
Pizza ist weder automatisch ungesund noch ein Superfood. Es kommt auf Teig, Zutaten, Menge und den Rest deiner Ernährung an. Eine Sauerteigpizza mit langer Gare, Tomaten, Kräutern, gutem Käse, Olivenöl und vielleicht noch etwas hochwertigem Protein ist ernährungsphysiologisch etwas anderes als eine billige Tiefkühlpizza mit Analogkäse, schlechten nährstoffarmen Zutaten, Teig mit kurzer Teigführung, 17 unaussprechlichen Zusatzstoffen Zusatzstoffen und insgesamt nährstoffarmen Gesamternährung!
Denn ja: Pizza ist oft nicht deshalb „ungesund“, weil Pizza magisch böse ist. Pizza ist einfach so lecker, dass man davon oft mehr Kalorien isst, als man eigentlich braucht. Ein deutsches Vollkornbrot mit Butter und Käse ist nicht automatisch gesünder. Es schmeckt oft einfach nur so kacke, dass du nicht drei davon hintereinander inhalierst.
Wichtig: Pizza enthält pauschal nichts giftiges!
Ist Pizza immer ungesund?
Chris! Du erzählst etwas von gesunder Ernährung, isst aber ständig Pizza und trinkst Wein – geht’s noch?
Ja. Vielleicht sind unsere Definitionen einer gesunden Ernährung einfach vollkommen anders. Ich würde sogar behaupten, dass du keine Ahnung hast, wenn du sagst: „Pizza ist ungesund.“ Wieso ist die ungesund? Was genau daran? Der (lange fermentierte) Teig? Die Tomatensauce? Der Käse? Die Kräuter? Das Olivenöl? Der Belag? Oder meinst du eigentlich: „Ich esse davon so viel, dass ich am Ende zu viele Kalorien aufnehme“?
Das ist nämlich ein Unterschied.
Pizza ist pauschal weder gesund noch ungesund. Es kommt auf Zutaten, Teigführung, Verträglichkeit, Kalorienmenge und Kontext an. Es gibt nämlich kein ungesundes Lebensmittel. Naja klar, Motoröl zu trinken ist ungesund, aber ansonsten ist gesunde Ernährung (oder ungesunde Ernährung) immer eine Sache des Kontextes!
Was ist an Pizza gesund?
Fangen wir also mit Pizza an. Pizza ist ungesund? Die Aussage wird nicht besser, nur weil man sie oft genug wiederholt. Eine gute Pizza kann aus ziemlich vernünftigen Zutaten bestehen: Tomaten, Käse, Knoblauch, Oregano, Basilikum, Olivenöl, Sauerteig oder lange gereifter Teig, vielleicht Oliven, Kapern, Zwiebeln, hochwertiges Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte. Das ist nicht automatisch Junkfood.
Tomaten liefern unter anderem Lycopin, Kräuter liefern sekundäre Pflanzenstoffe, Käse liefert Protein, Calcium und weitere Nährstoffe, Olivenöl kann eine hochwertige Fettquelle sein mit viel Vitamin E und Polephenolen wie Oleuropein, und ein fermentierter Teig mit langer Gare kann für viele Menschen deutlich besser verträglich sein als ein schneller Hefeteig oder irgendein labbriges Industriebrot oder die morgendlichen Haferflocken!
Getreide ist nicht gleich Getreide. Fermentation verändert etwas. „Fermentierte Milchprodukte sind besser, fermentiertes Gemüse ist besser“ – ja, und fermentiertes Getreide kann ebenfalls besser verträglich sein, weil unter anderem FODMAPs reduziert werden können. Sauerteig mit langer Gare ist etwas anderes als Toastbrot aus der Plastiktüte. Und ja: Das heißt nicht, dass du nur Pizza essen sollst. Aber es heißt, dass Pizza nicht automatisch der Teufel ist und du dadurch krank bist. Die meisten Menschen könnten quasi täglich eine Pizza essen und damit abnehmen und gesünder werden. WIESO DENN NICHT!?
Ist Pizza ungesund wegen Gluten?
