Pain: Prevalence, Reproducibility and Flexion-Extension Ratios. A Systematic Review and Meta-Analysis.” European Spine Journal 31 (1): 136–151. doi: 10.1007/s00586-021-06992-0.

Howe, Louis & Lehman, Gregory. (2021). Getting out of neutral: the risks and rewards of lumbar spine flexion during lifting exercises. Strength and Conditioning.

Natoli, Andrew R., Matthew D. Jones, Emily D. Walker, and Mitchell T. Gibbs. 2025. “‘I Could 100% See Myself Getting Hurt If I Did It Wrong’: A Qualitative Exploration of Exercise Perceptions in People with Chronic Low Back Pain.” Disability and Rehabilitation 47 (11): 2760–2769. doi: 10.1080/09638288.2024.2400592.

Park, Chul-Hyun, Jaewon Beom, Chun Kee Chung, Chi Heon Kim, Mi Yeon Lee, Myung Woo Park, Keewon Kim, and Sun Gun Chung. 2024. “Long-Term Effects of Lumbar Flexion versus Extension Exercises for Chronic Axial Low Back Pain: A Randomized Controlled Trial.” Scientific Reports 14: 2714. doi: 10.1038/s41598-024-51769-2.

Peharec, Marijan, Stanislav Peharec, Vedran Srhoj-Egekher, Romana Jerković, Dean Girotto, and Gordana Starčević-Klasan. 2024. “The Flexion Relaxation Phenomenon in Patients with Radiculopathy and Low Back Pain: A Cross-Sectional Study.” Journal of Functional Morphology and Kinesiology 9 (2): 77. doi: 10.3390/jfmk9020077.

Saraceni, Nic, Peter Kent, Leo Ng, Amity Campbell, Leon Straker, and Peter O’Sullivan. 2020. “To Flex or Not to Flex? Is There a Relationship Between Lumbar Spine Flexion During Lifting and Low Back Pain? A Systematic Review With Meta-Analysis.” Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy 50 (3): 121–130. doi: 10.2519/jospt.2020.9218.

Schömig, Friederike, Matthias Pumberger, Luis Becker, Sandra Reitmaier, Maksym Bashkuev, Georg N. Duda, and Hendrik Schmidt. 2025. “Chronic Low Back Pain Is Associated with a Reduction in Lumbar Movement – A Prospective Cohort Study.” Scientific Reports 15: 19800. doi: 10.1038/s41598-025-04851-2.

Shahbazi, Majid, and Tayyebeh Sadat Fatemi. 2026. “A New Perspective on Lumbar Disc Herniation Management Using Prone Knee Extension.” Case Reports in Medicine 2026: 2579261. doi: 10.1155/carm/2579261.

Short S, Short G, Lehman G, Friesen J, Johnson B. A Critical Review of Trunk and Hip Exercise Prescription: Applying Evidence for a Modern Approach. Int J Sports Phys Ther. 2025 Mar 1;20(3):448-475. doi: 10.26603/001c.129972. PMID: 40041532; PMCID: PMC11872577.

Washmuth NB, McAfee AD, Bickel CS. Lifting Techniques: Why Are We Not Using Evidence To Optimize Movement? Int J Sports Phys Ther. 2022 Jan 1;17(1):104-110. doi: 10.26603/001c.30023. PMID: 35024210; PMCID: PMC8720246.

HINWEIS: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.

Handy mit Strength First Newsletter Icon

Psssst: Streng(th) geheime Insider­informationen!!!

Hinweis: Hier geht es zu unserer Datenschutzerklärung und unseren Hinweispflichten.

Gefallen Dir unsere kostenlosen Inhalte hier und auf Social Media?

Spendier’ uns einen Kaffee 🙂 #danke