Kurzer Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um einen etwas älteren Blogartikel – es ist gut möglich, dass einige der geschriebenen Dinge überholt sind und nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft oder der Meinung des Verfassers entsprechen, oder vielleicht auch doch. Sollte dir hier etwas auffallen oder du Fragen haben, nutz einfach die Kommentarfunktion und gönn dir natürlich auch einen der aktuellen Artikel. Dennoch: Viel Spaß beim Lesen!
Verbote machen Dinge oft attraktiver. Genau darum geht es beim Mangelgesetz: Was du nicht haben darfst, bekommt plötzlich mehr Wert – egal ob Pizza, Eis, Beziehung, Besitz oder irgendeine andere „verbotene Frucht“. Gerade bei Diäten ist das ein Klassiker: Je härter du dir ein Lebensmittel verbietest, desto mehr kreist dein Kopf darum. Nicht, weil du schwach bist, sondern weil Verzicht, Stress, Belohnung und Verfügbarkeit bei Menschen ziemlich ungünstig zusammenspielen.
Kennst du noch Adam und Eva?
Eva tanzt nackt durch den Garten Eden. Alles ist super: frische Früchte, Pizza, Eis, Hamburger – natürlich alles glutenfrei, laktosefrei, High Protein und ohne Kalorien. Paradies eben. Aber Eva ist auf Diät und hat sich all diese kalorienfreien Leckereien verboten. Den ganzen Tag hat sie nur noch Würstchen und Hot Dogs im Kopf. Dann kommt die Schlange und sagt: „Zisch, zisch, schlängel … nimm das Würstchen, steck es in den Mund, lutsch dran und beiß rein. Dieses Würstchen ist auch ganz bestimmt vegan und glutenfrei.“
Eva denkt: „Ja, vegan und glutenfrei muss ja gut sein.“
Und der Rest ist Geschichte.
Version 1: Das Würstchen war nicht vegan und nicht glutenfrei. Es war das Würstchen des Herrn, und der war sauer, weil Eva reingebissen hat. Nur lutschen wäre okay gewesen. Also verbannte er uns aus dem Garten Eden.
Version 2: ZACK. Eva wurde dick, weil sie gegen ihren Diätplan gehandelt hat. Gott gefiel nicht, was er sah, und verbannte Eva samt Sippe – also uns Menschen – aus dem Garten Eden. Seitdem sind wir gestraft mit Diätproblemen, Unzufriedenheit und dem ewigen Gefühl, dass genau das am geilsten ist, was wir gerade nicht haben dürfen.
Glutenfreies Würstchen … Eva war ganz schön falsch informiert. Vegan und glutenfrei ist ja kein Garant für eine gute Ernährung oder ein gutes Lebensmittel, oder? Cola ist auch glutenfrei. Margarine und Transfette auch. Du kannst dich vegan richtig schlecht ernähren – und du kannst dich fast vegan sehr gesund und ausgewogen ernähren. Es kommt wie immer auf den Kontext an.
Also Eva? EVA, WAS HAST DU GETAN!
Die Geschichte von Garten Eden, aktueller dennje!
Die Geschichte von Eva im Garten Eden ist so furchtbar interessant und passt auch heute noch: Wir wollen oft das, was wir nicht haben oder wollen das, wovon wir denken, dass es besser wäre. Das betrifft Partnerschaften, Ernährung und Lebensmittel oder irgendwelche materiellen Dinge. Das Auto des Nachbarn, das neue Carport, die Beförderung… wir sehen oft nur die positiven Seiten der Dinge, blenden alles Negative aus. Der der das neue große Auto fährt, muss eventuell 12 Stunden täglich dafür arbeiten und auch Wochenendschichten machen. Der der Sixpack hat und immer Shooting-Ready aussieht, hat eventuell eine Essstörung oder sich 10 Jahre dafür den Arsch aufgerissen. Aber ja: Verbote sind interessant und das was andere haben und wir nicht haben, ist oft interessant.