Jetzt sagst du vielleicht: „Chris, du sagst doch immer, Getreide und Gluten können problematisch sein – und jetzt Pizza?“ Ja. Kontext, mein Freund. Ich sage nicht: Iss den ganzen Tag Brot, Nudeln, Kuchen, Cornflakes und Pizza und nenn das dann artgerechte Ernährung. Das Problem ist häufig nicht nur, dass du Getreide isst, sondern was du dadurch nicht isst. Wenn 80 % deiner Ernährung aus Nudeln, Brot, Kuchen, Cornflakes und billigem Gebäck besteht, verdrängst du Fleisch, Fisch, Eier, Leber, Beeren, Nüsse, Gemüse, gute Fette, Proteine und echte Mikronährstoffe von deinem Teller! Dann bekommst du nicht nur durch Gluten, FODMAPs oder Antinutriente Probleme, sondern auch indirekt durch Nährstoffdefizite. Und die deutsche Bevölkerung ist eh schon nicht optimal versorgt!
Sauerteigpizza mit langer Gare ist aber nicht dasselbe wie drei Toastscheiben mit Margarine und Pressfleisch. Eine Low-FODMAP-tauglichere Sauerteigpizza kann für manche Menschen sogar verträglicher sein als das angeblich so gesunde Standard-Vollkornbrot (das sagen sogar viele Leute mit Reizdarm, dass sie Döner und Pizza besser vertragen als Müsli und Co). Also nochmal: Getreide, auch Sauerteig, ist immer noch nicht so nährstoffreich wie Fleisch, Fisch, Leber, Eier, Nüsse oder Beeren. Aber du musst ja auch nicht nur Pizza essen.
Warum gilt Pizza als ungesund?
Pizza gilt meistens aus drei Gründen als ungesund:
- Sie ist sehr lecker.
- Sie ist sehr leicht zu überessen.
- Viele Menschen essen billige Pizza in einem schlechten Gesamtkontext.
Eine Margherita von mir hat ungefähr 950 kcal und schmeckt AUSSERORDENTLICH. Das sind grob 110 g Kohlenhydrate und etwa 35 g Fett und etwa 40 g Protein. Wenn du 3500 kcal pro Tag brauchst, ist das nicht automatisch ein Problem. Dann hast du immer noch genug Platz für Magerquark, Vollmilch, Nüsse, Obst, Gemüse, Leber, Fisch, Meeresfrüchte, Linsen, Weidefleisch und so weiter. Wenn du aber 1800 kcal brauchst und abends nebenbei eine Familienpizza plus Wein, Dessert und Chips wegatmest, dann ist nicht „Pizza“ das Problem, sondern die Gesamtmenge. Die Pizzaränder isst du dann noch mit Nutella und gehst mit einem Kalorienplus von 2000kcal raus und DANN wird Pizza (und Nutella) zum Problem: Wenn du (zu oft) deutlich mehr Kalorien zuführst als du solltest und zudem noch hochwertigere und nährstoffreichere Lebensmittel vom Speiseplan verdrängst.
Zu viele Kalorien sind nicht abhängig von einem einzelnen Lebensmittel, sondern vom zu vielen Essen. Und das ist oft das eigentliche Problem: zu wenige Nährstoffe bei zu vielen Kalorien.
Pizza ist einfach sehr belohnend. Warm, salzig, fettig, knusprig, käsig, geil. Deshalb isst du davon mehr. Nicht, weil dein Körper nach „ungesunder Pizza“ sucht, sondern weil dein Gehirn sagt: JUNGE, weiter, immer weiter!
Ist Pizza schlechter als Brot mit Käse?
Wirklich? Ist eine gute Pizza schlechter als das klassische deutsche Frühstück? Brot, Butter, Käse. Oder Brot, Margarine, Wurst. Vielleicht noch Kaffee dazu. Und das soll dann automatisch gesünder sein als eine Sauerteigpizza mit Tomaten, Kräutern, gutem Käse, Olivenöl und hochwertigem Belag? Also wenn du denkst, Pizza sei pauschal ungesund, dann musst du unweigerlich auch denken, dass ein normales Frühstück mit Brot dich instant umbringt.
Der Unterschied ist oft nicht die Gesundheit. Der Unterschied ist: Pizza schmeckt besser.
Ein Vollkornbrot mit Butter und Käse ist nicht automatisch gesünder. Es ist nur weniger eskalationsgefährlich, weil du nach zwei Scheiben meistens nicht denkst: „Geil, gib mir noch sechs davon.“
Bei Pizza kann das passieren.
Was ist gesunde Ernährung wirklich?
Was ist also gesund? Wie definierst du gesunde Ernährung? Was macht ein gesundes oder ungesundes Lebensmittel aus?
Ein kleiner Rahmen:
- Ausreichend essentielle und semiessentielle Nährstoffe.
- Nicht zu viel und nicht zu wenig Energie.
- Wenig Dinge, die Darm, Immunsystem oder Stoffwechsel unnötig reizen.
- Gute Verträglichkeit für dich persönlich.
- Eine Ernährung, die du realistisch langfristig durchhältst.
Du kannst eine gesunde Ernährung nicht am Konsum oder Nicht-Konsum eines einzigen Lebensmittels festmachen. Auch wenn monokausales Denken und Angstmacherei vor einzelnen Lebensmitteln heutzutage Standard sind, vor allem auf den sozialen Medien.
Es gibt da das Minimalprinzip aus der Landwirtschaft: Wenn der Pflanze Kalium fehlt, hilft ihr Selen nicht. Das Wachstum wird durch den Stoff limitiert, der am meisten fehlt. So ähnlich ist es beim Menschen auch. Wenn dir Zink fehlt, brauchst du nicht panisch Magnesium. Wenn du Kupfer brauchst, bringt dir Vitamin A alleine nichts.
Gesunde Ernährung bedeutet also nicht: „Keine Pizza.“
Gesunde Ernährung bedeutet: Die wichtigen Dinge müssen abgedeckt sein.
Wie kann Pizza in eine gesunde Ernährung passen?
Ganz einfach: Iss die guten Sachen – und wenn dann noch Platz ist, iss auch Pizza. Eine Ernährungsberatung fängt bei mir oft so an: Iss deine Leber, deinen Fisch, dein Fleisch, deine Eier, deine Vitamine, dein Omega-3, deine Beeren, deine Nüsse, dein Gemüse. Wenn du dann noch Hunger hast: keine Verbote.
Gestern gab es bei mir 2 Pizza Romana mit Büffelmozarella, Sauerteig, Olivenöl, frischen Tomaen, Basilikum und Parmesan. Dazu gab es Rinderfilet mit Jodsalz, Kirschen, Kiwi, einen gemischten Salat und einen Proteinshake von Götterspeise und ein Multivitamin. Es war ein Trainingstag und insgesamt 3400kcal, bei einem Verbrauch von etwa 3600kcal, also ein minimales Nährstoffdefizit, vielen nährstoffreichen Lebensmitteln, es war lecker und fertig. DAS ist gesunde Ernährung: Etwas was dir schmeckt, dir gut tut, was du verträgst und was du langfristig auch umsetzen kannst! Ganz ohne Verbote und komplizierte Regeln!
Eine gute Pizza kann also wunderbar in eine gesunde Ernährung reinpassen. Vor allem, wenn du sie besser machst:
- Sauerteig oder lange Teigführung
- gute Tomatensauce
- Kräuter wie Oregano, Basilikum, Thymian
- guter Käse statt billigem Industriekäse
- Olivenöl
- hochwertiger Belag
- Protein dazu: Rind, Schinken, Fisch, Meeresfrüchte, Eier oder extra Käse
- nicht jeden Tag zwei Familienpizzen, nur weil „Chris sagt Pizza ist gesund“
Geil ist zum Beispiel eine Pizza Marinara mit Rinderfilet, Zwiebeln, Oliven, Kapern und etwas Basilikum-Mayo. Dann bist du vielleicht bei 1200 kcal, aber auch bei 75 g Protein und einer ziemlich nahrhaften Mahlzeit. Und selbst wenn´s mal diese Tiefkühlpizza ist: DANN IST DAS AUCH MAL OK!