So sind wir Menschen. Der alte Stoiker Seneca sagte schon:
„Niemals wird einer glücklich sein, den das größere Glück eines anderen wurmt.“
Die verbotene Frucht und das Mangelgesetz: Verbote machen Dinge attraktiver
Kennst du das nicht auch? Alles Verbotene wird attraktiver. Und das, was du hast, willst du oft nicht haben. Traurig, aber wahr. Dinge steigen in deinem Kopf an Wert, je weniger du davon hast. Obwohl das objektiv natürlich Quatsch ist. Die Sache selbst verändert sich nicht. Aber du gibst ihr eine andere Wertigkeit, nur weil sie plötzlich knapp, verboten oder unerreichbar ist.
Du denkst also, dass etwas besser ist, nur weil du es gerade nicht hast. Und du denkst, dass etwas weniger wert ist, nur weil es dich ständig umgibt.
So ein Schwachsinn? Ja. Aber so sind Menschen.
Während einer Diät kennst du das doch. Ich denke persönlich mehr an Pizza, wenn ich weiß, dass es erstmal keine Pizza gibt. Dann will ich jeden Tag Pizza. Wenn ich weiß, dass ich Pizza essen darf, wann ich möchte, dann esse ich alle paar Wochen mal eine Pizza und gut ist. Verrückt, oder?
Auf einer Carnivoren Diät kriegt man richtig Bock auf Naturreis, knackiges Gemüse und einen Salat. Tatsache!
Aber das ist bei Beziehungen auch nicht anders. Bei Gegenständen nicht anders. Bei Aufmerksamkeit nicht anders. Bei Freiheit nicht anders. Was knapp ist, wirkt wertvoller. Was verboten ist, wirkt spannender. Was du jederzeit haben kannst, verliert seinen Reiz.
Willkommen im Mangelgesetz.
Wechsel doch einfach den Rahmen: Reframing und Coaching statt Verbote
Du kannst den Rahmen wechseln und einer Sache, von der du glaubst, dass sie unglaublich wertvoll ist, bewusst einen anderen Rahmen geben. Oder zumindest deinen Gedanken dazu verändern. Hast du schon einmal von mir gelesen: „Keine Verbote“?
Das ist Reframing. Ein Rahmenwechsel. Eine Manipulationstechnik – aber nicht im bösen Sinne. Du veränderst die Bedeutung einer Sache. Auf einmal ist Pizza nicht mehr die verbotene Frucht. Sie ist einfach Pizza. Du darfst sie essen. Und plötzlich wird sie weniger mächtig. Sich für das zu bedanken, was du hast, ist im Grunde auch so eine Manipulationstechnik. Du lenkst deine Aufmerksamkeit um. Weg von dem, was fehlt. Hin zu dem, was da ist.
Du veränderst deine Gedanken – und damit veränderst du deine Welt.
Klingt simpel. Ist es auch.
Sag Danke.
DANKE FÜR MEIN ESSEN IM KÜHLSCHRANK!
DANKE FÜR MEIN BETT!
DANKE FÜR MEIN DACH ÜBER DEM KOPF!
DANKE FÜR MEINE FREUNDE!
DANKE FÜR MEINEN FREUND!
DANKE FÜR CHRIS, STRENGTH FIRST UND DIESEN BLOG!
ER TEILTE DAS BROT UND SO TEILE DU MEINE BLOGBEITRÄGE!
Mach das. Hört sich stupide an, aber oft funktioniert genau dieser einfache Scheiß. Wir brauchen nicht immer neue Studien, keine krasse Philosophie und keinen 17-Stufen-Manifestationskurs mit Räucherstäbchen und Rabattcode nach unserer 2-stündigen Meditation!
Wir haben oft schon sehr viel von dem, was uns glücklicher machen könnte. Wir sehen es nur nicht mehr.
Das nennt sich auch hedonische Tretmühle: Menschen sind nie wirklich zufrieden mit dem was sie haben. Du erreichst ein Ziel und dann kommt das nächste. Du schaffst etwas, was du immer schaffen wolltest und es muss immer mehr sein.