Pizza ist also ungesund? Nein: Mehr dazu liest du hier: Der Pizzakonsum ist statistisch tatsächlich mit einem geringeren Auftreten von verschiedenen Krebsarten und Herzkreislaufproblemen assoziiert und die verwendeten Zutaten wie Käse (Milchfett), Tomaten, Knoblauch, Oregano und die ganzen anderen Kräuter, haben zusätzlich positive Effekte auf die Herzkreislaufgesundheit, auf metabolische Auslenkungen und sogar vorzeitiger Sterblichkeit (Tong et al 2017., Nilsen et al. 2015 uvm.).
Also Pizza zu essen ist nicht ungesund – der Kontext entscheidet letztendlich darüber, ob etwas (d)eine Ernährung gut oder schlecht ist.
Häufige Fragen zu Pizza und Gesundheit
Ist Pizza gesund?
Pizza kann in eine gesunde Ernährung passen. Entscheidend sind Teig, Zutaten, Menge und der Rest deiner Ernährung. Eine Sauerteigpizza mit guten Zutaten ist etwas anderes als eine billige Tiefkühlpizza. Aber selbst die ist auch mal ok, wenn du dich nicht nur davon ernährst und dadurch Nährstoffdefizite entwickelst.
Ist Pizza ungesund?
Pizza ist nicht pauschal ungesund. Ungünstig wird Pizza vor allem dann, wenn sie sehr kalorienreich ist, nährstoffreiche Lebensmittel verdrängt, ständig überessen wird oder aus minderwertigen Zutaten besteht.
Warum gilt Pizza als ungesund?
Pizza gilt oft als ungesund, weil sie sehr lecker, energiedicht und leicht zu überessen ist. Das Hauptproblem ist häufig nicht Pizza an sich, sondern zu viele Kalorien bei zu wenig Protein, Mikronährstoffen und Bewegung.
Ist selbstgemachte Pizza gesünder als Tiefkühlpizza?
Nicht unbedingt. Bei selbstgemachter Pizza kannst du aber Teigführung, Zutaten, Käse, Öl, Belag und Proteinmenge selbst steuern. Eine Pizza mit langer Gare, Tomatensauce, Kräutern, gutem Käse und hochwertigem Belag ist oft besser einzuordnen als viele Tiefkühlpizzen.
Ist Pizza mit Sauerteig besser verträglich?
Für viele Menschen kann Pizza mit Sauerteig oder langer Gare besser verträglich sein, weil sich der Teig verändert und bestimmte FODMAPs reduziert werden können. Das heißt nicht, dass jeder Sauerteig perfekt verträgt, aber es ist ein großer Unterschied zu schnellem Hefeteig.
Ist Pizza schlechter als Brot?
Nicht automatisch. Ein Vollkornbrot mit Butter und Käse ist nicht automatisch gesünder als eine gute Sauerteigpizza mit Tomaten, Kräutern, Käse und Olivenöl. Entscheidend ist die gesamte Mahlzeit, nicht das Etikett „Brot“ oder „Pizza“.
Kann man mit Pizza abnehmen?
Ja, theoretisch kannst du auch mit Pizza abnehmen, wenn deine Kalorienbilanz passt. Praktisch ist Pizza aber sehr lecker und leicht zu überessen. Deshalb ist Portionsgröße entscheidend.
Welche Pizza ist am gesündesten?
Eine gute Pizza besteht aus verträglichem Teig mit langer Gare, Tomatensauce, Kräutern, gutem Käse, Olivenöl und einem proteinreichen Belag. Noch wichtiger: Sie passt in deine gesamte Ernährung und verdrängt nicht dauerhaft nährstoffreiche Lebensmittel. Es gibt nicht die gesündeste oder beste Pizza, das ist immer abhängig vom Kontext.
Muss ich Pizza vermeiden, wenn ich gesund essen will?
Nein. Du musst Pizza nicht pauschal vermeiden. Du solltest nur darauf achten, dass deine Ernährung insgesamt ausreichend Protein, Mikronährstoffe, gute Fette, Ballaststoffe und passende Energie liefert.
HINWEIS: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.