Lebe so, dass dir schmeckt, was gesund ist
Oder wechsel deine Gedanken entsprechend aus. Es gibt viele Theorien und Lager, die dir erzählen, was gesund und was ungesund ist. Am Ende kommt dann oft das heraus, was viele praktizieren und womit sie unglücklich sind: Sie essen Apfel statt Eiscreme und Makrele statt Pizza – nicht, weil sie es wirklich wollen, sondern weil sie glauben, dass sie es müssen.
Instinktives Essen wäre eigentlich das, was man wieder lernen sollte. Hör auf dein Herz?
Klingt sinnvoll. Ist in der heutigen Zeit aber verdammt schwer. Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der Nahrung knapp ist. Wir leben in einer Welt, in der Pizza, Eis, Süßigkeiten, Lieferdienste und Snacks jederzeit verfügbar sind. Und vielleicht geht „iss einfach intuitiv“ deshalb gar nicht so leicht – zumindest nicht, wenn dein Ziel „muskulös, durchtrainiert und lean as fuck“ ist.
Warum? Weil wir nicht für den Kühlschrank gemacht wurden. Lebensmittel sind jederzeit verfügbar und kaloriendichte Lebensmittel schaffen es, dass wir mehr essen, als unser Körper gerade benötigt. Sich mit Salaten, Gemüse, magerem Fisch und Fleisch zu überfressen ist wesentlich unwahrscheinlicher, als mit Orangensaft, Pizza und Eiscreme. Daher ist emotionales und intuitives Essen auch gar nicht so trivial, auch wenn es sich immer schön anhört!
Die Evolution ist nicht pro Sixpack: Abnehmen ist nicht gewollt!
Unser Körper ist nicht darauf programmiert, dauerhaft schlank, trocken und Instagram-ready zu sein. Evolutionär war es sinnvoll, Energie zu speichern, wenn Nahrung verfügbar war. Früher war Fasten nicht Biohacking, sondern Pech. Kein Kühlschrank. Kein Supermarkt. Keine Götterspeise im Paket. Du hast nichts gefunden, also hast du nichts gegessen. Unser Hypothalamus kennt keine Diäten, kein Intermittent Fasting, keine Kalorien-App und keine Supermärkte. Der kennt nur: Überleben.
Survival of the fattest.
Und unserem Gehirn sind neue Studien auch erstmal egal.
Nahrung ist Belohnung. Bei Stress, Frust, Einsamkeit, Freude oder Langeweile greifen viele Menschen zu Essen. Nicht, weil sie dumm sind, sondern weil Nahrung essentiell ist und unser Körper Nahrungsaufnahme ziemlich gut belohnt – mit Dopamin, Serotonin, Oxytocin, Endocannabinoiden und wahrscheinlich noch tausend anderen Stoffen, die wir noch nicht einmal richtig auf dem Schirm haben.
Das Verhalten, das früher zur Nahrungsaufnahme geführt hat, hat unser Überleben gesichert. Und das macht uns heute fetter und das Abnehmen schwieriger.
Knorke für die Evolution. Nicht unbedingt pro Sixpack.
Verbote machen Essen nicht leichter, sondern Diäten schwieriger
Wenn du dir Pizza und Eis komplett verbietest, willst du es oft umso mehr. Dann löst schon der Gedanke daran Stress aus. Du denkst ständig daran, kämpfst dagegen an, fühlst dich schlecht, isst es irgendwann doch und bist dann wieder enttäuscht von dir. Wenn du dir Pizza und Eis nicht verbietest und es ständig isst, weil „es soll ja keine Verbote geben“, wirst du natürlich auch nicht automatisch schlank. Dann gibt es vielleicht keine Stresskaskade, aber du frisst trotzdem zu viel, weil es einfach lecker ist.
Also ist die Lösung nicht: alles verbieten. Und die Lösung ist auch nicht: alles immer essen. Die Lösung ist: den Rahmen ändern.
Pizza ist nicht verboten. Pizza ist auch kein Lebensziel. Pizza ist Pizza. Eis ist Eis. Essen darf schmecken. Gesundheit darf schmecken. Und wenn dir nur das schmeckt, was du dir verbietest, dann hast du vielleicht kein Ernährungsproblem, sondern ein Rahmenproblem. Die Frage ist nicht: „Wie vermeide ich es, jemals dick zu werden?“
Die bessere Frage ist: Wie lebe ich so, dass ich gesund bleibe, ohne mich ständig selbst zu bekämpfen?
Was wäre eine gelungene Alternative zu dem, was ich gerne essen würde, aber was vielleicht nicht optimal für das Erreichen meines Ziel ist?
Rollenspiele, verkleiden und deinen Partner wertschätzen, aber das ist ja ein ganz anderes Thema (also naja, das betrifft auch Beziehungen, Job und all anderen Lebensbereiche, nicht nur deine Ernährung). Ich persönlich ziehe es vor, Pizza bewusst zu essen, statt dick zu werden, weil ich mir Pizza verbiete und sie dadurch in meinem Kopf irgendwann größer wird als das Leben selbst. Ich freue mich Pizza zu backen, mit guter Musik, etwas Wein, alle paar Tage bis paar Wochen.
Oder so.
Die verbotene Frucht gewinnt nur, wenn du sie verbietest
Das Mangelgesetz ist simpel: Was knapp, verboten oder unerreichbar ist, wirkt wertvoller. Genau deshalb machen strikte Verbote Diäten oft schwerer, nicht leichter. Wenn du dir alles verbietest, wird Essen irgendwann größer als es sein sollte. Wenn du dir alles erlaubst und keine Struktur hast, eskaliert es auch. Die Kunst liegt irgendwo dazwischen: weniger Drama, mehr Bewusstsein, mehr Dankbarkeit, mehr Genuss und weniger Religion aus Ernährung machen.
Keine Verbote heißt nicht: keine Kontrolle. Keine Verbote heißt: Du machst Essen nicht unnötig mächtiger, als es ist.
Denn: Es ist nur Essen. Und meistens haben wir schon alles was wir brauchen oder wir wissen nicht was wir wollen. Das sind aber ganz andere Themen. Lies dazu mal mehr zu Glück und Zufriedenheit in den nachflogenden Beiträgen:
Häufige Frage zu Verboten und dem Mangelgesetz
Was bedeutet das Mangelgesetz?
Das Mangelgesetz beschreibt, dass Dinge in unserem Kopf wertvoller wirken, wenn sie knapp, verboten oder schwer erreichbar sind. In Diäten sieht man das oft: Genau das, was verboten ist, wird plötzlich besonders attraktiv.
Warum machen Verbote Essen oft attraktiver?
Weil Verbote Aufmerksamkeit erzeugen. Wenn du dir Pizza, Eis oder Schokolade komplett verbietest, denkst du oft viel mehr daran. Dadurch bekommt dieses Lebensmittel emotional mehr Bedeutung, als es eigentlich verdient.
Heißt „keine Verbote“, dass man alles essen soll?
Nein. Keine Verbote heißt nicht, dass du jeden Tag eskalieren sollst. Es bedeutet eher, Essen nicht unnötig zu dämonisieren. Struktur, Kontext, Menge und Gewohnheiten bleiben wichtig.
Warum ist intuitive Ernährung heute so schwierig?
Weil wir ständig verfügbare, sehr leckere und kalorienreiche Lebensmittel um uns herum haben. Unser Körper ist nicht für Supermärkte, Lieferdienste und 24/7-Snacks gebaut. Deshalb braucht intuitive Ernährung oft trotzdem Bewusstsein und Struktur.
Was ist die wichtigste Botschaft?
Mach Essen nicht mächtiger, als es ist. Verbote können Lebensmittel attraktiver machen, aber völlige Grenzenlosigkeit löst das Problem auch nicht. Gesundheit darf schmecken – und Genuss braucht keinen Diätkrieg.
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